29.03.2016 09:53

Jennifer Capriati

Der Aufstieg und tiefe Fall des Wunderkindes

Das ehemalige Golden Girl der Tennisszene, Jennifer Capriati, wird 40. Ein Blick auf die Achterbahn-Karriere der Amerikanerin.

von
Adrian Hunziker

13 Jahre und 11 Monate war sie jung, als sie 1990 plötzlich auftauchte und ihr Debüt auf der WTA-Tour gab: das Golden Girl Jennifer Capriati. An ihrem ersten Grand-Slam-Turnier, am French Open in Paris, stürmte die New Yorkerin mit 14 sogleich in den Halbfinal – und scheiterte an Monica Seles. Sie galt als grösstes Wunderkind im Tennis. Heute wird Capriati 40 Jahre alt. Wir schauen auf ihre Karriere mit vielen Hochs und Tiefs zurück.

Zurück zu 1990: Noch im gleichen Jahr gewann die Rechtshänderin ihr erstes Turnier als Profi in Puerto Rico, sie avancierte zur jüngsten Top-Ten-Spielerin aller Zeiten und beendete die Saison als Weltnummer 8. Die Tennis-Welt lag der hübschen Jennifer zu Füssen. Und es ging in ähnlichem Stil weiter: 1992 holte sie sich mit 16 in Barcelona den Olympiasieg, gegen keine Geringere als Steffi Graf.

Der Vater trieb seine Tochter an

Der Erfolg und das grosse Theater drumherum wurden Capriati aber bald zu viel. «Ich bin begeistert wegen des Matches, aber ich glaube, die Medien sind ein wenig ausser Kontrolle», hatte sie bereits nach ihrem ersten Sieg auf der Tour gesagt. Es sollte noch schlimmer kommen.

Angetrieben von ihrem Vater Stefano, der sie nach Siegen mit Glaces belohnte, etablierte sich Capriati an der Weltspitze. Experten warnten den Vater, seine Tochter nicht zu verheizen, er ignorierte alles, Jennifer bezahlte den Preis. Sie begann zu rebellieren, beging Ladendiebstahl, wurde mit Marihuana erwischt und verhaftet. 1994 machte sie ein Spiel, 1995 pausierte sie komplett.

Drei Grand-Slam-Siege nach dem Comeback

1996 gab sie nach 15 Monaten Pause ihr Comeback, auch dank der Hilfe ihres Vaters. Es ging wieder bergauf, es folgten drei Grand-Slam-Triumphe. 2001 am Australian und am French Open, 2002 verteidigte sie in Melbourne ihren Titel. Wie im Vorjahr besiegte sie im Final Martina Hingis. 2001 eroberte Capriati mit 25 den Thron der Weltrangliste. 2004 ging es aber nicht mehr weiter, es war ihre letzte von Verletzungen geplagte Saison. Der Rücken und speziell die Schulter zwickten immer wieder, sie beendete die Saison auf Rang 10 und ihre Karriere mit 28.

Nun ging es steil bergab, Capriati fiel in ein riesiges Loch, kämpfte mit Depressionen, ihre Welt stürzte zusammen. «Ich kann mich selbst überhaupt nicht ausstehen», sagte sie in einem Interview 2007. Drei Jahre später wurde sie wegen einer Drogenüberdosis in ein Spital eingeliefert. Ihre Familie bestritt, dass es sich dabei um einen Suizidversuch handelte.

Klage wegen Körperverletzung und Stalking

Capriati überlebte. Und es gab auch wieder erfreuliche Ereignisse: 2012 wurde sie in die Tennis Hall of Fame aufgenommen. Aber nur ein Jahr später kam sie mit dem Gesetz in Konflikt, wegen Körperverletzung und Stalking. Die Anklage ihres damaligen Partners wurde fallengelassen, als sie zustimmte, 30 Stunden Sozialarbeit zu leisten und vier Stunden Aggressionsbewältigung zu absolvieren.

Derzeit lebt sie auf Singer Island, im Norden Miamis, in einer exklusiven Siedlung, sie hat ihr Geld also gut verwaltet. Capriati lebt sehr zurückgezogen, nur über Twitter erfährt man ab und zu etwas von ihr. In ihren Tweets geht es um Optimismus, Frustration oder Verletzlichkeit. Meist geht es nicht um Tennis, aber sie meldete sich, als Maria Scharapowa ihr Doping-Geständnis abgab, und kritisierte die Russin scharf.

Für diese Aussagen erntete auch die Amerikanerin Kritik:

Mit dem Tenniszirkus hat Capriati in den vergangenen Jahren beinahe keinen Kontakt mehr gehabt. Trotzdem tauchten in jüngster Vergangenheit Gerüchte auf, dass sie ein erneutes Comeback wagen wolle. Dieser Plan scheint aber wieder vom Tisch zu sein, da sie erneut Schulter-Probleme bekundet. Ausserdem starb im Mai 2015 ihr Mentor und Vater an Krebs.

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