Strukturwandel: Der Aufstieg der Ölhändler in der Schweiz
Aktualisiert

StrukturwandelDer Aufstieg der Ölhändler in der Schweiz

Rohstoffhändler sind die umsatzstärksten Schweizer Unternehmen. Sie erwirtschaften mehr als die Hälfte aller Umsätze. 1975 sah die Liste noch ganz anders aus.

von
Fabian Lindegger

Kennen Sie Vitol, Cargill, Trafigura, Mercuria, Gunvor und Ineos? Nein? Sollten Sie aber! Diese Firmen gehören alle zu den zehn umsatzstärksten Schweizer Unternehmen. Vitol erzielte 2013 einen Umsatz von rund 280 Milliarden Schweizer Franken und ist somit laut einem neuen Ranking der «Handelszeitung» das grösste Schweizer Unternehmen. Die Firma dürfte der grösste unabhängige Ölhändler der Welt sein und war 2013 für den Handel von rund 6 Prozent der globalen Ölnachfrage verantwortlich. Dies entspricht einem Handelsvolumen von gegen 276 Millionen Tonnen.

Auch die Plätze 2 bis 5 der Liste sind mit Rohstoffhändlern besetzt: Der Rohstoff- und Minenkonzern Glencore Xtrata (220 Milliarden Franken Umsatz) mit Sitz in Baar im Kanton Zug. Cargill International (120 Milliarden Franken Umsatz) handelt vor allem mit Getreide sowie anderen Nahrungsmitteln und ist in Genf ansässig. Trafigura hat seinen Hauptsitz in Luzern und erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 120 Milliarden Franken Umsatz. Auf Platz 5 folgt Mercuria (100 Milliarden Umsatz).

Wenig Personal, grosser Umsatz

Die Dominanz der Firmen im Rohstoffhandel zeigt sich auch, wenn man die gesamten Umsätze der 100 grössten Schweizer Unternehmen betrachtet: Die Rohstoffhändler sind für mehr als die Hälfte aller Umsätze verantwortlich. Dass mit verhältnismässig wenig Personal riesige Summen an Rohstoffen gehandelt werden können, zeigt die Genfer Firma Mercuria, die 2004 gegründet wurde: Rund 1000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 den gesamten Umsatz von 100 Milliarden Franken.

Die grösste Schweizer Firma auf der Liste der «Handelszeitung», die nicht mit Rohstoffen handelt, ist der Nahrungsmittelkonzern Nestlé auf Platz 6. Auf den Plätzen 8 und 9 folgen die Pharmariesen Novartis und Roche. Das zehntgrösste Unternehmen ist der Chemiekonzern Ineos, der unter anderem verschiedene Raffinerien betreibt. Vergleicht man die Top-10-Liste der grössten Schweizer Unternehmen mit derjenigen von 1975, so fällt eines auf: Nur Nestlé und die Pharmakonzerne Roche und Novartis (Ciba-Geigy, Sandoz) konnten sich in den Top 10 halten. Die grossen Industriekonzerne wie ABB, Alusuisse oder Sulzer sind dort hingegen nicht mehr vertreten.

Doch auch sonst hat sich einiges auf der Liste der 100 grössten Schweizer Unternehmen zwischen 1975 und 2013 getan: Ganze 63 Unternehmen sind in der Zwischenzeit neu auf die Liste gekommen. 34 fielen aus der Liste der 100 umsatzstärksten Unternehmen und 26 Firmen gibt es inzwischen überhaupt nicht mehr. Weniger als ein Drittel, 29, konnten sich sowohl 1975 als auch 2013 zu den 100 grössten Schweizer Unternehmen zählen.

Seit 1968 veröffentlicht die «Handelszeitung» jährlich ein Ranking mit den grössten Schweizer Unternehmen. Die Liste der umsatzstärksten Firmen umfasst Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Nicht in der Liste vertreten sind Banken sowie Versicherungen. Bei den Banken führte 2013 bezüglich der Bilanzsumme die UBS vor der Credit Suisse und der Reiffeisen-Gruppe die Liste an. Nach Bruttoprämien ist die Zurich die grösste Versicherungsgesellschaft der Schweiz. Auf den weiteren Plätzen folgen Swiss Re und Swiss Life.

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