Der Begriff Gruyère ist in den USA nicht mehr geschützt
Ein Gruyère, der nicht in der Schweiz oder in Frankreich produziert wurde? In den USA neuerdings möglich. 

Ein Gruyère, der nicht in der Schweiz oder in Frankreich produziert wurde? In den USA neuerdings möglich.

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Schweizer Käse in ÜberseeDer Begriff Gruyère ist in den USA nicht mehr geschützt

Das amerikanische Parlament hat entschieden, in den USA verkaufter Gruyère könne überall hergestellt werden. Schweizer Käseproduzierende finden das gar nicht gut, bleiben aber hartnäckig.

von
Luise Faupel

In Europa ist der Le Gruyère aus Gruyères im Kanton Freiburg per Herkunftsbezeichnung (AOP) geschützt. Den Namen Gruyère erhält der Hartkäse nur, wenn er aus Freiburg, Bern, Neuenburg, Jura, Waadt oder dem französischen Grenzgebiet stammt. Nicht mehr so in den USA:

Anfang Januar urteilte ein US-amerikanischer Bundesrichter im Bundesstaat Virginia, dass in den USA verkaufter Gruyère überall hergestellt werden könne. Dies hatte zuvor auch das US-Parlament entschieden.

Der Gruyère oder auch Greyezer aus der Rohmilch von Kühen hat eigentlich eine geschützte Ursprungsbezeichnung.

Der Gruyère oder auch Greyezer aus der Rohmilch von Kühen hat eigentlich eine geschützte Ursprungsbezeichnung.

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Statt Gruyère «Alpine Style»

Der Streit zwischen Gruyère-Produzierenden aus der EU und amerikanischen Käsemacherinnen und Käsemachern läuft bereits seit Jahren. Nur wenige US-Produzenten, die sich Schweizern und Franzosen gegenüber verständnisvoll zeigen, versehen ihren Käse seitdem einfach nur mit der Bezeichnung «Alpine Style».

Ist das überhaupt noch Gruyère-Käse?

Nicht nur wer das Gerichtsurteil ziemlich ungerecht findet, fragt sich nach dem Grund für den Entscheid. Nach jahrzehntelangem Verkauf von Gruyère in den USA, der ausserhalb der geschützten Regionen hergestellt wurde, habe sich der Name zu einem allgemeinen Begriff gewandelt. Solche allgemeinen Begriffe könne man in den USA nicht als Marke eintragen lassen, so die Begründung.

Was Amerikaner aber anscheinend unter Gruyère verstehen, könnte bei Käseliebenden für mindestens eine gerunzelte Stirn sorgen.

Während Schweizer und Franzosen ihn in einem besonders langsam gereiften und dadurch sehr würzigen Hartkäse sehen, ist ein Gruyère für Amerikaner ein milder, zart schmelzender Käse. Punkt. Die Konsistenz? Die Herkunft? Laut Gericht total egal.

Rekordverkauf von 4000 Tonnen

Dass der Begriff Gruyère in der amerikanischen Wahrnehmung also vor allem eher ein Warenzeichen sei, kann Philippe Bardet aus dem Verband der Schweizer Gruyèreproduzenten aber nicht bestätigen. Zur Agentur Keystone-ATS sagt er, Käse mit dem Namen Gruyère sei auf dem amerikanischen Markt immer noch eine Rarität, keine Gattungsbezeichnung für Käse ganz allgemein.

Zudem würden die Vereinigten Staaten seit Jahren einen grossen Teil der Exporte des Schweizer Gruyère ausmachen. Auch 2020 wurde mit 4000 Tonnen, die von den 32’000 verkauften Tonnen über den Atlantik geschickt wurden, ein Rekord erreicht. «Für die Amerikaner macht das weniger als 1% des Marktes aus, aber für uns ist es riesig», erklärt er.

Das gibt gleichzeitig Hoffnung: Schweizer Käseproduzenten wollen Berufung gegen das Gerichtsurteil aus Virginia einlegen. Die Rekordexporte trotz komplizierter Pandemielage bestätigen: «Wir können daraus entnehmen, dass informierte amerikanische Verbraucherinnen und Verbraucher das echte Produkt wollen».

Hast du schon mal Gruyère in den USA gegessen? Was hältst du von dem Urteil?

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