Dr. Muscle: Der «Ausbreitungseffekt» ist reiner Mythos
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Dr. MuscleDer «Ausbreitungseffekt» ist reiner Mythos

Die Armmuskeln wachsen, während Sie eigentlich die Beine trainieren? Wer es glaubt, wird selig. Dr. Muscle über eine Fitness-Guru-Lüge.

von
gss
Ob eine Übung auch in anderen (als dem direkt trainierten) Muskeln im Körper eine aufbauende Wirkung entfalten kann? Dr. Muscle weiss es.

Ob eine Übung auch in anderen (als dem direkt trainierten) Muskeln im Körper eine aufbauende Wirkung entfalten kann? Dr. Muscle weiss es.

Kein Anbieter/Jacob Ammentorp Lund

«... So richtige Zuwächse in der Armmuskulatur konnte ich erst verzeichnen, als ich Kniebeugen ins Trainingsprogramm integrierte ... »Vielleicht sind Sie auch schon über diese Coach-Guru-Weisheit gestolpert. Die meistgenannte Begründung für diese Behauptung dürfte diejenige sein, dass es beim Training von grossen Muskeln beziehungsweise Muskelgruppen zu einem Anstieg in der Blutkonzentration von sogenannten anabolen Hormonen (Testosteron, Wachstumshormon) kommt, und dass diese Hormone dann über den Transport im Blut in anderen (als den direkt trainierten) Muskeln im Körper eine aufbauende Wirkung entfalten können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom sogenannten Ausbreitungseffekt. So süffig diese Theorie auch klingen mag, so wenig ist sie durch experimentelle Daten gestützt.

Muskelhypertrophie ist grundsätzlich ein intrinsischer Prozess, das heisst er startet und endet im Muskel, der direkt trainiert wurde. Bei gleicher Kraftanstrengung, Trainingsqualität und Energieversorgung spielt es daher hinsichtlich der Muskelhypertrophie kaum eine Rolle, ob Sie Ihren Bizeps zusammen mit anderen Muskeln oder separat trainieren. Sollte Ihre Armmuskulatur tatsächlich stärker reagieren, wenn Sie im gleichen Training auch« schwere» Kniebeugen absolvieren, dann dürfte es eine plausiblere Erklärung dafür geben: Bei «schweren» Kniebeugen müssen Sie auch Ihre Armmuskeln stark aktivieren. Wenn dieser Beanspruchungsgrad grösser ist als derjenige, den Ihre Armmuskeln während des Armtrainings erfahren, ist tatsächlich mit einem Zusatzeffekt zu rechnen. Oder ein bisschen plakativer ausgedrückt: Wenn Sie durch «schwere »Kniebeugen einen Zusatzeffekt in den Armmuskeln erfahren, dann trainieren Sie Ihre Arme im Armtraining schlicht und einfach nicht stark genug (hinsichtlich von Intensität und funktioneller Vielfältigkeit).

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Universitätsklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Dozent für Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.

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