Aktualisiert 05.05.2015 03:55

PersonenverkehrDer Bahnstreik hat begonnen

In Deutschland haben die Lokführer im Personenverkehr um zwei Uhr nachts ihre Arbeit niedergelegt. Auch Schweizer müssen mit Einschränkungen rechnen.

von
vro

Für die Fahrgäste der Deutschen Bahn wird es an diesem Dienstag wieder ungemütlich. Die Lokführer sind in der Nacht um 2.00 Uhr auch im Personenverkehr in den Streik getreten, wie ein Bahnsprecher am frühen Dienstagmorgen bestätigte. Sie wollen ihre Arbeit bis Sonntagmorgen ruhen lassen. Die Güterzüge der Bahn werden bereits seit Montagnachmittag bestreikt. Es ist der achte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt und mit fast sechs Tagen Dauer der längste seit Gründung der Deutschen Bahn 1994.

Die Bahn hat Ersatzfahrpläne aufgestellt. Demnach soll noch etwa jeder dritte Fernzug im Einsatz sein. Im Regionalverkehr will die Bahn 15 bis 60 Prozent des regulären Angebots aufrechterhalten, wobei mit den grösseren Ausfällen in Ostdeutschland gerechnet wird.

S-Bahnen fahren, Fernverkehr beeinträchtigt

Auch Schweizer müssen mit Verspätungen rechnen. So fallen etwa die EC-Züge von Zürich HB nach München Hbf und retour zwischen Bregenz und München aus. Auch die RE-Züge von Basel via Freiburg i.B. nach Offenburg sind in beiden Richtungen gestrichen. Ebenso fahren die Intercity-Züge zwischen Zürich und Stuttgart nur zwischen Zürich und Schaffhausen.

Die SBB empfiehlt Bahnfahrern, die von Zürich nach Stuttgart wollen, via Basel SBB - Karlsruhe Hbf zu reisen. Zudem verkehren die IC-Busse zwischen Zürich Sihlquai/HB und München ZOB planmässig. Hier muss allerdings ein Sitzplatz reserviert werden.

Auch die S-Bahnzüge S5 zwischen Weil am Rhein und Steinen, S6 zwischen Basel SBB und Zell (Wiesental) und die Bahn zwischen Konstanz und Engen verkehren nach Fahrplan. Ebenso die S-Bahnen S27 Baden - Waldshut, S41 Winterthur - Waldshut, S22 Bülach - Singen (Htw), S16 Herrliberg - Feldmeilen - Thayngen und die Züge R Schaffhausen - Erzingen und R Weinfelden - Konstanz.

5 Prozent mehr Geld und weniger Arbeitszeit

Im Westen der Republik gibt es unter den Lokführern noch einige Tausend Beamte, die nicht streiken dürfen. Auch die S-Bahnen sind von der Arbeitsniederlegung betroffen. Hintergrund ist der seit inzwischen zehn Monaten andauernde Tarifkonflikt der Bahn mit den Gewerkschaften.

Die Bahn hatte zuletzt angeboten, die Löhne vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent zu heben. Dazu sollte eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni kommen. Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Neues Gesetz schränkt Handlungsspielraum der GDL ein

Ein Knackpunkt für die Gewerkschaft ist die Einstufung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn. Sie kritisiert, die Bahn wolle diese Kollegen, die etwa für das Koppeln und Entkoppeln von Zügen zuständig sind, niedriger einstufen als Mitarbeiter auf der Strecke.

Der Konflikt ist auch deshalb so schwierig, weil die GDL mit der grösseren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Bahn-Konzern ringt. Ausserdem will die GDL einen Erfolg erzielen, bevor das kommende Tarifeinheitsgesetz der schwarz-roten Bundesregierung die Macht kleiner Gewerkschaften beschränkt. (vro/sda)

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