Irren ist menschlich: «Der Agrarhandel gehört jetzt aufs Trapez!»
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Irren ist menschlich«Der Agrarhandel gehört jetzt aufs Trapez!»

Fremdwörter sind Glückssache, heisst es. Aber wer Augen und Ohren offen hält, dem ist bald klar: Nicht nur Fremdwörter, sondern auch deutschsprachige Ausdrücke, Sprachbilder und Formulierungen können arg daneben gehen.

Ist die Schweiz tatsächlich seit einem Vierteljahrhundert ohne Regierung? Man muss es vermuten, meldete doch eine Zeitung im September, der «letzte amtierende Bundesrat» sei im Jahr 1983 verstorben.

Der Journalist meinte es nicht so. Er wollte daran erinnern, dass Willi Ritschard 1983 verstorben war, während er noch als Bundesrat im Amt war, und dass dies seither keinem Bundesrat mehr geschah.

Die Finanzkrise offenbar geradezu herbeigesehnt hat eine Bank- Analystin schon im Januar gemäss einer Wirtschaftsmeldung über alarmierende Quartalszahlen der US-Bank Citigroup. Da heisst es doch: «Ob dies jetzt die Spitze des Eisberges war - 'es ist zu hoffen', sagt...»! Gemeint war wohl im Gegenteil, ob nun das Schlimmste überstanden sei.

Zum Glück nehmen Regierungsmitglieder nicht alle Aufforderungen von Parlamentariern wörtlich. Ansonsten wäre es wohl den ärmsten Zürcherinnen und Zürchern arg an den Kragen gegangen, hatte doch ein Parlamentarier in einer Debatte über Sozialhilfe gefordert: «Der Stadtrat muss jetzt dringend exekutieren!»

Ein Flitzer, dem es zu kalt war, um splitternackt durch die Gegend zu rennen?, fragte sich, wer folgende Personenbeschreibung einer Kantonspolizei las, die nach einem Räuber fahndete. Der rund 160 Zentimeter grosse Täter sei «mit einer dunklen Jacke, einer Mütze und einem Halstuch bekleidet».

Ein bisschen anders - völlig anders

Und dann die grosse Sammlung der Wortverwechslungen und der ungenauen Wiedergabe von Ausdrücken: Hier sucht nicht ein Not leidendes und auch kein bedürftiges sondern ein «notdürftiges Büsi» ein Plätzchen. Dort hält ein Politiker eine «launische» Rede - er war wohl hässig, sonst wäre seine Ansprache «launig» herausgekommen.

Jean-Paul Belmondo sei «mitunter» aus dem Film «Borsalino» bekannt, meldete eine Zeitung. Also hin und wieder? Aber wann? Und eine Import-Export-Organisation forderte in einem Communiqué kurz und bündig: «Der Agrarhandel gehört jetzt aufs Trapez!» Wenn ihm dort nur nicht schwindlig wird.

Italiens Premier Silvio Berlusconi scheint sich nicht darum zu scheren, dass andere Leute hin und wieder ins Fettnäpfchen treten - er «setzt sich» gleich hinein, glaubt man einer Zeitungsmeldung.

Übers Wasser zu wandeln vermochten anscheinend die Mitglieder einer Rockergang in England. Vom Meer aus wollten sie ins Anwesen von Rolling Stone Mick Jagger eindringen.

Dabei gerieten sie in ein schweres Unwetter. Trotzdem gingen sie nicht über Bord, fielen also nicht ins Wasser. Sie verliessen das Schiff in aller Ruhe, heisst es doch in einer Meldung, dass «alle Insassen von Bord gingen».

(sda)

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