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FilmlegendeDennis Hopper ist tot

Der Krebs hat den «Easy Rider» besiegt: US-Schauspieler und Regisseur Dennis Hopper ist in Kalifornien im Alter von 74 Jahren gestorben.

Dennis Hopper überlebte Drogen- und Alkoholexzesse, überstand Wahnerkrankungen, Prügeleien und Karrieretiefs. Immer wieder richtete er sich auf, ehe ihn der letzte Gegner, der Krebs, niederrang. Er sei in seinen letzten Stunden daheim im kalifornischen Venice bei Los Angeles von der Familie und engsten Freunden umgeben gewesen, gab ein Vertrauter der Familie bekannt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Hopper hatte erst vor zwei Monaten einen Stern auf dem berühmten Walk of Fame verliehen bekommen. Trotz seiner schweren Krankheit liess es sich der gebrechliche Star nicht nehmen, an der Ehrung teilzunehmen, und genoss den Applaus von prominenten Freunden und hunderten Fans.

«Ihr habt mir ein Leben ermöglicht, dass ich als Junge von Dodge City, Kansas, nie erwartet habe», bedankte sich der Star aus Filmen wie «Apocalypse Now», «Blue Velvet» und «Speed». Anschliessend posierte er mit seinem guten Freund Jack Nicholson vor den Kameras. Er wog bei der Zeremonie im März nach Angaben seiner Anwälte nur noch 45 Kilogramm.

Erste Rollen mit James Dean

Als exzentrischer Darsteller mit einem Faible für dämonische Rollen schrieb Hopper Filmgeschichte. An der Seite seines Freundes James Dean spielte er in «Denn sie wissen nicht, was sie tun» (1955) und «Giganten» (1956). Bald nach dem Tod des Idols und Freundes im Jahr 1955 geriet der Nachwuchsstar als «unkontrollierbar» auf Hollywoods schwarze Liste.

Mit dem Hippie-Drama «Easy Rider» schuf Hopper 1969 dann einen Kultfilm, der das Lebensgefühl der gegenkulturellen Jugendbewegung in Bilder und Musik fasste. Der Film spielte gut das Hundertfache (50 Millionen Dollar) ihrer Produktionskosten (400 000 Dollar) in die Kinokassen. In Francis Ford Coppolas Anti-Kriegs-Schocker «Apokalypse Now» spielte er einen drogensüchtigen Fotografen. Als sadistischer Krimineller in «Blue Velvet» gelang ihm 1986 ein Comeback, es folgten Dutzende viel beachteter Rollen in Filmen wie «Speed» (1994).

In erster Linie war Hopper freilich immer der Hauptdarsteller in seinem eigenen grimmigen Lebensdrama. «Ich war ein schizophrener, paranoider, unter Drogen stehender Säufer», beschrieb Hopper vor zwei Jahren in einem Interview mit dem US-Magazin «Parade» seine jüngeren Jahre.

Ein Teufelskreis: Er habe Drogen genommen, um zu vertuschen, dass er Alkoholiker war. Er habe Kokain genommen, um sich nüchtern zu fühlen und weiter Alkohol trinken zu können. «Ich war so weit unten, die Optionen waren entweder Gefängnis oder Tod», sagte Hopper.

Böser Bube

Der Absturz folgte auf den Riesenerfolg mit «Easy Rider». In den 70er Jahren zog sich Hopper, der 1936 auf einer Farm in Kansas geboren wurde, mit einer Hippie-Gemeinde nach New Mexico zurück. Der Schauspieler stürzte sich mutwillig in Rauschexzesse.

Er schnupfte, spritzte, rauchte. Anfälle von akutem Verfolgungswahn machten das Leben zur Hölle. Sein genial- wahnsinniger Film «The Last Movie» (1971) wurde von der Kritik zerrissen. Anfang der 80er Jahre landete Hopper in der Psychiatrie.

In Hollywood war der böse Bube Dennis Hopper berüchtigt, er galt als unberechenbar. Immer wieder trat seine Karriere jahrelang auf der Stelle, weil Regisseure die Arbeit mit Hopper scheuten. Wenn Hopper, das künstlerische Multitalent, nicht drehte, schrieb er Gedichte, malte Bilder oder fotografierte.

Seine Porträtaufnahmen von Künstlerfreunden wie Andy Warhol oder Roy Lichtenberg verschafften Hopper viel künstlerische Anerkennung. Hinter der Fassade des rauflustigen Rebellen steckte ein sensibler Künstler.

Comeback

Ein befreundeter Filmproduzent holte Hopper Mitte der 80er Jahre aus dem Drogensumpf, verhalf dem längst Abgeschriebenen zu einer Entziehungskur und zu einem erfolgreichen Comeback im Filmgeschäft. Seine schauerliche Darstellung eines Psychopathen in «Blue Velvet» wurde 1986 zu einer seiner Paraderollen, Hoppers geniales Spiel konnte an «Easy Rider» anknüpfen. 1987 wurde er für einen Oscar nominiert. Es folgten zahlreiche erfolgreiche Filmprojekte.

Hopper mauserte sich zu den angesehensten Kinogrössen in Hollywood, den Drogen blieb er fern. «Mein Sohn hat mich noch nie betrunken gesehen», sagte Hopper 2008 nicht ohne stolz in dem «Parade»-Interview.

Bitterer Scheidungskrieg

Seinen Ruf als schwieriger Mensch wurde Hopper freilich bis zuletzt nicht los. In den letzten Monaten vor seinem Tod lieferte er sich mit seiner fünften Ehefrau, der 32 Jahre jüngeren Victoria Duffy, eine bittere Scheidungsschlacht. Seine Erkrankung an Prostatakrebs war im Oktober bekanntgeworden. Die Anwälte machten kürzlich in Gerichtsdokumenten geltend, dass ihr Mandant zu schwach sei, um in dem Scheidungsverfahren auszusagen.

Der Schauspieler hatte Mitte Januar nach knapp 14 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht. Für die Trennung von seiner fünften Frau machte er «unüberbrückbare Differenzen» geltend. Er pocht vor Gericht auf ein gemeinsames Sorgerecht für die siebenjährige Tochter Galen.

Hopper war fünfmal verheiratet. Seine erste Frau war Brooke Hayward, die Ehe hielt acht Jahre. Seine zweite Ehe führte er mit der Schauspielerin und Sängerin der Hippie-Gruppe The Mamas and the Papas. Michelle Phillips, hielt nur acht Tage. Seine letzte Frau heiratete er 1996. Aus den fünf Ehen gingen drei Töchter und ein Sohn hervor. (sda)

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