Aktualisiert 05.08.2011 08:59

Hertha-Trainer Babbel

«Der Berliner hat eine grosse Schnauze»

Mit Markus Babbel hat die Hertha den Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft. Der Coach der Berliner äussert sich im Interview über die Bayern, Lucien Favre und Fabian Lustenberger.

von
Eva Tedesco
Hertha-Trainer Markus Babbel hat in seiner ersten Saison den Wiederaufstieg geschafft. Die Euphorie in der Hauptstadt ist riesig. (Keystone/AP)

Hertha-Trainer Markus Babbel hat in seiner ersten Saison den Wiederaufstieg geschafft. Die Euphorie in der Hauptstadt ist riesig. (Keystone/AP)

Seit dem Aufstieg trägt der Metallica-Fan den Hertha-Schriftzug sogar auf dem Arm. Der Trainer der Berliner hat sich das Wappen unter die Haut ritzen lassen. Mehr noch. Neben der Hertha-Fahne hat er sich alle Klubs tätowieren lassen, die ihn mit seiner Karriere verbinden: Bayern, Stuttgart, Liverpool, den HSV und seinen Klub aus Juniorenzeiten, den TSV Gilching. Um die Klublogos liess er sich einen Spruch der Rolling Stones stechen: «It`s only Rock`n Roll, but I like it». Sein Lebensmotto. Auf Deutsch: Es ist nur Rock`n Roll, aber mir gefällts. Doch bei der Euphorie um den Aufstieg bleibt der ehemalige Bayern-Teamkollege von FCB-Trainer Thorsten Fink realistisch, das wird im Interview mit 20 Minuten Online klar.

Nach einem Jahr in der 2. Bundesliga kann die Hertha am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg wieder in der ersten Spielklasse ran. Wie wichtig ist das erste Spiel nach dem Aufstieg?

Markus Babbel: So wichtig wie das 34. auch. Natürlich wollen wir gut starten. Aber wir spielen zu Hause im Olympiastadion vor erwarteten 60 000 Fans. Ich weiss nicht, wie die Mannschaft reagieren wird und wo wir stehen. Das werden wir nach fünf, sechs Spielen sehen.

Während der Vorbereitung haben Sie auch am Uhrencup in Grenchen gespielt. Allerdings mit mässigem Erfolg. Wie ist der Rest verlaufen?

Wir haben intensiv und gut gearbeitet. Ich bin zufrieden. Der Teamspirit war ein grosses Mosaiksteinchen für den Erfolg; wenn wir es schaffen, diesen unheimlichen Zusammenhalt mitzunehmen, werden wir auch in der Bundesliga bestehen. Der wahre Charakter zeigt sich, wenn es nicht nur gut läuft.

Sie haben 2010 von Friedhelm Funkel übernommen, dem Nachfolger von Lucien Favre. Wie viel war da noch von der Handschrift Favres erkennbar?

Wie Sie schon gesagt haben, hat Friedhelm Funkel vor mir schon mit der Mannschaft gearbeitet. Ich denke, dass da schon radikale Schritte gemacht worden sind. Aber Lucien Favre hat Gladbach nicht umsonst vor dem Abstieg gerettet. Das war ja schlicht sensationell. Ich finde Lucien Favre auch menschlich sehr angenehm. Aber in der Hauptstadt ist alles anders. Die Presse, das ganze Drumherum ist schwierig. Wir haben allein sieben Tageszeitungen und der Boulevard macht permanent Druck. Das habe ich im letzten Jahr erlebt – trotz Erfolg. Der Berliner hat eine grosse Schnauze.

Den Medienrummel kennen Sie doch aus München?

München ist anders. Hier glaubt man, dass man achtfacher Meister ist, sechsmal den Pokal und die Champions League gewonnen hat. In München ist der Anspruch auch hoch, aber immer im Verhältnis. Schliesslich ist das der Klub mit dem meisten Geld und den besten Spielern. Klar kriegen die Feuer, wenn es nicht nach Wunsch läuft. Aber hier hat man seit Jahren nix gerissen.

16 von 18 Bundesligatrainern tippen auf einen weiteren Titel für die Bayern. Sie auch?

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Der BVB ist ein sehr ernst zu nehmender Gegner. Und wenn Leverkusen noch eine Schippe drauflegt, wirds ganz schwierig.

Auf welche Konkurrenten muss Hertha schauen, um nicht abzusteigen?

Unser Ziel ist der Ligaerhalt. Wir haben vor jedem Gegner Respekt, aber ich würde zu viel Angriffsfläche bieten, wenn ich schon im Vorfeld urteilen würde. Zudem ist die Liga sehr ausgeglichen und vieles möglich. Erinnern Sie sich nur an die letzte Saison: Wer hätte gedacht, dass Teams wie Wolfsburg oder Schalke, die Europapokal gespielt haben, einen Kampf ums Überleben führen würden?

Was erwarten Sie von Fabian Lustenberger, ihrem Schweizer im Mittelfeld, in der neuen Saison?

Fabian hat nach der schlicht sensationellen U-21-Europameisterschaft der Schweizer noch etwas Rückstand, deshalb habe ich ihn im Pokal nicht eingesetzt. Aber Fabian ist ein wichtiger, intelligenter Spieler, der das Spiel unheimlich gut lesen kann. Und er ist ein ganz wichtiger Baustein in der Gruppe. Ich bin froh, dass er bei mir ist. Auch wenn er am Anfang nicht immer dabei sein wird, ist er mit seiner Qualität längerfristig unverzichtbar für uns.

Deutschen Medien war zu entnehmen, dass Sie Raffael, der zweieinhalb Jahre beim FC Zürich gespielt hat, Feuer unterm Hintern gemacht haben. Sind Sie unzufrieden mit ihm?

Ja. Ich verlange viel mehr als das, was er zeigt. Denn er kann mehr. Es reicht nicht, hin und wieder seine Klasse aufblitzen zu lassen, ab und zu gute Pässe zu spielen und den Rest mitzulaufen. Ich will mit ihm dahin kommen, dass er sein Potenzial mit Regelmässigkeit ausspielt.

Brasilianer sind für ihren Hang zum Minimalismus bekannt.

Genau darin liegt die Herausforderung für mich. Ich will schaffen, dass er eine Marke wird in der Bundesliga. Er soll sich unverzichtbar machen. Das hinzubekommen reizt mich.

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