Felssturz im Tessin: Der Berg kam in der Nacht

Aktualisiert

Felssturz im TessinDer Berg kam in der Nacht

Jahrelang bedrohten Steinschläge die Tessiner Gemeinde Preonzo. In der Nacht geschah, was erwartet wurde: 300'000 Kubikmeter Fels krachten ins Tal. Die Autobahn musste gesperrt werden.

von
rme

In Preonzo TI ist es über Nacht zu dem erwarteten Bergsturz gekommen. Über 300 000 Kubikmeter Fels sollen ins Tal gerutscht sein, sagte der Chef des Tessiner Forstamtes, Roland David, der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage.

Der Felssturz erfolgte in Abschnitten über mehrere Stunden. Um 1.45 Uhr habe ein erster grosser Felssturz stattgefunden, berichtet das Tessiner Portal tio.ch. Bis um 6.30 Uhr sei der Berg Stück um Stück abgebröckelt. Die grösste Gerölllawine rutschte am frühen Morgen ins Tal. Die Gesteinsmassen gelangten bis auf den Talboden. Die Autobahn A2 wurde aus Sicherheitsgründen mehrfach vorübergehend gesperrt.

Bislang keine Schäden entdeckt

Die evakuierte Industriezone am Fuss des Hangs ist aber vermutlich verschont geblieben. Nach Angaben von Roland David seien bisher noch keine Schäden an den Gebäuden entdeckt worden. Genauere Untersuchungen vor Ort müssten aber noch gemacht werden.

Die Zone gelte weiterhin als Gefahrengebiet. Der Zutritt sei verboten. Die Kantonsstrasse zwischen Gnosca und Preonzo bleibe gesperrt. «Wir müssen heute erst einmal die Situation am Hang überprüfen. Bisher lassen sich noch keine Aussagen über die geologische Situation machen», sagte David.

Der Abbruch sei mit 300 000 Kubikmetern Fels in der erwarteten Dimension erfolgt. In Bewegung gewesen seien insgesamt bis zu 800 000 Kubikmeter Gesteinsmasse. Der Forstamt-Chef zeigte sich erleichtert über den Verlauf des Ereignisses. Die Tatsache, dass die Felsmassen in kleineren Portionen abrutschten, habe vor grösseren Schäden bewahrt.

Zone unter Beobachtung seit den 1990er Jahren

Seit Mai 2002 lebt Preonzo mit der akuten Steinschlag-Gefahr. Damals rutschten 150 000 Kubikmeter Geröll ins Tal, allerdings ohne grössere Schäden zu hinterlassen. Überwacht wird die Zone des so genannten Valegion bereits seit den 1990er Jahren.

Der Berg bewegte sich bereits im Herbst 2009 (Quelle: youtube.com/Marazol)

Vor einer Woche wurden Sicherheitsmassnahmen ergriffen, weil ein grosser Felssturz erwartet wurde. (Quelle: youtube.com/cdtweb)

Preonzo liegt zwischen Biasca und Bellinzona

(rme/sda)

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