Kapverden – Teil 2: Der Berg des Feuers und mehr als ein Hauch Afrikas

Aktualisiert

Kapverden – Teil 2Der Berg des Feuers und mehr als ein Hauch Afrikas

Inselhüpfen vor der Westküste Afrikas: 20 Minuten hat sich vier der neun bewohnten Inseln der Kapverden näher angeschaut. Heute: Fogo und Santiago.

von
Marcel Lätsch

Die Kapverdischen Inseln bieten einzigartige Landschaften und mitreissende Musik.

Fogo – Die Feurige

«Der Vulkan ist unser Freund», sagt Cecilio. Der 41-Jährige lebt in Portela, einem Dorf am Fuss des Vulkans Pico do Fogo (Berg des Feuers), mit 2829 Metern nach dem Teide auf Teneriffa (3718 Meter) zweithöchster Berg im Nordatlantik. Sein Geld verdient er wie viele andere im Dorf im Tourismus, als Guide und Host. Berg rauf, Berg runter. Manchmal zweimal am Tag.

Cecilio sagt: «Der Vulkan gibt und nimmt.» Am 23. November 2014 hat der Vulkan das letzte Mal genommen: Ausbruch. Wochenlang speite er Lava und zerstörte zwei Dörfer im auf 1700 Metern hoch gelegenen Nationalpark Chã das Caldeiras fast vollständig. 1500 Menschen mussten flüchten.

Lange hielten sie es in den Evakuierungsdörfern nicht aus. Viele kehrten zurück, bauten auf der noch warmen und arbeitenden Lava ihre Häuser wieder auf. Auch Cecilio, dessen Haus zum Teil stehen geblieben war. «Mein Herz ist hier», sagt er und lacht, seinen zweijährigen Sohn Celinho auf dem Arm, den alle nur «Vulcãozinho» nennen, weil er das erste Kind ist, das seit dem Vulkanausbruch geboren wurde.

Mindelo, die Hafenstadt auf São Vicente mit 75'000 Einwohnern, zeigt eine reizvolle Mischung aus portugiesischem Kolonialstil und afrikanischem Flair.

Mindelo, die Hafenstadt auf São Vicente mit 75'000 Einwohnern, zeigt eine reizvolle Mischung aus portugiesischem Kolonialstil und afrikanischem Flair.

Marcel Lätsch
Kopfsteinpflaster statt Rasen, Fussballtore Fehlanzeige. Kicken mitten in der Altstadt macht trotzdem Spass.

Kopfsteinpflaster statt Rasen, Fussballtore Fehlanzeige. Kicken mitten in der Altstadt macht trotzdem Spass.

Marcel Lätsch
Bunte Wandmalereien trifft man auf den Kapverden überall an - auch in Mindelo.

Bunte Wandmalereien trifft man auf den Kapverden überall an - auch in Mindelo.

Marcel Lätsch

Auf dem Weg zum Pico Pequeno, wo die Lavamassen ihren Ausgang nahmen, erklärt Cecilio die reiche Pflanzenwelt. Obst und Gemüse wachsen ebenso wie Weinreben, denn es gibt keine fruchtbarere Erde als Lava. Der hier gekelterte Wein gilt als guter Qualitätswein.

Nach rund zwei Stunden ist der Gipfel erreicht. Der Ausblick auf die bizarre Vulkanlandschaft ist grandios, im Rücken des Schlunds der mächtige Pico do Fogo, vor einem das Tal mit den verschiedenen Lavastrassen, die alles verbrannten, was ihnen im Weg war. Einige Vertiefungen um den Krater sind noch so heiss, dass sich ein Papiertaschentuch innert weniger Sekunden entzündet. Der Vulkan, er gibt und nimmt.

São Felipe, der Hauptort von Fogo, gilt als besonders malerisch.

São Felipe, der Hauptort von Fogo, gilt als besonders malerisch.

