Tellerwäscherkarriere: Der amerikanische Traum lebt hier
Aktualisiert

TellerwäscherkarriereDer amerikanische Traum lebt hier

Der verstorbene Aldi-Mitgründer Theo Albrecht hat aus dem Nichts ein Milliardenvermögen geschaffen. Solche «amerikanischen» Karrieren sind in Europa wahrscheinlicher als in den USA.

von
Othmar Bamert

Die klassische Tellerwäscherkarriere ist nicht nur ein amerikanischer Traum, sondern wurde für viele Europäer und einige Schweizer Realität. Das zeigen die Beispiele in der Bilderstrecke.

Dass die Karriere buchstäblich aus dem Nichts gelingt, ist allerdings selten. Was häufig der Dramatik halber verschwiegen wird: Viele Milliardäre erhielten für ihre Karriere einen kleineren oder grösseren Anschubser von familiärer Seite. Der schwerreiche britische Unternehmer Richard Branson startete nicht etwa mittellos, sondern stammt aus einer englischen Mittelschichtsfamilie. Zudem brachten ihm seine Eltern früh und unmissverständlich bei, wie man sich Ziele setzt und auch verwirklicht.

Die Hoffnung ist ein Fluch

Laut Soziologen gibt der Mythos der Tellerwäscherkarriere den Armen die Hoffnung, reich und berühmt zu werden. Am verbreitetsten ist er in Gesellschaften wie den USA, wo der Glaube an die Chance des sozialen Aufstieges in eine andere Gesellschaftsschicht einen entscheidenden Teil des Nationalbewusstseins ausmacht.

Der US-Ökonom Tom Hertz fand jedoch heraus, dass die soziale Mobilität in den USA deutlich geringer ist als in den meisten europäischen Ländern. Das heisst: Wer in den USA arm ist, bleibt in aller Regel arm, und wer in der unteren sozialen Schicht geboren wird, hat kaum eine Chance, aufzusteigen. Für die Benachteiligten sei der Mythos, dass jeder alles erreichen kann, ein Fluch, so Hertz. Denn er suggeriere, dass alle Armen an ihrer Situation selber schuld seien. Für sie bleibe der «American Dream» ein Traum.

Deine Meinung