«Angst raubt nur Energie»: Deniz Kayadelen schwimmt mit Quallen und Haifischen durch Weltgewässer
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«Angst raubt nur Energie»Deniz Kayadelen schwimmt mit Quallen und Haifischen durch Weltgewässer

Als Extrem- und Eisschwimmerin stösst die 34-Jährige regelmässig an ihre Grenzen. Im «Fernweh»-Podcast erklärt sie, warum sie sich immer wieder pusht. 

von
Melanie Biedermann
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Deniz Kayadelen liebt das Wasser. Seit 20 Jahren schwimmt sie leidenschaftlich und immer wieder in Wettkämpfen, vor drei Jahren begann sie mit Kältetraining.

Deniz Kayadelen liebt das Wasser. Seit 20 Jahren schwimmt sie leidenschaftlich und immer wieder in Wettkämpfen, vor drei Jahren begann sie mit Kältetraining.

privat
Denn sie wollte Ärmel- und Nordkanal überqueren – Spoiler: Es ist ihr gelungen.

Denn sie wollte Ärmel- und Nordkanal überqueren – Spoiler: Es ist ihr gelungen.

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Die Deutsche mit türkischen Wurzeln reist auch beruflich. Seit einigen Monaten lebt sie in Zürich, während des Lockdowns war sie für sechs Monate in Kapstadt stationiert.

Die Deutsche mit türkischen Wurzeln reist auch beruflich. Seit einigen Monaten lebt sie in Zürich, während des Lockdowns war sie für sechs Monate in Kapstadt stationiert.

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Darum gehts

«Ich bin seit 20 Jahren leidenschaftliche Schwimmerin», erklärt Deniz Kayadelen. «Kälte war lange meine grösste Angst.» Beim Schwimmen im kalten Wasser habe die heute 34-Jährige einmal ihr Bewusstsein verloren, «mitten in einem Wettkampf», erinnert sie sich.

Vor drei Jahren begann sie schliesslich mit Kältetrainings. «Sie eröffneten mir neue Perspektiven und transformierten meine Persönlichkeit: mehr Resilienz, mehr Fokus, mehr Konzentration», so Kayadelen. «Unsere Barrieren sind oft im Kopf.» Bei einem Praxistest während eines Aufenthalts in Südafrika konnte sie sich selber davon überzeugen. 

Ein Schwumm unter Haifischen vor Kapstadt

«Ich bin von Robben Island nach Kapstadt geschwommen. Das Wasser war sehr kalt, etwa 14 Grad, und man sagt, dass um die Bucht viele weisse Haie sind», erinnert sie sich. Mit einem Beobachter im Begleitboot habe sie die Aufgabe gemeistert: acht Kilometer innert zweieinhalb Stunden. 

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Furcht und Respekt habe sie durchaus gehabt, aber kurz bevor sie losgeschwommen sei, merkte sie: «Angst bringt mir nichts, das raubt mir nur meine Energie und innere Wärme, die ich brauche, um das durchzustehen.» Danach kam eine weitere Erkenntnis: «Den einen richtigen Zeitpunkt gibt es nie.»

Von weissen Haien zu Quallen im Nordkanal

Neben dem Erlebnis in Kapstadt durchquerte Kayadelen unter anderem den Ärmelkanal – «42 Kilometer von England nach Frankreich, allerdings in einer Staffel» – und den Nordkanal – «eine der schwierigsten Routen überhaupt». Auf dem Weg von Irland nach Schottland hatte das Wasser zwölf Grad und es sei voller giftiger Quallen gewesen. Sie nahm damals präventiv Medikamente.

Kayadelens aktuellste Herausforderung war die Eisschwimm-Weltmeisterschaft 2022 im Februar in Polen. «Ich hatte wieder riesigen Respekt: Eisschwimmen bedeutet, das Wasser ist unter fünf Grad, in Glogow hatte es drei.» Ihr Ziel damals: «Ich hoffte, ich überlebs und schaff ohne Komplikationen die 500 Meter.» Ihre Bemühungen und ihr Durchhaltewille hatten sich gelohnt: Deniz Kayadelen wurde Weltmeisterin.

Ihr nächstes Ziel sei New York, eine Route im Hudson River, die in etwa 42 Kilometer um Manhattan führt. «Dort will ich Geld für die ALS-Krankheit sammeln.» 

Die komplette «Fernweh»-Folge mit Deniz Kayadelen gibts direkt hier. Für mehr Reise-Anekdoten und -Inspiration gehts hier lang

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