Marcel Lätsch
Was will uns wohl dieser Künstler sagen ...?

Was will uns wohl dieser Künstler sagen ...?

Marcel Lätsch
Der Vulkan Pico do Fogo (deutsch: Berg des Feuers) ist mit 2829 m nach dem Teide auf Teneriffa (3718 m) zweithöchster Berg im Nordatlantik.

Der Vulkan Pico do Fogo (deutsch: Berg des Feuers) ist mit 2829 m nach dem Teide auf Teneriffa (3718 m) zweithöchster Berg im Nordatlantik.

Marcel Lätsch

Santiago – die afrikanischste der Inseln

Laut und geschäftig kann es auch auf den Kapverden zu- und hergehen. Wer das sucht, wird in Praia auf Santiago fündig. Und in der rund 130'000 Bewohner zählenden Hauptstadt des Inselstaats soll es in naher Zukunft noch viel geschäftiger werden: Ein chinesischer Investor überbaut derzeit die in der Hafeneinfahrt gelegene unbewohnte Insel Santa Maria mit einem Hotelresort inklusive Casino und Jachthafen für 275 Millionen Dollar. Übrigens: Santa Maria war einst eine Quarantänestation für Leprakranke.

Karibik- statt Stadtfeeling kommt im Norden, in Tarrafal, auf. Der helle Sandstrand in der geschützten Bucht ist am Wochenende das Ausflugsziel der wohlhabenderen Bewohner von Praia.

Santiago wird immer wieder als die afrikanischste aller Kapverdischen Inseln, die bis 1975 portugiesische Kolonie waren, bezeichnet, weil viele Einwohner eine etwas dunklere Hautfarbe haben. Die vielen bunten Märkte könnte man sich auch in Dakar, das nur rund 500 km von Praia entfernt ist, oder Lagos vorstellen.

Und eine weitere Prise Afrika gibts zum Abendessen in der Musikbeiz Quintal da Música, wo bei kapverdischer Küche und dem nur auf Santiago praktizierten Batuko, einem wilden Tanz mit Gesang und lautem Getrommel, die Post abgeht. Dass die Kellnerin das Bier auf dem Kopf serviert, fällt im ganzen musikalischen Tohuwabohu gar nicht mehr gross auf.

Kapverdische Inseln

Die Kapverden sind ein Inselstaat vulkanischen Ursprungs, 450 km westlich von Senegal und 1500 km südlich der Kanarischen Inseln. Die Inselgruppe, eine ehemalige portugiesische Kolonie, besteht aus zehn Inseln (neun davon sind bewohnt) und mehreren kleinen, unbewohnten Inselchen.

Die Inseln sind durch die verschiedenen Passatwinde in zwei Gruppen unterteilt. Im Norden die Ilhas do Barlavento (Inseln über dem Wind) Santo Antão, São Vicente, die kleinen unbewohnten Inseln Santa Luzia, Razo und Branco sowie die Inseln São Nicolau, Sal und Boavista. Im Süden die Ilhas do Sotavento (Inseln unter dem Wind) Maio, Santiago, Fogo und Brava sowie die unbewohnte Inselgruppe der Ilheus do Rombo.

Der Archipel hat eine Landfläche von 4033 km², womit er rund zehnmal kleiner als die Schweiz ist, und zählt etwa 520'000 Einwohner.

Reise-Infos

Die Reise wurde unterstützt vom Zürcher Kapverden-Spezialisten Amin Travel GmbH und TAP Portugal. Die Fluggesellschaft fliegt täglich ab Zürich und Genf via Lissabon auf die Kapverden. 2 Wochen Rundreise mit den Inseln São Vicente, Santo Antão und Santiago inkl. TAP-Flügen, Flughafentaxen, Unterkunft im Doppelzimmer im 3-Stern-Hotel inkl. Frühstück sowie allen Ausflügen und Transfers kosten 2595 Franken pro Person im Doppelzimmer.

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