Prognose 2011: Der Automarkt brummt gewaltig
Aktualisiert

Prognose 2011Der Automarkt brummt gewaltig

Die Autobauer reiben sich die Hände. Der Markt steht vor einem weltweiten Rekord. China wird die USA als wichtigstes Verkaufsland bereits 2012 ablösen.

von
Alex Hämmerli
Die Blechlawine rollt.

Die Blechlawine rollt.

Der Einbruch der Autoverkäufe während der Wirtschaftskrise war zwar schmerzvoll, aber auch kurz. Dieses Jahr wird die Zahl der weltweit verkauften Pkw bereits wieder einen neuen Rekordstand erreichen. Das besagt eine Hochrechnung des Automarkt-Kenners Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen.

Demnach werden bis Ende Dezember fast 59 Millionen nagelneue Autoschlüssel über den Tresen gegangen sein. 2007, also vor dem Crash, zählte Dudenhöffer etwas mehr als 58,8 Millionen Pkw-Verkäufe. Und der Boom ist damit noch lange nicht am Ende. 2012 rechnet der Auto-Professor nämlich mit weit über 65 Millionen verkauften Autos.

China hat die Krone schon

2012 wird laut Dudenhöffer auch das Jahr sein, in dem sich China die Krone als grösster Pkw-Markt der Welt aufsetzen kann. Die Verkäufe haben im Reich der Mitte auch während der Krise ein enormes Wachstum hingelegt: Heute kaufen die Chinesen mehr als doppelt so viele Autos wie noch vor drei Jahren.

Dudenhöffer merkt an, dass bei der Analyse lediglich Pkws berücksichtigt wurden, und keine Pick-ups, SUVs und andere leichte Nutzfahrzeuge. «Werden bei China auch diese Light Commercial Vehicles dazu gezählt, werden 2010 in China 16,8 Millionen Fahrzeuge verkauft. China ist also schon heute der grösste Fahrzeugmarkt der Welt.»

Die Abwrackprämie überwunden

Neben den USA und China erwartet Dudenhöffer für 2011 vor allem in Deutschland (+10,2%), Russland (+14,4%) und Indien (+11%) starke Zuwächse im Automarkt. Insbesondere die deutschen Autohändler dürften ob dieser Prognose aufatmen: Ihre Verkäufe waren dieses Jahr stark eingebrochen, weil die Abwrackprämie «Vorzieh-Effekte» ausgelöst hatte. Soll heissen: Die Deutschen haben 2009 mit staatlichen Subventionen Autos en Masse gekauft. Nach auslaufen des öffentlichen Zustupfs haben sie sich entsprechend zurückgehalten. Dudenhöffer nennt ein Beispiel: Kleinstwagen wie etwa der Ford Ka oder der Fiat verkauften sich 2010 45% schlechter als 2009. «Deutlicher kann man die Effekte der Abwrackprämie nicht illustrieren.»

Der Wachstumsmarkt der kommenden Jahre ist Asien. Im Jahr 2011 werden dort rund 22,2 Millionen Fahrzeuge verkauft, schätzt Dudenhöffer. Das wären 36 Prozent aller weltweit verkauften Pkw. Westeuropa kommt nur noch auf 21 Prozent. «Die Bedeutung Westeuropas wird weiter sinken», sagt Dudenhöffer. «Bis 2015 werden hier weniger als 20 Prozent aller Autos verkauft werden.» Asien werde dagegen von Rekord zu Rekord eilen. «Die Autobauer und Zulieferer müssen daher in den nächsten Jahren ihre Präsenz in Asien ausbauen», sagt Dudenhöffer. Denn Asien könne man nicht von Westeuropa aus «bedienen».

2007200820092010*2011**2012**USA16 15313 24710 43211 50012 80013 568China53105692838111 40012 58013 712Japan440042283924440043504300BRD314830903807295032503200Russland242728501466180020602380Brasilien197526713009325033003250England240421321995207020802200Italien251121622158200020302190Frankreich206520502269221520802150Indien150915431815236026202856Weltmarkt58 81155 81152 94458 92962 61365 798* Hochrechnung / ** Prognose

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