Aktualisiert 21.01.2016 15:16

Lleyton Hewitt

Der Abschied des unbeugsamen Kämpfers

Lleyton Hewitt ist nicht mehr Tennisprofi. Die Karriere des zähen Australiers endet an seinem Heimturnier mit einer Niederlage gegen David Ferrer.

von
kai

Um 21.48 Uhr Ortszeit kam er, der unvermeidliche Moment in der Rod-Laver-Arena: Die Karriere von Lleyton Hewitt endete mit seinem 878. Match auf der Tour. 15'000 Zuschauer erhoben sich, beklatschen ihren Nationalhelden, der ihnen so viele nervenzerreissende Stunden beschert hatte, einige vergossen Tränen. Verantwortlich dafür: David Ferrer, der den Australier in der 2. Runde von Melbourne 6:2, 6:4, 6:4 bezwungen hatte und danach nicht nur glücklich war. «Das ist ein trauriger Tag. Ich hatte eigentlich keine Idole, aber Lleyton war eines», verriet der Spanier. «Vor sieben Jahren liess ich ein T-Shirt von ihm signieren – es ist das einzige, das ich von einem Tennisspieler besitze.»

In der Zwischenzeit dürfte noch eines dazugekommen sein. Ferrer fragte Hewitt beim Shakehands, ob sie ihre Leibchen tauschen würden. Als der Unterlegene danach zum Platzinterview kam, seinem letzten als Spieler, scherzte er: «Ich habe Davids Englisch am Netz nicht verstanden, denke aber, dass er nachher in der Garderobe das Shirt tauschen will.»

Die Worte der Superstars

Hewitt wirkte relativ gefasst, sprach von «komischen Emotionen», die er gerade erlebe. Er brauche sicher noch einige Tage, um alles zu fassen. Dann sagte er, was für jeden Zuschauer über all die Jahre offensichtlich gewesen war und ihn für andere aussergewöhnliche Kämpfer wie eben Ferrer oder auch Rafael Nadal zum Vorbild machte: «Ich habe nie etwas in der Garderobe gelassen, wenn ich einen Platz betrat – ich habe immer 100 Prozent gegeben.»

Feuchte Augen bekam der ehemalige Wimbledon- und US-Open-Champion erst, als ein Video eingespielt wurde, in dem die Superstars Roger Federer, Rafael Nadal, Andy Murray, Novak Djokovic und Landsmann Nick Kyrgios seine Karriere würdigten (Video unten). «Es ist schon sehr emotional, wenn solche Spieler derartige Dinge über einen sagen», gestand Hewitt, ehe sich seine drei Kinder zu ihm auf den Centre Court gesellten und sie zusammen das Stadion verliessen.

Bei aller Wehmut: Ganz von der Bildfläche verschwinden wird der 34-Jährige nicht. Hewitt wird künftig als Australiens Davis-Cup-Captain arbeiten. Das eine oder andere berühmte «c'mon» wird also weiterhin zu vernehmen sein.

Melbourne. Australian Open. Grand-Slam-Turnier (35 Mio. Franken/Hart). Männer-Einzel. 2. Runde: Stan Wawrinka (SUI/4) s. Radek Stepanek (CZE) 6:2, 6:3, 6:4. Andy Murray (GBR/2) s. Sam Groth (AUS) 6:0, 6:4, 6:1. David Ferrer (ESP/8) s. Lleyton Hewitt (AUS) 6:2, 6:4, 6:4. John Isner (USA/10) s. Marcel Granollers (ESP) 6:3, 7:6 (8:6), 7:6 (7:2). Milos Raonic (CAN/13) s. Tommy Robredo (ESP) 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 7:5. Feliciano Lopez (ESP/18) s. Guido Pella (ARG) 7:6 (7:2), 6:7 (4:7), 7:6 (7:3), 6:7 (8:10), 6:4. Viktor Troicki (SRB/21) s. Tim Smyczek (USA) 6:4, 7:6 (7:5), 7:6 (7:4). Gael Monfils (FRA/23) s. Nicolas Mahut (FRA) 7:5, 6:4, 6:1. Lukas Rosol (CZE) s. Jack Sock (USA/25) 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 6:3. Andrej Kusnezow (RUS) s. Jérémy Chardy (FRA/30) 6:4, 7:6 (7:5), 7:6 (7:5). Steve Johnson (USA/31) s. Thomaz Bellucci (BRA) 6:3, 6:2, 6:2. Dudi Sela (ISR) s. Fernando Verdasco (ESP) 4:6, 6:3, 6:3, 7:6 (7:4). João Sousa (POR/32) s. Santiago Giraldo (COL 6:3, 7:5, 3:6, 6:1.

Frauen-Einzel. 2. Runde: Annika Beck (GER) s. Timea Bacsinszky (SUI/11) 6:2, 6:3. Garbiñe Muguruza (ESP/3) s. Kirsten Flipkens (BEL) 6:4, 6:2. Angelique Kerber (GER/7) s. Alexandra Dulgheru (ROU) 6:2, 6:4. Viktoria Asarenka (BLR/14) s. Danka Kovinic (MNE) 6:1, 6:2. Madison Keys (USA/15) s. Jaroslawa Schwedowa (KAZ) 6:7 (4:7), 6:3, 6:3. Naomi Osaka (JPN) s. Jelina Switolina (UKR/18) 6:4, 6:4. Laura Siegemund (GER) s. Jelena Jankovic (SRB/19) 3:6, 7:6 (7:5), 6:4. Ana Ivanovic (SRB/20) s. Anastasija Sewastowa (LAT) 6:3, 6:3. Jekaterina Makarowa (RUS/21) s. Tatjana Maria (GER) 6:4, 6:2. Denisa Allertova (CZE) s. Sabine Lisicki (GER/30) 6:3, 2:6, 6:4.

Frauen-Doppel. 1. Runde: Martina Hingis/Sania Mirza (SUI/IND/1) s. Mariana Duque-Mariño/Teliana Pereira (COL/BRA) 6:2, 6:3. Belinda Bencic/Magdalena Rybarikova (SUI/SVK) s. Tammi Patterson/Olivia Rogowska (AUS) 6:4, 7:5.

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