ArchäologieDer älteste Porno der Welt
Der älteste Porno kommt aus China und ist mindestens 3000 Jahre alt. Seine Macher pflegten wohl Verbindung zu einem Volk mit erotischem Beerdigungsritual. Der Fund wäre fast ein Politikum geworden.
- von
- phi
Die ältesten bekannten Darstellungen menschlicher Erotik liegen im Nordwesten Chinas in der Xinjiang-Region. Sie sind mindestens 3000 Jahre alt und in Stein gemeisselt. Die sogenannten Petroglyphen zeigen kopulierende Paare, Homosexualität und sonderbare Rituale (siehe Bildstrecke). Die Menschen zeigen allerdings Merkmale von Europäern, was an den Gesichtszügen wie Augen oder Mündern zu erkennen ist.
Dass die Kanjiashimenji-Petroglyphen von einem sesshaften Volk stammen, ist deshalb klar, weil die neun Meter hohen Steinszenen nicht in einer damaligen Lebensspanne hätten fertiggestellt werden können. Solche Petroglyphen deuten auf ein Werk der Trypillja-Kultur aus dem Gebiet der heutigen Ukraine hin: Diese Menschen fertigten in der Bronzezeit ebenfalls Steinhauereien an und bildeten Hunde (siehe Bildstrecke) ähnlich ab, weiss das «Slate»-Magazin.
Uiguren oder Han-Chinesen: Wer war zuerst da?
Kann diese Ähnlichkeit sein, wenn der Nordwesten Chinas erst in der Bronzezeit besiedelt wurde und die Ukraine Tausende Kilometer weit weg ist? Aufschluss darüber konnte ein anderer Fundort in der Wüste Xinjiangs geben. Dort wurde 1934 der Xiaohe-Friedhof entdeckt, der aber wieder vergessen wurde. Im Jahr 2000 wurde die Grabstätte erneut entdeckt und 30 im Wüstensand mumifizierte Leichen gefunden.
Diese Mumien wurden zum Politikum, weil die älteste unglaubliche 4000 Jahre alt ist. Alle Leichen wiesen lange Nasen und rote oder braune Haare auf. Das Problem an dem Fund war, dass er der offiziellen Lesart der Besiedlung Chinas widersprach, nach der Han-Chinesen das Gebiet im zweiten Jahrhundert vor Christus als Erste urbar machten.
Die zu den Turk-Völkern zählenden Uiguren, eine neun Millionen Menschen kleine muslimische Volksgruppe mit eigenem Autonomiegebiet in Xinjiang, horchten dagegen auf, weil auch sie den Anspruch hatten, die Pioniere zu sein. Der Streit brachte die Forschung zum Erliegen, bis 2010 DNA-Tests angeordnet wurden. Das Ergebnis: Bei den Männern gab es westliches Erbgut, doch die Frauen trugen beides in sich.
Geschnitzte Genitalien als Grabbeilage
Was den Friedhof aussergewöhnlich macht, ist die sonderbare Betonung des Sexuellen. Die Leichen wurden in Felle gerollt und in bootsartige Särge gesteckt. Den Frauen-Särgen wurden Säulen als Phallussymbole beigestellt, Männer bekamen eine Säule, die an ein Ruder erinnert und die Vulva repräsentiert. Ausserdem wurden kleine, geschnitzte Genitalien dem Sarg beigelegt.
Die Vorfahren der Mumien stammen laut Experten aus der osteuropäischen Steppe und wanderten etwa 3500 vor Christus in das Gebiet des Altai-Gebirges. Um 2000 vor Christus ging es weiter in die Region Xinjiang. Satellitenbilder zeigen alte Flussläufe, die die unwirtliche Gegend mit Oasen durchzogen. Möglicherweise war die Sterblichkeit dennoch so hoch, dass die Menschen darum der Sexualität einen so grossen Wert zumassen, glauben Archäologen.