Jetzt folgen Sparmassnahmen - Der Armee fehlen 300 Informatik-Fachkräfte – und 100 Millionen Franken

Publiziert

Jetzt folgen SparmassnahmenDer Armee fehlen 300 Informatik-Fachkräfte – und 100 Millionen Franken

Bisher verlief das Jahr 2021 grösstenteils gut für die Armee. Doch nun zeigt sich, dass es an Geld und an IT-Fachleuten fehlt. Jetzt werden Massnahmen ergriffen.

von
Florian Osterwalder
1 / 7
Die Schweizer Armee sieht sich mit Budgetproblemen in der Informatik konfrontiert. 

Die Schweizer Armee sieht sich mit Budgetproblemen in der Informatik konfrontiert.

Oskar Moyano
So werde das Informatikbudget 2021 um knapp 100 Millionen Franken überschritten werden.

So werde das Informatikbudget 2021 um knapp 100 Millionen Franken überschritten werden.

20min/Simon Glauser
Ohne Informatik geht in der Armee gar nichts. Vom normalen Funkgerät über…

Ohne Informatik geht in der Armee gar nichts. Vom normalen Funkgerät über…

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Der Schweizer Armee sieht sich mit einem Kostenproblem konfrontiert.

  • Weiter fehlt es an Vollzeitstellen in der Informatik.

  • Jetzt werden Sparmassnahmen in die Wege geleitet.

Ziemlich genau vor einem Jahr, im Oktober 2020, entschied der Bundesrat, dass die Armee ein spezielles Kommando für den Cyberkrieg schaffen kann. Das kam Armeechef Thomas Süssli sehr gelegen, da er selbst ausgebildeter Programmierer und eidgenössisch diplomierter Wirtschaftsinformatiker ist. Doch nun zeigt sich: Die Informatikkosten der Armee explodieren, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Im Jahr 2021 gab die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) fast zehn Prozent des Gesamtbudgets von fünf Milliarden Franken aus. In Zahlen: Rund 460 Millionen Schweizer Franken.

Wie Armeesprecher Stefan Hofer gegenüber der Zeitung bestätigte, werde das Informatikbudget 2021 um knapp 100 Millionen Franken überschritten. Es war bereits vor einem Jahr bekannt, dass das Budget überschritten wird. «Das volle Ausmass wurde aber erst im Laufe des Jahres 2021 sichtbar», wie Armeesprecher Stefan Hofer weiter sagt.

Heutzutage läuft eigentlich kein einziges militärisches System mehr ohne Informatik. Egal ob Hightech-Kampfjet oder einfach nur ein normales Funkgerät – überall wird die IT benötigt. Und die Schweizer Armee will noch digitaler werden in den nächsten Jahren. Bereits während der Corona-Pandemie wurden die Soldatinnen und Soldaten per SMS aufgeboten. Mit all diesen IT-Projekten sei die Armee überlastet, sagt Hofer.

Fehlende Informatiker müssen bei Drittfirmen angeheuert werden

Zurzeit hat Armee-Chef Süssli etwa 100 Vollzeitstellen für alle Informatikprojekte. Doch damit alle IT-Projekte der Armee gestemmt werden könnten, müsste man gehörig aufrüsten. «Um alle derzeit laufenden Projekte ausführen zu können, bräuchten wir etwa 400 Vollzeitstellen», sagt Armeesprecher Hofer. Und woher bekommt man die fehlenden IT-Fachleute? Verbunden mit Mehrkosten muss die Armee diese bei Drittfirmen anheuern.

Doch wie will man die fehlenden 100 Millionen wieder reinholen? Armeechef Süssli hatte dafür Massnahmen eingeleitet und Gelder umverteilt. 60 der fehlenden 100 Millionen machte er frei, indem man an anderen Orten sparte. So beschaffte man etwa weniger Munition und sparte auch sonst beim Ersatzmaterial. «Das ist jedoch eine Notlösung, die nicht jedes Jahr vorkommen kann», wie Armeesprecher Hofer sagt. Weiter wurden Informatikprojekte gestoppt oder verschoben.

Ida Glanzmann, die Präsidentin der sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats, weiss nichts von den Geldproblemen bei der Armee. Man sei bisher noch nicht von der Armeeführung informiert worden, so Glanzmann. FDP-Ständerat Josef Dittli wolle nun wissen, wie die Probleme gelöst werden. GLP-Nationalrat Beat Flach hat Verständnis für die Kostenprobleme bei der Armee. «Auch in Unternehmen verschlingt die Informatik immer mehr Ressourcen, von dieser Entwicklung bleibt auch das Militär nicht verschont.» Trotzdem müsse die Armee nun reagieren und dieses Problem selber lösen, sagt Flach weiter.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

50 Kommentare