SCL Tigers: Der Abstieg vom Gipfel hat begonnen

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SCL TigersDer Abstieg vom Gipfel hat begonnen

Die SCL Tigers haben zum dritten Mal in Serie verloren. Der Beginn einer Krise? Nein, nur der Beginn der vielleicht sechs längsten Monate der neueren Klubgeschichte.

Klaus Zaugg
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Klaus Zaugg
Der Höhenflug der SCL Tigers ist ins Stocken geraten. (Bild: Keystone)

Der Höhenflug der SCL Tigers ist ins Stocken geraten. (Bild: Keystone)

Die 1:3-Niederlage der SCL Tigers gegen die Kloten Flyers ist nur auf den ersten Blick eine unglückliche. Eine mit viel «Hätte» und «Könnte»: Wenn die Langnauer beispielsweise Powerplay spielen könnten, hätten sie das Spiel gewinnen können. Aber sie kassierten zwei Tore (das 0:1 und das 1:3) in Überzahl.

Auf den zweiten Blick zeigt sich: Es ist eine logische Pleite. Die tapferen Emmentaler sind von Schuld freizusprechen. Sie haben alles versucht und es hat hockeytechnisch einfach nicht gereicht. Das miserable Powerplay ist das Produkt von zu vielen hölzernen Händen und Füssen und Legasthenie beim Versuch, das Spiel zu lesen. Zum Beispiel managte der letztjährige NLB-Stürmer Joël Genazzi als Stürmer an der blauen Linie das Überzahlspiel. Sein Scheibenverlust führte zum 0:1. Aber der Mann, der ihm den Puck wegschnappte, war Kimmo Rintanen. Einer der schlausten und schnellsten Stürmer ausserhalb der NHL.

Enttäuschende Ausländer

Die Langnauer können nur mit einem perfekten Spiel gewinnen. So wie in den beiden Partien gegen die Lakers (5:0 und 4:3). Sobald die geringsten Störungen auftreten, fällt das Spielkonzept in entscheidenden Phasen zusammen wie eine Natelverbindung im hinteren Frittenbach.

Eine grosse Mannschaft kann 20 Fehler machen und trotzdem ein Spiel gewinnen. Die Langnauer brauchen gegen einen aufmerksamen Gegner einen «Nullfehlerritt». Zumal sie nicht die offensive Feuerkraft haben, um Spiele zu «kehren», Siege zu erzwingen. Den besten Skorer der Emmentaler (Mike Iggulden) finden wir in der Liga-Skorerliste auf Position 39. Mannschaftskapitän Pascal Pelletier hat die schlechteste Plus/Minus-Bilanz des ganzen Teams (-4). Das darf es zurzeit im ganzen Unternehmen SCL Tigers AG (noch) niemand sagen. Aber es ist, wie es ist: Die Leistungen der vier Kanadier Brendan Brooks, Pascal Pelleiter, Mike Iggulden und Curtis Murphy sind völlig ungenügend.

Aussenseiter-Bonus ist weg

Der Bonus des Aussenseiters ist dahin. Die Klotener nahmen die Langnauer ernst. Sie arbeiteten aufmerksam in der Defensive. Sie gewährten kaum freie Räume. Sie spielten im Grunde das gleiche Defensivsystem wie die Langnauer. Aber immer in einem höheren Gang und in besserer Besetzung. Wenn das Tonhallenorchester Zürich spielt, tönt die Oper Aida eben besser als wenn sie vom Schwyzerörgeli-Duett Schmidiger-Neuenschwander vorgetragen wird.

In (fast) allen Saisonprognosen sind die Langnauer als nominell schwächstes NLA-Team auf den letzten Platz gesetzt worden. Als krasse Aussenseiter sind die Emmentaler mit Siegen gegen Servette, den SC Bern, die Lakers und Biel auf den Gipfel der Glückseligkeit und in die obere Tabellenhälfte gestürmt.

Nun hat der Abstieg von diesem Gipfel begonnen und es ist gut, dass die Langnauer mit John Fust einen guten Bergführer haben. Es wird nämlich ein langer Abstieg. Er wird gut und gerne sechs Monate dauern. Am 15. März 2011 beginnt der «Showdown» um den Ligaerhalt. Darauf und nicht auf die Playoffs müssen sich die Emmentaler einstellen. Für die kommende, schwere Zeit gibt es noch eine gute und eine schlechte Nachricht von der Transferfront.

Steiner bleibt im Emmental

Die gute Nachricht: Der stürmende Hockey-Rock'n'Roller Daniel Steiner (30) bleibt bis Ende Jahr. Sein Vertrag verlängert sich nach der November-Nationalmannschaftspause automatisch bis zu diesem Zeitpunkt, wenn er keinen Transfer ins Ausland macht. Er kann also innerhalb der Liga bis Ende Dezember nicht wechseln.

Die schlechte Nachricht: Steiner bleibt, weil er so schwach spielt (11 Spiele, 5 Skorerpunkte), dass er keine Chance mehr auf einen sinvollen Auslandtransfer hat. Es sei denn, er wechsle in die spanische Operettenliga.

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