Miss Bern Drama: «Der Babystimme kann ich nicht mehr zuhören»
Aktualisiert

Miss Bern Drama«Der Babystimme kann ich nicht mehr zuhören»

Weil Alexandra wegen ihrer feinen Stimme beleidigt worden sein soll, zog sie ihre Kandidatur als Miss Bern zurück. Bei der Miss-Organisation sieht die Sachlage aber anders aus.

von
Katinka Templeton

«Weisst du, mit deiner Babystimme kann ich dir gar nicht mehr zuhören», soll Barbara Rohr, Kommunikationschefin der Miss Bern Wahl, im Streitgespräch gesagt haben. Die feine Stimme, von der angeblich die Rede war, gehört Alexandra Minissale. Bis Freitag letzte Woche war die 18-Jährige noch Finalistin des Berner Schönheitswettbewerbs. Doch das Telefonat war zuviel für Alexandra: «Das hat mich wirklich verletzt. Ich habe Frau Rohr gesagt, dass ich bei der Wahl nicht mehr mitmachen möchte, wenn ich so behandelt werde.»

Gesagt, getan: Alexandra wurde von der Teilnehmerliste der Wahl am Samstag gestrichen. Barbara Rohr kann sich nicht daran erinnern, so mit der Maturandin gesprochen zu haben: «Ich habe Alexandra im Telefonat, bei dem sie offensichtlich sehr aufgeregt war, gesagt, sie solle bitte normal mit mir reden.» Doch wie kam es überhaupt zu dem Streitgespräch?

«Sonderwünsche und Unruhe»

Es scheint für beide Parteien nur der Gipfel von Problemen gewesen zu sein. Während Alexandra von ständigen Schikanen spricht, beruft sich die Miss Bern Organisation auf ein Protokoll, in dem das Verhalten (und eben auch die Fehler) der angehenden Missen notiert wird. Fazit dieses Protokolls: «Zusammengefasst muss der guten Ordnung halber gesagt werden, dass sie mehrere Male zu spät auftauchte, zu zwei wichtigen Events ohne Abmeldung gar nicht kam oder bei der Zuteilung von Kleidern Sonderwünsche anmeldete und erhebliche Unruhe verursachte», schreibt die Miss Bern Organisation in einem offiziellen Statement, das 20 Minuten vorliegt.

Alexandra fühlt sich aber unfair behandelt und verteidigt sich: Sie trage keine Schuld an Verspätungen, hätte sich immer korrekt und zuverlässig verhalten und habe sich sehr wohl von zumindest einem Event abgemeldet. Kurz zuvor hatte sich die Ex-Miss-Kandidatin am Auge verletzt und sich aus gesundheitlichen Gründen vom Anlass entschuldigt: «Daraufhin wurde ich von Frau Rohr telefonisch zusammengestaucht. Sie wurde so wütend. Bevor ich mich rechtfertigen konnte, hatte Frau Rohr schon aufgelegt», schildert die junge Frau ihre Version der Geschichte.

Gezielt schikaniert

Zum endgültigen Streit kam es laut Alexandra wegen eines Missverständnisses. Aus Zeitgründen – die 18-Jährige schreibt gerade ihre Maturaprüfungen – schickte sie ihre Mutter zur Kleiderauswahl fürs Finale der Wahl. Als die Schülerin dann zur Anprobe erschien, hielt man ihr schon einen Telefonhörer entgegen: «Frau Rohr war am Apparat und hat mich sofort zur Schnecke gemacht. Sie hat behauptet, ich wolle die Kleider nicht probieren und mache ohnehin immer nur ein Theater,» so Alexandra.

Alexandra ist davon überzeugt, gezielt schikaniert zu werden: «Ich musste mich während der ganzen Zeit damit abfinden, nie Kleider zu kriegen, die zu meiner Person passen. Dennoch habe ich nicht geklagt. Für mich hatte es so ausgesehen, als würde das bewusst gemacht, um meine physischen Aspekte weniger gut darzustellen.» Nonsense, sagt die Miss Bern Organisation: «Sie hatte die Wahl zwischen drei hervorragenden Stücken», heisst es in dem Statement.

«Der Traum ist jetzt zerstört»

Die Missenmacher ärgern sich über Alexandras Ausstieg: «Die Miss Bern Organisation war darüber entsetzt und enttäuscht zugleich, nachdem viel Zeit und Geld in Alexandra Minissale investiert worden war.» Und auch Alexandra ist tieftraurig: «Ich habe vier Monate in die Miss Bern Wahl investiert und mich viel darauf vorbereitet. Es war immer ein kleiner Traum von mir, bei so etwas mitzumachen. Der ist jetzt zerstört.»

Es bleibt die Frage: Wer hat Recht? Bei der Miss Schweiz Organisation, quasi die Kür für jede Schönheitskönigin, hält man sich schön raus aus der Sache. Auf Anfrage, was denn die grösste Schweizer Missenmache zum Vorfall in Bern sagt, erhalten wir die Nachricht, dass die Miss Schweiz Organisation mit jener in Bern seit der Neuausrichtung der Marke nichts mehr zu tun habe. Trotzdem wolle man die Gelegenheit nutzen, und wünsche der Miss Bern Organisation «an dieser Stelle für morgen einen gelungenen und reibungslosen Event ohne weitere Zwischenfälle und herzlich viel Erfolg».

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