Juan Martín del Potro : Der Adoptivsohn hat seine Schweizer Fans vermisst
Aktualisiert

Juan Martín del Potro Der Adoptivsohn hat seine Schweizer Fans vermisst

Der zweifache Turniersieger Juan Martín del Potro will die Swiss Indoors nutzen, um in der Weltrangliste weiter nach oben zu klettern.

von
Kai Müller
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Sonntag, 30. OktoberMarin Cilic gewinnt die Swiss Indoors in Basel.

Sonntag, 30. OktoberMarin Cilic gewinnt die Swiss Indoors in Basel.

Keystone/Georgios Kefalas
Der Kroate bezwingt den Japaner Kei Nishikori im Final 6:1, 7:6.

Der Kroate bezwingt den Japaner Kei Nishikori im Final 6:1, 7:6.

AFP/Fabrice Coffrini
Samstag, 29. OktoberMarin Cilic spielt in Basel um den Titel. Der Kroate zieht dank dem 4:6, 7:5, 6:3-Sieg gegen Mischa Zverev in den Final ein.

Samstag, 29. OktoberMarin Cilic spielt in Basel um den Titel. Der Kroate zieht dank dem 4:6, 7:5, 6:3-Sieg gegen Mischa Zverev in den Final ein.

AFP/Fabrice Coffrini

Drei Jahre musste das Basler Publikum auf ihn warten. Und sich zwischenzeitlich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen: Kommt er überhaupt noch einmal? Juan Martín del Potro ist zurückgekommen.

Der mit einer Wildcard ausgestattete Argentinier ist der Einzige im diesjährigen Teilnehmerfeld, der die Siegertrophäe der Swiss Indoors bereits gestemmt hat. Und das gleich zweimal, 2012 und 2013 mit Finalerfolgen über Roger Federer. Böse war ihm damals kaum jemand.

Allenthalben beliebt

Mit seinem Charisma, seinem aussergewöhnlichen Tennis und nicht zuletzt mit seiner Leidensgeschichte geniesst del Potro Sympathien wie kaum ein Zweiter auf der Tour. Wo er auch auftritt: Es wirkt jeweils, als hätte ihn das Publikum adoptiert. Und es schadet seiner Beliebtheit keineswegs, wenn er Dinge sagt wie nach seinem 6:3, 6:4-Auftaktsieg gegen den niederländischen Qualifikanten Robin Haase (ATP 64): «Es ist wunderbar, zurück zu sein. Ich habe meine Fans hier vermisst.»

Das wundersame Comeback

Dass der 28-Jährige ohne körperliche Beschwerden und ambitioniert angereist ist, grenzt an ein Wunder. Immer wieder hatte es ausgesehen, als liesse ihn sein fragiler Körper nie mehr Anschluss an die Weltspitze finden. Total vier Operationen an beiden Handgelenken – einmal rechts, dreimal links – hatte er über sich ergehen lassen müssen, die letzte im Juni 2015. Einmal mehr war das gefragt, was seine Karriere oft von ihm verlangt hatte: Geduld und Durchhaltevermögen.

Es wurde Februar dieses Jahres, bis der US-Open-Sieger 2009 in Delray Beach, Florida, nach elfmonatiger Pause einen erneuten Anlauf nahm. Als Weltnummer 1042. Es sollte der Start zu einem beeindruckenden Comeback werden, das ihn selbst überraschte.

Nachdem del Potro mit Blick auf die Rasen- und Hartplatzsaison grösstenteils auf die Frühlingsschufterei im Sand verzichtet hatte, steigerte er sich Schritt für Schritt. In Wimbledon schlug er Stan Wawrinka, in Rio rang er Novak Djokovic und Rafael Nadal nieder und gewann Olympiasilber, Mitte September besiegte er im Davis-Cup auch Andy Murray, ehe er am vergangenen Sonntag in Stockholm erstmals seit Januar 2014 einen Titel ergatterte. Tausend Ränge ist er im Ranking seit seinem Saisondebüt bereits emporgeklettert, in Basel will er einen weiteren Sprung nach vorne machen.

Glücklich, auf dem Platz zu sein

Im Achtelfinal vom Donnerstag (ab 17 Uhr) wartet der als Nummer 5 gesetzte Belgier David Goffin (ATP 11), dem del Potro vorletzte Woche in Shanghai knapp unterlag. Im Viertelfinal würde die Aufgabe mit Kei Nishikori (ATP 5) noch kniffliger.

Nur: Wer innerhalb weniger Monate einen solchen Weg zurückgelegt hat wie del Potro, braucht niemanden zu fürchten. Wobei das Glück des 1,98-m-Mannes längst nicht mehr vom Ausgang einer Partie abhängt. «Ich will einfach auf dem Platz sein und den Leuten mein Tennis zeigen», sagt er.

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