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600 Jahre altes Haus«Der Bau ist eine Sensation für die Region»

In Muttenz steht das älteste Wohnhaus der Nordwestschweiz. Der Bau von 1418 steht nun unter Denkmalschutz. Noch ist das Haus unbewohnbar – doch ein Malteser ändert das jetzt.

von
lb

Denkmalpfleger Walter Niederberger und Hausbesitzer John Montague arbeiten eng zusammen, um das 600 Jahre alte Haus zu restaurieren.

Das Haus in Muttenz wäre vermutlich der Abrissbirne zum Opfer gefallen, hätte es John Montague nicht vor zwei Jahren gekauft. Was auf den ersten Blick wie eine Bruchbude aussieht, ist in Wirklichkeit ein Schatz für Denkmalpfleger und Geschichtsinteressierte. Denn das Haus im historischen Ortskern wurde vor 600 Jahren erbaut und ist damit der älteste noch stehende Profanbau der gesamten Nordwestschweiz.

«Es sind noch Schlösser und Kirchen aus dieser Zeit erhalten, aber ein normales Wohnhaus findet man nur sehr selten», so Walter Niederberger, kantonaler Denkmalpfleger. Er arbeitet eng mit Montague zusammen, um das Haus als Zeuge des 15. Jahrhunderts zu erhalten. Die beiden teilen die Begeisterung für das Haus.

Beim Besitzerwechsel entdeckte man die Sensation

«Als John das Haus gekauft und ein Baugesuch eingereicht hat, wurde es archäologisch untersucht. Dabei entdeckte man, dass der Kern des Hauses von 1418 stammt», sagt Niederberger. Vor dem Kauf durch Montague sei ein Abriss eine Option gewesen.

Es ist nicht das erste Haus, das Montague instand setzt. Der Finanzberater konnte Erfahrungen in Malta und Frankreich sammeln. Auch in London restaurierte er bereits ein Haus. «Dieses ist das älteste und das coolste», sagt der 58-Jährige aber. Beim Gang durch das Haus versucht er sich vorzustellen, wie die Menschen hier vor rund 600 Jahren gelebt haben. «Ich fühle mich geehrt, dieses Haus besitzen zu dürfen. Ich besitze damit ein Stück Geschichte», sagt er.

Er will das Haus nun restaurieren und dann mit seiner Frau Christine einziehen. Dabei sollen die geschichtsträchtigen Teile des Hauses erhalten bleiben: Montague möchte den Bau von 1418 so gut wie möglich für zukünftige Generationen bewahren.

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John Montague (links) hat das Muttenzer Wohnhaus vor 2 Jahren gekauft. Gemeinsam mit Denkmalpfleger Walter Niederberger (rechts) kümmert er sich um die Erhaltung des Baus von 1418.

John Montague (links) hat das Muttenzer Wohnhaus vor 2 Jahren gekauft. Gemeinsam mit Denkmalpfleger Walter Niederberger (rechts) kümmert er sich um die Erhaltung des Baus von 1418.

20 Minuten/lb
Vor zwei Jahren entdeckte die Archäologie Baselland, dass es sich um einen Bau von 1418 handelt.

Vor zwei Jahren entdeckte die Archäologie Baselland, dass es sich um einen Bau von 1418 handelt.

Archäologie Baselland
Der hintere Teil des Hauses ist ein Anbau aus dem 17. Jahrhundert.

Der hintere Teil des Hauses ist ein Anbau aus dem 17. Jahrhundert.

20 Minuten/lb

Haus ist wichtiger Zeuge des Spätmittelalters

«Das Haus ist ein wichtiger Zeuge der spätmittelalterlichen Bauweise im Baselbiet», so Niederberger. Es erlaube einen einmaligen Einblick in die bescheidenen Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Zeit. Das Gebäude besteht aus zwei Teilen: Ein Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert und ein Anbau aus dem 17. Jahrhundert. Im Haus sind Elemente aus allen Jahrhunderten zu finden.

Im Gebäude war einst vermutlich ein Handwerksbetrieb. «Dies würde den seltenen Lehmboden im Obergeschoss erklären, der dem Brandschutz diente», sagt der Denkmalschützer. Es war einst ein Fachwerkbau aus Eichenholz, die Wände wurden aus Lehm und Staketen aus Kirschholz gebaut – diese sind an vielen Stellen noch erhalten. Später wurde der Lehm teilweise durch Mauerwerk ersetzt und das Haus mit Ziegeln gedeckt.

Haus gibt Archäologen Rätsel auf

Das Haus birgt viele Geheimnisse. So wurde für den Bau des zweigeschossigen Fachwerkhauses einerseits heimisches Holz verwendet. «Es wurde verbaut, was der Wald hergab», so Niederberger. Dies weise auf die ärmlichen Verhältnisse der ehemaligen Bewohner hin. Andererseits weisen manche Balken auch Bohrlöcher auf, die vom Zusammenbinden für den Wassertransport zeugen. Solche Balken waren im 15. Jahrhundert sehr teuer.

Ein weiteres Rätsel gibt die Dachdeckung auf. «Für Stroh ist das Dach nicht steil genug», erklärt Niederberger. Vermutlich wurden Holzschindeln verwendet.

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