Aufschieberei: Der Ausweg aus dem Teufelskreis
Aktualisiert

AufschiebereiDer Ausweg aus dem Teufelskreis

Chronisches Aufschieben macht krank. Mit Beharrlichkeit und System können Betroffene den Teufelskreis jedoch durchbrechen.

von
Elisabeth Rizzi

Prokrastination: Jeder Fünfte ist vom Phänomen der chronischen Aufschieberei betroffen. Foto: keystone

Wer kennt es nicht: Da ist die Steuererklärung, der Reklamationsbrief, die vom Chef verlangte Tabelle. Alles soll dringend erledigt werden. Aber dann sortiert man doch die Büroklammern auf dem Tisch, putzt den Bildschirm oder geht einen Kaffee holen. Das Phänomen hat einen Namen: ­Prokrastination (chronische Aufschieberei). Jeder Fünfte ist laut Studien davon betroffen, und zwar nicht nur im Privatleben, sondern auch im Beruf. «Unangenehme Aufgaben, komplexe Arbeiten und Innovationen werden auch von Mitarbeitenden eines Betriebs gerne vor sich hergeschoben», beobachtet Professor Norbert Thom, Personalprofessor an der Uni Bern. Grund: Beim Aufschieben ist man froh,

etwas anderes tun zu «dürfen».

Erst folgen fantasievolle Ausreden, dann aber das schlechte Gewissen, Stress und sogar Gesundheitsstörungen. Wer aus dem Teufelskreis ausbrechen will, sollte als Erstes ein Zeitprotokoll erfassen. Stressexpertin Sigrid Engelbrecht rät, über mehrere Tage stundenweise detailliert alle Tätigkeiten zu erfassen. Bei der Auswertung des Protokolls wird notiert, wann man nicht das getan hat, was man sich vorgenommen hatte, und sucht nach den Gründen. Die nächsten drei Tage sollen sich Aufschieber während des Erfassens des Protokolls überlegen, was sie von der Arbeit abschweifen lässt und warum. In einem weiteren Schritt werden Monatsziele gesetzt: Was will ich unbedingt erreichen? Und schliesslich gilt es, die Prioritäten aktiv mit Wochen- und Tagesplänen zu bewirtschaften. Dabei geht es vor allem darum, Aufgaben in bewältigbare Etappen zu zerlegen. Rituale und kurze, 15-minütige Arbeitsphasen können helfen, Einstiegsblockaden zu überwinden.

Häufige Gründe fürs Aufschieben

Probleme mit der Aufgabenstellung

Selbstzweifel

Probleme mit Zeit- und Selbstmanagement

Hang zu Perfektionismus

Bequemlichkeit und Unlust

Konzentrationsprobleme

Angst vor Kritik

Unbewusste Verweigerungshaltung

Überforderung

Buchtipp: Siegrid Engelbrecht: «Ich müsste wollte sollte. Erste Hilfe für chronische Aufschieber», Orell Füssli.

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