Bilder aus dem 16. Jahrhundert - Denkmalpflege entdeckt in Zug einzigartige Wandmalereien
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Bilder aus dem 16. JahrhundertDenkmalpflege entdeckt in Zug einzigartige Wandmalereien

In einem Haus in Zug sind bei Sanierungsarbeiten seltene Wandmalereien entdeckt worden. Die Bevölkerung kann die Bilder bald bestaunen.

von
Gianni Walther
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Bei Sanierungsarbeiten in einem denkmalgeschützten Gebäude in der Zuger Altstadt sind einzigartige Wandmalereien zum Vorschein gekommen. Der Erzengel Michael (Bild) ist der Schutzpatron der Stadt Zug. Der Engelsfürst soll den Himmel und die Erde gegen das Böse verteidigen und gilt im Christentum als Bezwinger Satans.

Bei Sanierungsarbeiten in einem denkmalgeschützten Gebäude in der Zuger Altstadt sind einzigartige Wandmalereien zum Vorschein gekommen. Der Erzengel Michael (Bild) ist der Schutzpatron der Stadt Zug. Der Engelsfürst soll den Himmel und die Erde gegen das Böse verteidigen und gilt im Christentum als Bezwinger Satans.

Stefan Hochuli, ADA Zug
Vermutlich handelt es sich bei dieser Darstellung um den Rest einer sogenannten Kreuzigungsgruppe. Am linken Bildrand ist ein Soldat zu sehen, rechts von ihm wohl Maria als Fürbitterin am Kreuz Christi. Im Hintergrund sichtbar - ein Teil des biblischen Jerusalem. Durch einen jüngeren Türdurchbruch wurde dieser Bereich der Wandmalerei allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Vermutlich handelt es sich bei dieser Darstellung um den Rest einer sogenannten Kreuzigungsgruppe. Am linken Bildrand ist ein Soldat zu sehen, rechts von ihm wohl Maria als Fürbitterin am Kreuz Christi. Im Hintergrund sichtbar - ein Teil des biblischen Jerusalem. Durch einen jüngeren Türdurchbruch wurde dieser Bereich der Wandmalerei allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Regine Giesecke, ADA Zug
Zu einem noch unbekannten Zeitpunkt wurden die figürlichen Malereien mit Kalkfarbe übertüncht. Diese hat die Malerei über lange Zeit geschützt, die Entfernung der Farbe ist aber aufwendig. Mit Skalpellen wird die Deckschicht Millimeter um Millimeter von den Restauratoren und Restauratorinnen von Hand freigelegt

Zu einem noch unbekannten Zeitpunkt wurden die figürlichen Malereien mit Kalkfarbe übertüncht. Diese hat die Malerei über lange Zeit geschützt, die Entfernung der Farbe ist aber aufwendig. Mit Skalpellen wird die Deckschicht Millimeter um Millimeter von den Restauratoren und Restauratorinnen von Hand freigelegt

Regine Giesecke, ADA Zug

Darum gehts

  • Bei Sanierungsarbeiten in einem Gebäude in der Zuger Altstadt sind aussergewöhnliche Wandmalereien zum Vorschein gekommen.

  • Die Malereien sind im Kanton Zug einzigartig. Die Malereien dürften auch schweizweit selten sein. Rückmeldungen zu vergleichbaren Beispielen hat das Zuger Amt für Denkmalpflege und Archäologie bisher nicht erhalten.

  • Die Bilder sind unter einer Deckschicht verborgen und werden nun freigelegt. Die Arbeiten sind sehr aufwendig.

  • Die Bevölkerung kann die einmaligen Bilder am kommenden Wochenende besichtigen.

Spektakuläre Entdeckung in der Zuger Altstadt: Bei Sanierungsarbeiten im denkmalgeschützten Gebäude an der Ägeristrasse 3 wurden Malereien aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. «In der Stadt Zug wurden bisher keine vergleichbaren Malereien entdeckt. Einen derart reichhaltig ausgeschmückten Raum haben wir bisher noch nie angetroffen», sagt Stefan Hochuli, Leiter des Amts für Denkmalpflege und Archäologie.

Unter Kalkfarbe wurden grossflächige Malereien gefunden. Zu sehen sind Tier- und Pflanzenbilder, Figuren und ein Bild einer Stadt. Dargestellt ist auch Christus am Ölberg – ein laut Denkmalpflege ab dem 15. Jahrhundert beliebtes Motiv. «Es zeigt den Moment, als Jesus im Garten Gethsemane, etwas ausserhalb von Jerusalems Stadtzentrum, neben den schlafenden Jüngern zum Himmel betet, bevor er am späteren Abend von Judas verraten und von Soldaten festgenommen wird.»

Keine Rückmeldungen zu vergleichbaren Malereien

Besonders interessant sei ein Bild der Stadt Jerusalem, das «erstaunliche Details» aufweist: «Auf den Kirchtürmen sind Halbmonde zu sehen. Es handelt sich also um Moscheen», sagt Hochuli. Deshalb muss es sich um eine Darstellung von Jerusalem handeln, als die Stadt unter osmanischer Herrschaft stand. Die Osmanen eroberten die Stadt im Jahr 1517. «Eigentlich wird aber eine Szenerie zu Lebzeiten von Jesus gezeigt. Hier werden also zwei historische Ereignisse vermischt

Wandmalereien aus dieser Zeit und in dieser «eindrücklichen Qualität» sind im Kanton Zug einmalig. Man stehe auch in Kontakt mit Fachkolleginnen und -kollegen in der Schweiz. «Bisher haben wir keine Rückmeldungen zu vergleichbaren Beispielen erhalten. Die Malereien dürften auch schweizweit selten sein.»

Freilegungsarbeiten sind sehr aufwendig

Man stehe erst am Anfang der Untersuchungen. Diese zeigen, dass das Haus im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Wer dieses erbaute, wer darin wohnte und wieso die Bilder gemacht wurden, ist noch unklar. Auch unklar ist, welche weiteren Bilder noch freigelegt werden. «Die Restauratoren haben an verschiedenen Stellen die deckende Kalkfarbe entfernt. Man sieht, dass die Malerei noch deutlich grösser ist, als das, was man bisher sieht», sagt Hochuli.

Wohl bis Ende Jahr dürften die Freilegungs- und Sicherungsarbeiten dauern, schätzt Hochuli. Was danach mit den Malereien passiert, ob sie etwa wieder verdeckt oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ist noch unklar. Die Eigentümer der Liegenschaft, Janina und Alexander Galliker, sind jedenfalls begeistert; «Wir sind stolz, dass in unserem Haus derart kostbare Malereien zum Vorschein gekommen sind. Wir freuen uns, diese erhalten zu können und dabei auf die fachliche und finanzielle Unterstützung der Denkmalpflege zählen zu dürfen.»

Malereien werden Bevölkerung gezeigt

Am kommenden Samstag hat die Öffentlichkeit zwischen 10 und 15 Uhr die Gelegenheit, die Wandmalereien im Original zu sehen. In diesem Zeitraum können die Wandmalereien frei besichtigt werden. Jeweils zur vollen Stunde werden Führungen angeboten. Letzte Führung: 14 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Besichtigungen sind nur mit Covid-19-Zertifikat möglich.

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