Shelby Cobra 427 : Der amerikanische Über-Sportwagen

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Shelby Cobra 427 Der amerikanische Über-Sportwagen

485 PS auf knapp über 1,1 Tonnen – das erreichten selbst neuere Sportwagen noch Jahre nach dem Erscheinen der Shelby Cobra 427 nicht.

von
B.v.Rotz
Bereit zum Losfahren.

Bereit zum Losfahren.

Bonhams
Einfaches, funktionelles Design.

Einfaches, funktionelles Design.

Bonhams
Deutlich bulliger im Aussehen als der Vorgänger Cobra 289.

Deutlich bulliger im Aussehen als der Vorgänger Cobra 289.

Bonhams

An einem hervorragenden Leistungsgewicht hatte es die Shelby Cobra ab 1963 schon mit dem 4,7-Liter-Motor nicht gemangelt.

Als dann 1964 die Siebenliter-Version präsentiert wurde, wunderte sich mancher, wie man denn mit so viel Leistung und Drehmoment in einem derartig leichten Wagen fertig werden konnte. Zumal die Ur-Cobra ein nicht gerade einfaches Fahrverhalten an den Tag gelegt hatte.

Schrittweiser Umbau

Mit der Cobra 289 hatte der Shelby-Rennstall ein Fahrzeug in der Hand, das es dem erfahrenen Piloten ermöglichte, um Gesamtsiege im Rennsport einzufahren. Technisch basierte die Cobra 289 auf dem AC Ace. Als Motor sorgte ein V8 von Ford für Vortrieb.

Neben Lob erhielt die Cobra 289 aber auch Kritik. So rügten die Motorjournalisten vor allem das enge Cockpit und das heikle Fahrverhalten. Das AC-Chassis habe die Verwindungssteifheit eines Ford-T-Fahrgestells oder schlechter, hiess es etwa im «Car und Driver». Auch die hintere Aufhängung an Blattfedern entsprach nicht dem, was man von einem modernen Sportwagen erwartete. Die Schwächen wurden auch bei Shelby und Ford erkannt.

Ford-Ingenieure am Werk

Seit Ford Shelby unter die Arme griff, halfen auch die erfahrenen Motorsport-Ingenieure aus Detroit mit, die Cobra weiter zu verbessern. Erste Versuche mit dem Siebenliter-Motor in der Cobra 289 zeigten die Grenzen von Rohrrahmen und Aufhängungen auf. So wurde bei AC Cars ein deutlich stärkerer und auch breiterer Rohrrahmen mit Rohren von 10 anstatt 7,5 cm Durchmesser in Auftrag gegeben.

Die Pedalerie wurde weiter aussen montiert, an den Rädern sorgten jetzt fast schallplattengrosse Scheiben für die benötigte Bremsleistung (bei den Rennwagen durften es noch 2,5 cm mehr Durchmesser sein).

Die wichtigste Änderung aber betraf die Hinterachse, die nun mit Trapez-Dreieckquerlenkern, Schraubenfedern und Teleskopdämpfern funktionierte. Das Einzige, was im Prinzip unverändert blieb, war das Differenzial im Heck.

425 bis 485 PS

Als Motor kam der 6997 cm3 grosse V8 zum Einsatz, der auch im Ford Galaxie verbaut wurde. 425 PS leistete die Version für den Strasseneinsatz bei 6000 Umdrehungen, im Rennwagen (Competition) durften es 485 PS bei 6500 Umdrehungen sein, obwohl hier statt zwei Fallstrom-Vierfachvergaser ein einzelner (riesiger) Holley für die Befüllung besorgt war.

Ob nun 1100 oder 1300 kg: Die Cobra 427 ging ab wie kaum ein anderes Strassenfahrzeug zuvor. Für den Sprint von 0 bis 60 Meilen pro Stunde massen die Testfahrer von «Car and Driver» 4,3 Sekunden. Noch eindrücklicher aber waren die Ergebnisse im Beschleunigungs- und Bremstest.

Von 0 bis 100 Meilen pro Stunde und wieder zurück auf 0: 14,5 Sekunden benötigten die Fahrer für diese Disziplin, Werksfahrer Ken Miles schaffte es in 13,8 Sekunden und man war sich sicher, dass mit besseren Reifen eine Zeit von 12 Sekunden im Bereich des Möglichen gewesen wäre.

(Fast) alltagstauglich

Dabei war die breitere Cobra 427 kein unfahrbares Biest. Die Testfahrer sagten ihr deutlich bessere Alltagseigenschaften nach. Erstens liess sie sich (als Strassenversion) auch langsam locker fahren. Zweitens überhitzte sie kaum, was einem zusätzlichen Ventilator beim vergrösserten Kühler zu verdanken war. Drittens bot sie deutlich mehr Platz als der Vorgänger.

Das Vierganggetriebe und die moderaten Bedienungskräfte überzeugten ohne Vorbehalt. Der Verbrauch von 19 bis 26 Litern Benzin pro 100 km fiel in den USA nicht negativ auf.

Rarität

Nur gerade 56 der geplanten 200 (die Zahl wurde später auf 100 korrigiert) Autos wurden offenbar gebaut. Die Autos waren einfach zu teuer.

Die Rennwagen verkauften sich nicht, weil man die Homologation für 1965 verpasste. So wurden 31 Competition-Modelle in Strassenmodelle umgebaut und als Semi-Competition verkauft.

Sowohl die Strassen- als auch die Rennversionen trugen vierstellige CSX/CSB-Chassis-Nummern mit einer «3» am Anfang.

Eine von wenigen – CSX 3276

Eines der seltenen Strassenmodelle trägt die Fahrgestellnummer CSX 3276. Am 10. Juni 1966 verliess es die Shelby-Werkstatt in einer roten Aussenlackierung mit einem schwarzen Interieur. 6465 Dollar zahlte der Händler McCafferty Ford inklusive Frachtgebühren.

Jetzt kommt exakt dieser Wagen wieder auf den Markt. Bonhams kann CSX 3276 am 30. Juni 2019 anlässlich der Chantilly-Versteigerung anbieten. Als Schätzwert werden 850'000 bis 950'000 Euro (umgerechnet etwa 960'000 bis 1,1 Millionen Franken) genannt, was angesichts der Seltenheit originaler Cobra 427 sicherlich in Ordnung geht.

Weitere Informationen und viele Bilder finden sich auf Zwischengas.com.

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