Unparteiische Beauty: «Den Zuschauern kann ich keine Karte zeigen»
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Unparteiische Beauty«Den Zuschauern kann ich keine Karte zeigen»

Aurélie Sarà Bollier gehört zu den schönsten Schiedsrichterinnen der Schweiz. Auf dem Feld wird ihr regelmässig nachgepfiffen - trotzdem bleibt sie unparteiisch.

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20 Minuten: Aurélie Sarà Bollier, du wirst als eine der schönsten Schiedsrichterinnen der Schweiz gehandelt.

Bollier: Was soll ich sagen? Das entscheiden die Leute. Ich kenne schliesslich nicht alle Frauen, die Schiedsrichterinnen sind, also kann ich das schlecht beurteilen. Aber es ist natürlich eine grosse Ehre.

Pfeifst du lieber bei Männer- oder Frauenspielen?

Ich hatte bisher nur gute Frauenpartien. Da gab es nie Zickenterror auf dem Feld. Mit Frauen ist es irgendwie ruhiger, aber ich kann ja nur für mich sprechen.

Nehmen die Männer dich überhaupt ernst?

Klar gibt es immer dumme Sprüche, wenn man als Frau eine Männer-Partie pfeift. Ich hatte zwar noch nie Probleme mit Respekt, aber man wird natürlich relativ schnell in eine Schublade gesteckt. Fast schlimmer sind aber meist die Zuschauer.

Die Pfeifen dir nach?

Ja, aber die können es sich auch leisten. Zuschauern kann ich schliesslich keine Karte zeigen.

Fussball ist ja doch eher eine Männerdomäne. Hast du dich schon diskriminiert gefühlt?

Es ist kein einfacher Job: Als Frau ist man entweder die beste oder die schlechteste Schiedsrichterin der Welt. Dazwischen gibt es nichts.

Was macht denn für dich einen guten Schiedsrichter aus?

Natürlich, dass er immer auf Ballhöhe ist und all die technischen Aspekte. Aber wichtig ist vor allem, dass er Fehler zugeben kann, wenn er Quatsch pfeift. Schliesslich ist niemand perfekt.

Wie stehst du zu neuen Technologien, die den Schiedsrichter unterstützen? Etwa die Goallinien-Kamera?

Bei grossen Anlässen wie der WM finde ich das extrem gut, denn da geht es nicht mehr wirklich um Fussball, sondern vor allem um Geld. Ich fände es aber schade, wenn man sowas in den tiefen Ligen einführt. Fussball ist schliesslich menschlich - Menschen machen Fehler und deshalb gehört das irgendwie dazu.

Wer ist dein Favorit bei der WM?

Ich bin für Deutschland, denn ich bin Riesen-Fan von Borussia Dortmund. Und obwohl das deutsche Nationalteam voll von FC-Bayern-Spielern ist: An der WM kann man über solche Sachen hinwegschauen.

Was sagst du zur bisherigen Leistung der Schweiz?

Obwohl man wusste, dass die Partie gegen Frankreich schwierig wird, hat mich das etwas schockiert. Aber ich denke, sie schaffen es noch weiter.

Die neue Ausgabe von «Maxim» mit dem Editorial von Aurélie Sarà Bollier erscheint am Donnerstag.

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