Der DKW F12 war bekannt als 40-PS-Mercedes
Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

DKW F12Der 40-PS-Mercedes mit dem charakteristischen Fahrgeräusch

Der DKW F12 war anders und sicherlich eine Alternative zum etwas günstigeren VW Käfer, welchen er mit 40 PS und einer fast schon luxuriösen Ausstattung locker abhängte. Trotzdem ist er heute fast vergessen.

von
Daniel Reinhard

Kein Geringerer als der Schotte Jim Clark startete seine grossartige Rennkarriere mit einem DKW. Er fuhr damit sein erstes Rennen auf einem Flugplatz bei Aberdeen 1956, wo er mit einem Sieg zeigte, wozu er in seiner Karriere noch fähig sein würde. Sein Auto war mit einem Dreizylinder-Zweitaktmotor ausgerüstet, ein Konstruktionsprinzip, an dem DKW noch bis in die Sechzigerjahre festhalten würde.

F12 folgt auf Junior

Im Januar 1963 löste der DKW F12 den beliebten Junior, eigentlich den Junior de Luxe, ab. Der DKW F12 war zwar ein komplett neues Auto, doch mit all den beibehaltenen Merkmalen wirkte er mehr wie eine Weiterentwicklung des Juniors. Die Front des Neuen wurde nur geringfügig geändert. Die Designidee der abgeschrägten vorderen Kotflügel stammte aus den USA und war schon bei der Präsentation des F12 bereits wieder veraltet. Im Vergleich zum Junior wirkte der F12 fast wie ein Rückschritt. Er wirkte schmaler und hochbeiniger, obwohl die Aussenmasse kaum verändert wurden.

Der Frontantrieb

Der ganz grosse Pluspunkt am F12 war, wie bereits bei seinen Vorgängern, der Frontantrieb. Es gab damals nur zwei Hersteller, die sich schon früh konsequent für den Frontantrieb entschieden hatten: Auto Union/DKW und Citroën. Der Vorteil dieser Bauweise waren günstigere Produktionskosten und mehr Platz für die Passagiere und das Gepäck. Für den Zweitaktmotor sprachen ebenfalls die tiefen Kosten (vor allem auch im Unterhalt) und die hohe spezifische Leistung bei insgesamt guter Fahrkultur.

Beim F12 kam eine technisch sehr aufwendige Frischölautomatik zum Einsatz, die automatisch Öl aus einem separaten Behälter zum Benzin mischte, womit man als Besitzer keine Zweitakt-Säulen mit Gemisch mehr suchen musste. Die übrige Technik wurde optimiert, aber nicht grundlegend geändert.

Ein DKW F12 aus dem Jahr 1964 vor der Schweizer Alpenwelt.

Ein DKW F12 aus dem Jahr 1964 vor der Schweizer Alpenwelt.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Die blaue Fahne ist typisch für einen Zweitakter und zeugt vom verbrannten Motorenöl. Dazu kommt das charakteristische «dämm-de-dämm-de-dämm»-Fahrgeräusch.

Die blaue Fahne ist typisch für einen Zweitakter und zeugt vom verbrannten Motorenöl. Dazu kommt das charakteristische «dämm-de-dämm-de-dämm»-Fahrgeräusch.

Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
Dank höhergezogenen Fenstern kam mehr Lichts ins Innere als beim Vorgänger DKW Junior.

Dank höhergezogenen Fenstern kam mehr Lichts ins Innere als beim Vorgänger DKW Junior.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Kleiner Luxus

Der F12 war damals mit einem Neupreis von 7850 Franken der Mercedes unter den 40-PS-Wagen. Was vielleicht nicht unbedingt in der Motorisierung stimmt, sicher aber in der Ausstattung und Verarbeitung. Nur die Autos von Volkswagen waren damals qualitativ auf demselben Niveau. Das Innere wirkte wertig und nobel, Komfort und Fahreigenschaften überzeugten. Mit dem DKW gehörte man zu den Schnellen, 123 km/h Spitze lagen drin, 100 km/h erreichte man aus dem Stand in nur 23,3 Sekunden.

Überlebt

Nur wenige DKW F12 konnten für die Nachwelt gerettet werden, einer stand als Fotomodell zur Verfügung. Mit Frontantrieb fahre der Wagen wie auf Schienen, erklärte uns der Besitzer des hellen F12, der ihm schon seit 1984 die Treue hält, als dessen vorheriger DKW Junior abgelöst werden musste.
Im Jahr 2008 allerdings nahm er den F12 aus dem Verkehr, um ihn teilzurevidieren. Im Juni 2015 konnte der Wagen dann nach viel Arbeit (Rostschäden beseitigen, Bremsanlage revidieren, Motor mit neuer Kurbelwelle und frischen Kolbenringen) wieder für den Strassenverkehr zugelassen werden. «Grundsätzlich liebe ich einfache, unkomplizierte, kostengünstige, mit möglichst wenig Schnickschnack ausgestattete Kleinwagen, welche zuverlässig jeden Tag von A nach B fahren», erklärte der Besitzer und wo er recht hat, da hat er wohl recht.

Weitere Informationen, viele Fotos und die Verkaufsliteratur von damals gibt es auf www.zwischengas.com.

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