Aktualisiert 09.08.2011 17:21

SBB-Umfrage - Teil IIDer Ausweg aus der Sitzplatzmisere

Der Knochenjob wird honoriert: Die Leser von 20 Minuten Online sind mit den SBB-Zugbegleitern höchst zufrieden. Anders sieht es beim Sitzplatzangebot aus.

von
L. Mäder
A. Müller

Die Durchsagen einiger SBB-Kondukteure sind schon fast legendär: In gebrochenem Englisch kündigen sie etwa die Einfahrt in den Bahnhof Bern an. Dann stockt plötzlich die Stimme, der Satz ist vergessen – und der halbe Zug lacht über das Malheur. Auch wenn ihnen die Fremdsprachenkenntnisse teilweise hin und wieder abgehen, die Leser von 20 Minuten Online schätzen die SBB-Zugbegleiter sehr: 84 Prozent der 6600 Teilnehmer einer nicht repräsentativen Umfrage sind mit der Freundlichkeit der Kondukteure immer oder meistens zufrieden. Die Zugbegleiter sind für sie nicht nur Billetkontrolleure, sondern auch Infoquelle. Über ein Drittel der Leser holt bei den SBB-Mitarbeitern Auskünfte über Fahrpläne und Anschlüsse ein.

Der Kampf um die Sitzplätze

Selbst der netteste Kondukteur kann aber nichts ändern, wenn die Züge wie zu den Stosszeiten aus allen Nähten platzen. Bei rund 75 Prozent aller zugfahrenden Umfrageteilnehmer ist das Sitzplatzangebot in den Zügen immer oder oft knapp. Jeder fünfte Leser setzt sich bei fehlenden Sitzgelegenheiten auf die Treppe, 42 Prozent bevorzugen in diesem Fall einen Stehplatz. Tatsächlich sind aber in einem Zug höchst selten alle Sitzplätze besetzt. Deshalb laufen 38 Prozent der Leser durch den Zug und suchen sich eine freie Sitzbank.

Manchmal ist der Speisewagen und ein kühles Bier die letzte Rettung, um eine Zugfahrt in der Stosszeit zu überstehen. Das rollende Restaurant haut zwar keinen Gourmet vom Hocker, genügt aber offenbar den Ansprüchen der Leserschaft: 42 Prozent sind mit dem Verpflegungsangebot im Speisewagen oder der Minibar zufrieden, 21 Prozent finden es schlecht. Der Grossteil der Befragten macht aber einen grossen Bogen um den Speisewagen: 70 Prozent geben in der Umfrage an, nie einen Fuss in die Beiz auf Schienen zu setzen.

Lieber würden die User die Fahrzeit mit Surfen im Internet verbringen. Zumindest bei den Pendlern (mehr als eine Fahrt pro Woche) ist eine Wlan-Verbindung im Zug ein relativ grosser Wunsch. 23 Prozent wären bereit, für Internet in den Zügen mehr zu bezahlen. Bei den Freizeitreisenden wollen nur 16 Prozent online gehen.

Nachtschwärmer fordern Ausbau

Der Freizeitverkehr verschiebt sich auch immer mehr in die späten Abendstunden: die Partygänger vertrauen am Wochenende immer öfter auf die S-Bahn oder einen Fernverkehrs-Spätzug, um den Weg nach Hause zu finden. 53 Prozent der User fordern , dass zuschlagspflichtige Nachtverbindungen (beispielsweise zwischen Zürich-Luzern, Zürich-St.Gallen) auszubauen. Denn auf einen Nachtzug Zürich-Bern warten die Bahnreisenden bislang vergebens. Nicht immer läuft zur späten Stunde alles reibungslos: 56 Prozent der Nachtschwärmer geben an, dass wegen des Nachtzuschlags schon Probleme aufgetreten seien.

Welches ist Ihr grösster Wunsch an die SBB? Schreiben Sie Ihre Meinung ins Kommentarfeld.

Umfrage

An der grossen Umfrage zum Bahnfahren von 20 Minuten Online nahmen zwischen dem 12. und dem 21. Juli 6619 Personen teil. Beinahe die Hälfte (47,7%) gab an, praktisch täglich den Zug zu benützen, nochmals 14,9% mindestens einmal wöchentlich. Nur 2,6% oder 176 Teilnehmer benützen laut eigenen Angaben die Bahn nie. Sie wurden für die inhaltlichen Fragen zum Bahnfahren nicht berücksichtigt. 72,1% der Teilnehmer waren Männer und 27,9% Frauen. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer (95,2%) war zwischen 17 und 64 Jahre alt.

Die regelmässigen Pendler (mindestens eine Bahnfahrt pro Woche) verzichten zu einem beachtlichen Teil auf ein eigenes Auto: Nur 44,7% geben an, ein solches zu besitzen. 11,7% teilen ein Auto (privates oder kommerzielles Carsharing). 43,6 Prozent haben überhaupt kein eigenes Auto oder Motorrad. Von den unregelmässigen Bahnfahrer verzichten nur 15% auf ein eigenes Fahrzeug.

Bei den Pendler ist die Dichte an Abonnements sehr hoch: 37,3% besitzen ein GA der 2. Klasse, 10,1% ein GA der 1. Klasse. Ein Drittel (32,4%) fährt mit einem Abonnement eines regionalen Verkehrsverbunds, ebenso viele (33,2%) besitzen ein Halbtax. Deutlich weiter verbreitet ist das Halbtaxabo bei den unregelmässigen Bahnfahrer mit 51,8%. 37,2% der seltenen öV-Benutzer haben gar kein Abo. (mdr)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.