Der Bär hat ein Schaf gerissen
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Der Bär hat ein Schaf gerissen

Der in die Schweiz eingewanderte Bär hat zum zweiten Mal ein Nutztier erlegt: Im Münstertal hat er ein Schaf gerissen.

Der vor drei Wochen ins Bündner Münstertal eingewanderte Braunbär hat nach einem Kalb auch ein Schaf gerissen. Gefährdete Herden müssen wohl von Schutzhunden vor dem Fleisch fressenden Petz beschützt werden. Noch immer nicht schlüssig geklärt ist die Identität des Bären.

Der Schafriss erfolgte am Montag, wie das Bündner Amt für Jagd und Fischerei am Dienstag mitteilte. Wanderer hätten den Fund des toten Tieres gemeldet. Der Kadaver sei vom Wildhüter eindeutig als Bärenriss identifiziert worden. Das Kalb hatte der Bär kurz nach seinem Auftauchen Ende Juli auf der Südseite des Ofenpasses erlegt.

«Typischer Riss»

Beim getöteten Schaf handelt es sich um ein jüngeres Tier, wie der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi auf Anfrage sagte. Er sprach von einem «typischen Riss» eines Grossraubtieres. Der Bär habe sich ein Tier abseits der Herde geholt.

Die Behörden wollen nach dem zweiten Riss eines Nutztieres Schutzhunde in die gefährdeten Schafherden im Münstertal integrieren. Ob und in welchem Masse die für die Wolfsprävention geschulten Hunde Schafrisse durch den Bär verhinderten könnten, bleibe abzuwarten, hiess es weiter.

70 Schutzhunde im Einsatz

Zwei Schutzhunde und eine Hirtin begaben sich bereits am Montag ins Münstertal. Die Hunde wurden vom Herdenschutz Schweiz für dringende Fälle zur Verfügung gestellt. In der ersten Phase gehe es um die Sozizalisierung. Die ausgebildeten Hunde seien an Schafe gewöhnt, sagte Brosi. Die Frage sei, ob die Schafe die Hunde akzeptierten.

Bewährt haben sich die Hunde in der Abwehr von Wölfen. Der im Bündner Oberland lebende Wolf reisst zwar ab und zu Schafe. In den meisten Fällen wurde er aber laut dem WWF von den Hunden entdeckt und vertrieben. In der Schweiz, vor allem in den Kantonen Graubünden, Wallis und Tessin, bewachen derzeit rund 70 Herdenschutzhunde Ziegen und Schafe vor dem Wolf.

DNA-Analyse ohne Resultat

Immer noch nicht schlüssig geklärt ist die Identität des Braunbären. Die DNA-Analyse des Ende Juli an einer Mülltonne gefundenen Speichels ergab keine genaueren Erkenntnisse. Die Spuren stammen zwar eindeutig vom Bär, die schlechte Qualität der Probe lässt jedoch keine nähere Analyse zu.

Es bleibe somit Spekulation, ob der Münstertaler und der Vinschgauer Bär identisch seien, schreibt das Amt für Jagd und Fischerei. Nach wie vor wird vermutet, dass es sich beim Bären um ein etwa eineinhalb Jahre altes Männchen aus dem Naturpark Amadello- Brenta im italienischen Trentino handelt. Das dortige Wiederansiedlungsprojekt wird mit Bären aus Slowenien betrieben.

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