Hilfe von Online-Tool : Depressive schauen häufiger zu tief ins Glas
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Hilfe von Online-Tool Depressive schauen häufiger zu tief ins Glas

Bei Menschen mit Depressionen ist der Anteil derjenigen, die einen riskanten Alkoholkonsum aufweisen, überdurchschnittlich hoch. Jetzt soll ihnen ein Schweizer Online-Tool helfen.

von
lüs

7 Prozent der Schweizer Bevölkerung erkranken jedes Jahr erstmals an einer Depression, und das Risiko, einmal im Leben an einer depressiven Verstimmung zu leiden, beträgt 20 Prozent. Dies zeigt eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums. Die Studie hat auch das Gesundheitsverhalten der Betroffenen untersucht.

Dabei zeigt sich: Zwar ist unter den Depressiven der Anteil derjenigen, die gar keinen Alkohol trinken, um mehr als das Doppelte erhöht – häufig hängt dies mit den Nebenwirkungen von Antidepressiva zusammen, die die Betroffenen zur Abstinenz bewegen. Zu diesem Schritt entscheiden sich laut der Studie aber vor allem Personen, die vorher nur moderat getrunken hatten. Gleichzeitig ist unter Menschen, die mit Depressionen kämpfen, auch der Anteil der Risikotrinker erhöht, die einmal oder gleich mehrmals am Tag zu Alkohol greifen.

Angst vor Stigmatisierung

Wie kann man diesen Menschen helfen, gleichzeitig ihre depressive Verstimmung und ihren Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen? Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) möchte dies über ein Online-Tool erreichen: Die Website Takecareofyou.ch richtet sich in einer neuen Erhebungswelle speziell an diese Menschen.

Takecareofyou.ch stellt den Nutzern fiktive «Freunde» zur Seite, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden. Doch nun kommt ein weiteres Angebot hinzu: «Neu ist, dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nun zusätzlich zu den Begleitpersonen auch ein individueller E-Coach zur Verfügung steht», sagt Larissa Maier vom ISGF. Wer zugleich an Depressionen und Alkoholproblemen leide, fühle sich oft doppelt stigmatisiert und scheue sich davor, Hilfe zu suchen, so Maier. «Die Teilnahme an einem solchen Online-Programm kostet aber kaum Überwindung.»

Wenn es gelinge, damit Betroffene zu erreichen, sei dies aus Sicht des öffentlichen Gesundheitswesens von grosser Bedeutung. Die Wirksamkeit soll nun im Rahmen einer Studie, die bis Ende 2017 dauert, überprüft werden.

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