Aktualisiert 10.09.2017 08:39

Evakuierung in Saas-Grund«Der Abbruch wird ganz sicher erfolgen»

Der Triftgletscher steht wegen drohender Gletscherabbrüche schon seit 2014 unter Beobachtung. Eine Einschätzung der jetzigen Lage des Glaziologen Martin Funk.

von
kaf
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Instabile Gletscherzunge: Der bedrohliche Teil des Triftgletschers oberhalb von Saas-Grund ist markiert.

Instabile Gletscherzunge: Der bedrohliche Teil des Triftgletschers oberhalb von Saas-Grund ist markiert.

kein Anbieter/Webcam Geopraevent
Die teilweise abgebrochene Gletscherzunge liegt auf einer Höhe von fast 3000 Metern.

Die teilweise abgebrochene Gletscherzunge liegt auf einer Höhe von fast 3000 Metern.

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Die Seilbahn hat ihren Betrieb zwischenzeitlich eingestellt.

Die Seilbahn hat ihren Betrieb zwischenzeitlich eingestellt.

kein Anbieter/20 Minuten

Der Triftgletscher stand wegen drohendem Abbruch bereits 2014 unter intensiver Beobachtung. Im Oktober war damals eine Sperrung der Gefahrengebiete ausgesprochen worden. Dann entschleunigte sich die Bewegung des Eises und die Situation beruhigte sich.

Jetzt schlagen Behörden wieder Alarm. Der Gletscher ist mit einer aktuellen Fliessgeschwindigkeit von 130 Zentimetern pro Tag unterwegs. «Normal wären fünf Zentimeter pro Tag,» sagt ETH-Professor und Glaziologe Martin Funk.

Vor etwa drei Wochen habe man anhand von Luftaufnahmen festgestellt, dass eine auffällige Bewegung des Gletschers im Gange ist. Deswegen wurde am Donnerstagabend zusätzlich eine Radarüberwachung installiert. Aufgrund akuter Gefahrenlage ist jetzt ein Teil des darunterliegenden Wohngebiets in Saas Grund VS evakuiert worden. In den nächsten 24 Stunden wird der Niedergang einer Eislawine befürchtet.

Mehr als 100'000 Kubikmeter

Konkret könnten über 100'000 Kubikmeter ins Tal niedergehen, so Martin Funk. Dass nur ein Teil davon abbricht, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Fakt ist jedoch: «Der Abbruch wird ganz sicher erfolgen.»

Die Ursache sei auch auf den Klimawandel zurückzuführen, aber nicht nur. «Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, etwa die Beschaffenheit der Felsen oder der Kontakt vom Eis am Fels», so Funk. «Das Ganze ist sehr komplex».

Laufend neue Beurteilung der Lage

Derweil wurden verschiedene Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Neben der Teilevakuierung des Wohngebiets in Saas-Grund, haben die Hohsaas-Bergbahnen ihren Betrieb eingestellt.

Die Kantonsstrasse in Saas-Grund durfte ab Saas-Bidermatten nach 18 Uhr nicht mehr befahren werden. Eine Umfahrung wurde eingerichtet. Die Lage wird laufend neu beurteilt, heisst es seitens der Kantonspolizei.

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