Radioaktiver Boden : Deponie-Anwohner fürchten sich vor Krankheiten

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Radioaktiver Boden Deponie-Anwohner fürchten sich vor Krankheiten

Anwohner des radioaktiv belasteten Bieler Quartiers machen sich Sorgen: Sie haben Angst, wegen des verseuchten Bodens krank zu werden und fordern Informationen von den Behörden.

von
smü/ng

A. K.* wuchs im Bieler Mühlefeldquartier auf, fast 30 Jahre wohnte er auf radioaktiv belastetem Boden. Vor wenigen Monaten wurde er Vater, die junge Familie zog in ein Haus nahe dem Quartier um. Der kleine Sohn kam mit Trisomie 21 zur Welt. «Als ich am Sonntag aus den Medien vom Fall erfahren habe, schoss mir sofort ein Gedanke durch den Kopf: Hat die Krankheit meines Sohnes einen Zusammenhang mit dem verseuchten Boden?», erzählt A.K.

Helpline gefordert

Kaum jemand in der Nachbarschaft habe davon gewusst, dass sie auf einer ehemaligen Deponie lebten, geschweige denn, dass der Boden radioaktiv verseucht sein könnte. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), der Kanton Bern und die Gemeinde Biel wussten seit 2012 vom Fall, doch keine der Behörden informierte die Bevölkerung .

A. K. ist verunsichert und fühlt sich mit seinen Fragen alleine gelassen: «Hätte ich vom verseuchten Boden gewusst, wäre ich für eine Untersuchung zum Arzt gegangen, bevor ich eine Familie gegründet hätte.» Die Frau eines Freundes, der ebenfalls im Quartier aufgewachsen sei, habe zwei Fehlgeburten erlitten - zudem sei der Vater an Krebs erkrankt. Zwar wisse er, dass dies auch Zufälle sein könnten, aber: «Diese gesundheitlichen Fragen stellen sich und deshalb fordere ich die Einrichtung einer Helpline, damit unsere Fragen beantwortet werden», so A. K. weiter.

Gesundheitliche Folgen sind schwierig abzuschätzen

Er und seine Frau überlegten sich, ein zweites Kind zu bekommen: «Daher will ich wissen, ob die Gefahr besteht, dass es krank zur Welt kommen könnte.»

Das Bundesamt für Gesundheit reagierte am Montag auf die Verunsicherung in der Bevölkerung und richtete die E-Mail-Adresse

str@bag.admin.ch ein, um Fragen stellen zu können.

Obwohl manche der Deponie-Anwohner jahrzehntelang der Strahlung ausgesetzt waren, dürfte diese doch zu gering gewesen sein, als dass sie Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnte. Die höchste gemessene Strahlendosis der Bieler Deponie betrug laut den Behörden 0,3 Millisievert pro Stunde. In den Bereichen, in denen sich die Bevölkerung aufhalten könne, sei die ehemalige Deponie mit Betonabbruch und/oder Erde bedeckt, teilen die Behörden mit. In diesen Bereichen werde die Strahlendosis daher um mindestens das Zehnfache reduziert. «Man schätzt daher, dass die Strahlendosis in dem Bereich der ehemaligen Deponie, in dem sich die Bevölkerung aufhalten kann, auf ein Meter über dem Boden maximal 0.9 Mikrosievert beträgt», heisst es weiter, «ein Mensch müsste also 1100 Stunden pro Jahr in dem Bereich, in dem die Strahlung am höchsten ist, auf derselben Bank sitzen, um eine Strahlung in Höhe des für die Bevölkerung geltenden Grenzwertes von ein Millisievert pro Jahr zu erreichen.»

Eine zu geringe Strahlung, als dass sie gefährlich würde: «Man weiss, dass Menschen bei höheren Strahlendosen über ca. 150-200 Millisievert pro Jahr Gesundheitsschäden entwickeln können», sagt Gustav von Schulthess, Leiter der Klinik für Nuklearmedizin an der Uni Zürich.

Und weiter: «Im Falle von Trisomie 21 konnte man bisher keinen direkten Zusammenhang zwischen radioaktiver Strahlung und dem Vorkommen feststellen.»

*Name der Redaktion bekannt

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