Der Ferrari F355 F1 Spider überzeugt auch heute noch
Überzeugt auch heute noch: der Ferrari F355 F1 Spider. 

Überzeugt auch heute noch: der Ferrari F355 F1 Spider.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

Ferrari F355 F1 Spider Der Befreiungsschlag für Ferrari

Mit dem Ferrari F355 ersetzte der Sportwagenhersteller aus Maranello den 348, der von der Konkurrenz arg in die Zange genommen worden war. Ferrari gelang ein überzeugender Rundumschlag, der auch heute noch durch seine Qualitäten überzeugt.

von
Bruno von Rotz

Der im Mai 1994 vorgestellte Ferrari F355 war der letzte Achtzylinder-Ferrari mit Klappscheinwerfern und der bis zum 308 GTB zurückgehenden Formensprache, die von Pininfarina nochmals elegant verfeinert wurde. Technisch ähnelte er seinem Vorgänger 348, wenngleich modernisiert und gestärkt. Trotz nur minimaler Hubraumvergrösserung von 3405 auf 3496 cm3 leistete der V8-Motor statt 320 nun 380 PS bei 8250 Umdrehungen pro Minute. Dabei zeigte sich der Drehmomentverlauf durchaus alltagstauglich, denn bereits bei 1000 U/min lagen 220 Nm an, zwischen 3000 und 4000 U/min 280 bis 320 Nm. Zusammen mit dem gut abgestuften Sechsganggetriebe stand so immer genug Vortrieb zur Verfügung.

Verbesserungswürdige Schaltung

Obschon bei der ersten Präsentation des F355 schon anwesend, wurde die Targa-Version GTS erst im Jahr 1995 eingeführt. Im Frühling 1995 kam dann der F355 Spider dazu. Das beim 348 Spider heftig kritisierte Dach war verbessert und die Aerodynamik in intensiver Windkanalarbeit optimiert worden. Selbst das Gewicht hatte nur minimal zugenommen, sodass die Fahrleistungen kaum schlechter geworden waren. Im Sommer 1996 durften Journalisten erstmals mit der automatisierten Schaltung, zu jener Zeit noch «Selespeed» genannt, im F355 Bekanntschaft machen. Ab Oktober 1997 war die «sequentielle Schaltung aus der Formel 1» dann für den F355 lieferbar. Während der Vorzug, dank damals noch innovativer Wippen die Hände beim Hoch- und Runterschalten am Lenkrad lassen zu können, überzeugte, zeigte sich Schaltung zu jenem Zeitpunkt noch verbesserungswürdig.

Das Röhren muss man sich einfach dazudenken.

Das Röhren muss man sich einfach dazudenken.

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Aus dieser Perspektive sahen ihn wohl die meisten Verkehrsteilnehmer.

Aus dieser Perspektive sahen ihn wohl die meisten Verkehrsteilnehmer.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Das Verdeck liegt minimal auf, stört die Linie aber nicht.

Das Verdeck liegt minimal auf, stört die Linie aber nicht.

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Wer die Motorgeräuschkulisse ohne Filter geniessen will, der ist beim offenen Auto immer an der besten Adresse. Da macht der F355 Spider keinen Unterschied, egal ob als Handschalter oder mit F1-Box. Der V8-Motor röhrt hinter dem Nacken, die Auspuffanlage scheint einem fast ins Ohr zu blasen. Wunderbar. Nur: unauffällig geht kaum. Ein Ferrari fällt immer auf, selbst wenn sich der Motor unterhalb von 3000 Umdrehungen einigermassen zurückhaltend zeigt.

Eigenheiten rausfinden

Das Fahren mit dem F355 F1 verlangt nach einer gewissen Angewöhnung. So lässt sich der Wagen nur starten, wenn sich das Getriebe in Neutralstellung befindet. Parken und abschliessen lässt sich der Ferrari aber nur, wenn ein Gang drin ist. Hochgeschaltet wird mit der rechten, heruntergeschaltet mit der linken Wippe, die nicht mit dem Lenkrad mitdrehen, weil man sonst bei drei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag schnell einmal die Übersicht verlieren könnte. Das Schalten selbst bereitet keine Probleme und funktioniert besser, als es einen die F1-Gegner glauben lassen wollen. Wenn man ein wenig mitdenkt (z.B. kurz lupft vor dem Schalten) und manchmal, etwa beim Wechseln der Fahrtrichtung, auch etwas geduldig ist, kommt man mit der modernen Schalttechnologie eigentlich gut zurecht.

Zeitlos schnell

380 PS scheinen heutzutage nicht mehr viel zu sein, doch im F355 kommt nie ein Gefühl von Leistungsmangel auf. Auch heute ist dieser Ferrari noch ein schnelles Auto. Weil man relativ weit innen sitzt, fühlt sich der F355 breiter an, als er es mit seinem 1,9 Metern eigentlich ist. Kompakt und handlich wie ein Lotus Elan ist er damit aber natürlich nicht, mit seiner gut abgestimmten Servolenkung und dem knackigen Fahrwerk macht er aber den Grössennachteil weitgehend wett. Dass der F355 damals als der beste Ferrari seiner Zeit angeschaut wurde, erschliesst sich einem schnell und am liebsten würde man den bequemen Arbeitsplatz gar nicht mehr verlassen.

Einen ausführlichen Fahrbericht sowie viele weitere Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und zu sehen.

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