Aktualisiert 02.01.2010 16:24

Vereiteltes Attentat«Der Angreifer schrie Rache und Blut»

Ein mit einem Messer und einer Axt bewaffneter Mann ist im dänischen Aarhus in das Haus des Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard eingedrungen, um den Zeichner zu töten. Die Polizei konnte dies verhindern; der Somalier mit Verbindung zur Al Kaida sei seit längerem unter Beobachtung gestanden. Er wird des versuchten Mordes angeklagt.

Kurt Westergaard: Knapp einem Anschlag entkommen.

Kurt Westergaard: Knapp einem Anschlag entkommen.

Nachdem der 28-jährige Somalier seine Axt nach einem Polizisten geworfen habe und mit einem Messer auf die Beamten los ging, habe die Polizei auf den Angreifer geschossen und ihn dabei an Hand und Bein verwundet. Westergaard sei unverletzt geblieben. Der 74-Jährige konnte sich mit seiner fünfjährigen Enkelin in sein zum «Panikraum» ausgebautes Badezimmer flüchten und Alarm schlagen. Der Attentäter versuchte, die Badtür einzuschlagen. Er war in das Haus eingedrungen, indem er eine Glasscheibe der Haustür zerschlug.

Die Polizei war binnen Minuten zur Stelle und setzte den Angreifer ausser Gefecht. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er am Samstag unter schwerer Bewachung stand. Bei einem Haftprüfungstermin in Aarhus wurden ihm Mordversuche in zwei Fällen vorgeworfen - an Westergaard und an dem Polizisten, der ihn schliesslich überwältigte. Der Richter ordnete vier Wochen Untersuchungshaft an, die ersten zwei in Isolationshaft.

Der Somalier besass nach einem erfolgreichen Asylverfahren eine Aufenthaltsgenehmigung für Dänemark, wurde aber vom dortigen Geheimdienst (PET) beobachtet. PET-Chef Jakob Scharf erklärte, der Mann habe enge Verbindungen zur somalischen Terrorgruppe Al Shabaab und zu Al-Kaida-Führern in Ostafrika. Der Überfall auf Westergaard habe einen Terrorbezug, doch sei der 28-Jährige nicht deshalb beobachtet worden. Er habe aber schon seit einiger Zeit im Verdacht gestanden, in Terroraktivitäten in Ostafrika verwickelt gewesen zu sein.

«Es war knapp»

Seinem Arbeitgeber, der Tageszeitung «Jyllands-Posten», sagte Westergaard, der Angreifer habe «Rache» und «Blut» gerufen, während er versucht habe, in das Badezimmer einzudringen, in dem sich Westergaard und dessen Enkelin eingeschlossen hatten. «Es war beängstigend. Es war knapp. Wirklich knapp. Aber wir haben es geschafft», zitierte die Website der Zeitung Westergaard.

Applaus und Verurteilung bei Muslimen

Die somalische Al Shabaab-Miliz begrüsste den Anschlagsversuch. Ein «somalischer Junge» habe «den Teufel angegriffen, der den Propheten Mohammed beleidigt hat», sagte ein Sprecher in Mogadischu.

In Dänemark löste der Anschlagsversuch dagegen Entsetzen aus. Ein Aufschrei ging auch durch die Gemeinschaft der etwa 16 000 Somalier im Land. Einer ihrer Sprecher forderte, dass nach den USA nun auch die EU die Shebab-Miliz auf die Liste der Terrororganisationen setzt.

Eine Dachorganisation muslimischer Gruppen verurteilte den Angriff auf den Zeichner. Er distanziere sich von jeder Art von Extremismus, die zu solchen Taten führe, erklärte der dänische Verband von Muslimen am Samstag.

Turban-Bombe

«Jyllands-Posten» hatte 2005 insgesamt zwölf Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Eine von Westergaard gezeichnete gehörte zu den am heftigsten kritisierten, sie zeigte den Propheten mit einem Turban in Form einer Bombe. Die Karikatur hat bei Muslimen weltweit zu Protesten geführt, es gab mehr als hundert Tote.

Westergaard hat schon mehrfach Morddrohungen erhalten. Im Oktober wurden in Chicago zwei Männer festgenommen, die verdächtigt wurden, Anschläge auf Westergaard und das Verlagshaus der Zeitung geplant zu haben. In Dänemark sind mehrere junge Muslime wegen Plänen für Bombenanschläge verurteilt worden, die sie zum Teil als Protest gegen die Karikaturen vorhatten. (sda/dapd)

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