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Gehypte FruchtDer Apfel, der ein Jahr frisch bleiben soll

20 Jahre brauchte es, um ihn zu entwickeln – nun wurde Cosmic Crisp in den USA lanciert. Die neue Apfelsorte kommt mit einem Versprechen.

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Auf den ersten Blick sieht Cosmic Crisp aus wie ein ganz normaler Apfel.

Auf den ersten Blick sieht Cosmic Crisp aus wie ein ganz normaler Apfel.

Facebook.com/Cosmic Crisp Apple
Doch hinter der roten Schale verbirgt sich Besonderes. So soll Cosmic Crisp gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein und so gut wie nicht anlaufen, wenn man ihn aufschneidet.

Doch hinter der roten Schale verbirgt sich Besonderes. So soll Cosmic Crisp gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein und so gut wie nicht anlaufen, wenn man ihn aufschneidet.

Proprietary Variety Management
Ihren galaktisch anmutenden Namen verdankt die Frucht ihrem Aussehen, die laut Hersteller mit ihrem weissen Sprenkel an einen Sternenhimmel bei Nacht erinnert. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist weniger anmächelig. Sie lautet WA38.

Ihren galaktisch anmutenden Namen verdankt die Frucht ihrem Aussehen, die laut Hersteller mit ihrem weissen Sprenkel an einen Sternenhimmel bei Nacht erinnert. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist weniger anmächelig. Sie lautet WA38.

Proprietary Variety Management

Gerade erst gekauft und bereits schrumpelig: Diese Erfahrung macht man mit Äpfeln immer wieder. Mit einer neuen Apfelsorte soll das nicht mehr passieren. Cosmic Crisp, so der Name, soll gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein und so gut wie nicht anlaufen, wenn man ihn aufschneidet (siehe Box).

Zwar wurden bereits 2015 in den USA zwei Apfelsorten zugelassen, die bei Kontakt mit Luft nicht mehr braun werden, doch diese waren zuvor gentechnisch verändert worden. Beim nun erstmals geernteten Apfel soll die längere Haltbarkeit auf reiner Züchtung beruhen.

Ergebnis von 20 Jahren Forschung

Ihren Namen verdankt die Baumfrucht ihrer roten Schale, die laut Hersteller mit ihrem weissen Sprenkel an einen Sternenhimmel bei Nacht erinnert. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist weniger anmächelig. Sie lautet schlicht WA38.

20 Jahre haben Wissenschaftler der Washington State University damit verbracht, WA38 aus den Sorten Honeycrisp und Enterprise zu kreuzen. Für jeden verkauften Baum bekommt die Hochschule eine Lizenzgebühr.

Ein lukratives Geschäft: Seit Beginn der kommerziellen Anpflanzung im Jahr 2017 wurden laut der BBC, die dem Apfel kürzlich ein ausführliches Porträt widmete, rund 12 Millionen ausgesetzt – alle im Bundesstaat Washington, dem grössten US-Apfelproduzenten. Teilweise war die Nachfrage nach dem Super-Apfel so gross, dass die Setzlinge verlost wurden.

Grosses Werbebudget, grosse Pläne

Ob Cosmic Crisp das halten kann, was die Erzeuger versprechen, oder ob es sich doch nur um einen gigantischen Marketingcoup handelt, wie Kritiker orakeln, muss sich erst noch zeigen.

Der britische «Telegraph» attestierte der rund 10 Million Dollar teuren Kampagne, sie hätte «nicht sorgfältiger choreografiert» sein können: Botschafterin für den «Apfel für grosse Träume» (siehe Bildstrecke) ist unter anderem ein Mädchen in einem Anzug der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Für den US-Markt haben die Apfelzüchter Grosses geplant: Noch in diesem Jahr sollten knapp 470'000 Kisten zu je 18,5 Kilogramm ausgeliefert werden, im nächsten Jahr zwei Millionen und 2021 bereits 5,6 Millionen Kisten. In Europa wird die neue Apfelsorte erst im kommenden Jahr zu kaufen sein.

Der Apfel, der ein Jahr frisch bleibt

20 Jahre brauchte es, ihn zu entwickeln. Nun wurde Cosmic Crisp in den USA lanciert. Die neue Apfelsorte kommt mit einem Versprechen.
(Video: Cosmic Crisp)

Die Züchter sind von ihrem Werk sichtlich überzeugt. (Video: Cosmic Crisp)

Darum werden Äpfel braun

Beim Aufschneiden eines Apfels werden Zellen verletzt. Ein klebriger Saft tritt aus. Mit diesem schützt sich der Apfel vor Bakterien, Pilzen und Schimmel. Hierbei treten Phenole und Enzyme aus, die noch im Apfel voneinander getrennt sind, und reagieren mit dem Sauerstoff aus der Luft. Phenole sind Pflanzeninhaltsstoffe, die sehr gesund sind und unsere Abwehrkräfte stärken. Die Enzyme reagieren mit den Phenolen und dem Sauerstoff, beschleunigen die Oxidation, und die entsprechenden Stellen werden braun.

Wen die farbliche Veränderung stört, der kann ein paar Spritzer Zitronensaft darauf träufeln. Durch die Säure und das Vitamin C im Zitronensaft werden die Enzyme an ihrer Arbeit gehindert.

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