«Heiliger Palermo»: Der Abschied einer Legende
Aktualisiert

«Heiliger Palermo»Der Abschied einer Legende

Er verschoss einst drei Elfmeter in einem Spiel, brach sich beim Torjubel das Bein und sorgte für einen Bauchklatscher Diego Maradonas: Martín Palermo. Jetzt hat er genug.

von
Reto Fehr

Vor fast 38 Jahren kam Palermo in der argentinischen Stadt La Plata zur Welt. 1991 eroberte er als damals 18-Jähriger von der Hafenstadt bei Buenos Aires aus die Fussballwelt. Es konnte keiner ahnen, was «el loco» (der Verrückte) alles erleben würde.

Die gut 20-jährige Karriere war geprägt von Hochs und Tiefs. Vom gefeierten Jungstar über den Elfer-Trottel zum Nationalhelden. 1997 wechselte der Stürmer zu den Boca Juniors, wo er einschlug wie eine Bombe. Mit 20 Toren in 19 Spielen ballerte er sich zum Torschützenkönig und «Südamerikas Fussballer des Jahres». 1999 kam er in die Nationalmannschaft (total neun Tore). 1999 gabs den Guiness-Buch-der-Rekorde-Eintrag, weil er an der Copa América im Spiel gegen Kolumbien drei (!) Elfmeter verschoss. Argentinien verlor 0:3. (Video unten). Den zweiten Eintrag in die Rekordbücher sicherte er sich zehn Jahre später mit einem Kopftor aus 40 Metern (Video unten). Dazwischen schoss er 2000 den entscheidenden Treffer im «Superclásico» gegen River Plate im Rückspiel der Copa Libertadores auf dem Weg zum Champions-League-Titel Südamerikas für sein Team und erzielte anschliessend im Weltpokalfinale gegen Real Madrid beide Tore zum 2:1-Triumph Bocas.

Wie Palermo Maradonas Kopf rettete

Palermo schreckte auch nicht davor zurück, sich mit José Chilavert – dem Freistösse schiessenden Goalie-Ungeheuer – anzulegen (unten im Karrieren-Video nach 2:40 und 5:12 Minuten), musste wegen einem Kreuzbandriss sein Europa-Abenteuer verschieben, wurde dann bei Villarreal, Betis Sevilla und Alavés nicht glücklich und brach sich zu allem Übel beim Torjubel gegen Barcelona das Bein doppelt, als eine Mauer dem Druck der Fans nachgab und auf ihn krachte (Video unten).

Martin Palermo verschiesst drei Penalties

Nachdem Palermo in den letzten Jahren – zurück bei den Boca Juniors – von der internationalen Bühne verschwunden war und ihn ein Kreuzbandriss im August 2008 zu acht Monaten Pause gezwungen hatte, holte ihn Diego Maradona überraschend wieder zurück ins Scheinwerferlicht. «Die Hand Gottes» beorderte den mittlerweile 36-Jährigen - welcher früher mit ihm im gleichen Team spielte - zurück in die Albiceleste. Es hagelte Kritik – bis Palermo in den Schlusssekunden des WM-Qualifikationsspiels gegen Peru das wichtige 2:1 schoss und Argentinien vor dem Ausscheiden bewahrte. Dieser Treffer rettete Maradona nicht nur den Job, er brachte «D10s» an der Seitenlinie zu seinem fast schon legendären Bauchklatscher (Video unten) und der Goldjunge ernannte seinen Angreifer nach der Partie zum «heiligen Palermo». An der Endrunde in Südafrika erzielte der Oldie dann gegen Griechenland neun Minuten nach seiner Einwechslung mit dem 2:0 seinen letzten Treffer auf der grossen Bühne.

Gänsehautstimmung beim Abschied

Am Sonntag absolvierte Palermo im magischen «Bombonera»-Stadion der Boca Juniors seinen letzten Auftritt. Ein Treffer blieb ihm beim 1:1 gegen Banfield verwehrt. Aber was im Stadion nach der Partie abging, löst Gänsehaut aus. «Gracias Martín»-Schilder hatten unzählige Aficionados mitgebracht und feierten ihren Star minutenlang. Keiner verliess die Arena. Palermo stand mit dem Mikrofon auf dem Rasen und hatte – wie so mancher Fan auch – Tränen in den Augen (Video unten): «Es geht mir im Moment viel durch den Kopf. Ich bin sehr dankbar für alles. Die gemeinsamen Jahre, alle Erfolge und die traurigen Momente. Ich konnte euch nur mit meinen Toren etwas zurückgeben.»

Das hat er eindrücklich geschafft. Elf Treffer sind es allein in der aktuellen Saison, 236 insgesamt für die Boca Juniors, womit er Vereinsrekordtorschütze ist. Mit total 306 Treffen gehört er zu den fünf besten argentinischen Torschützen aller Zeiten. Das (womöglich) letzte Tor seiner Laufbahn schoss er am 5. Juni beim 2:2 gegen Quilmes mit einem Sonntagsschuss (Video unten). Zum Abschied schenkte ihm der Klub, welcher seine Karriere prägte, das eine Gehäuse. Er soll es mitnehmen und «in seinem Haus oder wo auch immer aufstellen», so der Stadionspeaker. Zum Abschluss gabs ein riesiges Feuerwerk.

Ganz zu Ende ist Palermos Karriere noch nicht. Nach fast 20 Jahren endet diese am Samstag in La Plata dort, wo sie einst begann. Die Boca Juniors werden am letzten Spieltag der argentinischen Clausura bei GyE La Plata antreten. Es wird das letzte Kapitel einer unglaublichen Laufbahn sein.

Die Abschiedsfeier für Martin Palermo im Bombonera

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Ein Film über Palermos Karriere (2009)

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Palermos Beinbruch beim Torjubel

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Palermo verschiesst drei Elfmeter in einem Spiel

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Palermos Kopftor aus 40 Metern

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Palermos womöglich letztes Tor der Karriere gegen Quilmes

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Palermos Tor sorgt für den Bauchklatscher Diego Maradonas

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