Schutz für LGBTIQ – «Der Berner Regierungsrat zeigt auf, dass er noch nichts macht»
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Schutz für LGBTIQ«Der Berner Regierungsrat zeigt auf, dass er noch nichts macht»

Berner Grossrätinnen und -räte wollten von der Kantonsregierung wissen, was sie tut, um queere Personen vor Anfeindungen zu schützen. Eine Interpellantin zeigt sich enttäuscht über die Antwort.

von
Zoé Stoller
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Grossrätinnen und Grossräte fordern Auskunft darüber, was derzeit zum Schutz von queeren Personen gemacht wird.

Grossrätinnen und Grossräte fordern Auskunft darüber, was derzeit zum Schutz von queeren Personen gemacht wird.

20min/Simon Glauser
«Regelmässige Schulungen und Workshops an Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler für die Themen im Bereich der Opferhilfe sensibilisiert werden», heisst es unter anderem in der Antwort des Regierungsrates.

«Regelmässige Schulungen und Workshops an Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler für die Themen im Bereich der Opferhilfe sensibilisiert werden», heisst es unter anderem in der Antwort des Regierungsrates.

20min/Simon Glauser
«Ich habe mir deutlich mehr erhofft», sagt Barbara Stucki (glp), Sprecherin der Initiierenden. Bild: Zürich Pride von 2018. 

«Ich habe mir deutlich mehr erhofft», sagt Barbara Stucki (glp), Sprecherin der Initiierenden. Bild: Zürich Pride von 2018.

Tagesanzeiger / Urs Jaudas

Darum gehts

  • Das angenommene Gesetz, das Menschen der LGBTIQ-Community vor Hass schützen soll, geht einigen Grossrätinnen und Grossräten zu wenig weit.

  • Sie fragen deshalb den Regierungsrat, welche Massnahmen konkret eingeleitet wurden, um den Schutz queerer Personen zu gewährleisten.

  • Mit der Antwort ist glp-Grossrätin Barbara Stucki allerdings nicht zufrieden.

Mehr als einmal pro Woche meldet sich ein Opfer eines Hassverbrechens bei der LGBTIQ-Helpline, die von der Organisation Pink Cross betrieben wird. Eine grosse Mehrheit der Übergriffe wird gar nicht erst gemeldet. Obschon am 9. Februar 2020 das Berner Stimmvolk mit 63 Prozent Ja zum Schutz von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen vor Hass stimmte, reicht dieses Antidiskriminierungsgesetz Parlamentarierinnen und Parlamentariern der glp, der Grünen, der Mitte, der SP und der AL nicht: Fünf Mitglieder des Grossen Rates haben am 10. Juni 2021 einen parlamentarischen Vorstoss eingereicht, der nun vom Regierungsrat beantwortet wurde.

Die erste Frage der Parlamentarierinnen und Parlamentariern war, welche Sensibilisierungsmassnahmen ergriffen wurden oder geplant sind, um LGBTIQ-Feindlichkeiten in der Bevölkerung abzubauen und Taten präventiv zu verhindern. Laut dem Regierungsrat sind die Beratungsstellen beauftragt, ihr Angebot in der Öffentlichkeit und bei Institutionen bekannt zu machen. Dieses «beinhaltet unter anderem regelmässige Schulungen und Workshops an Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler für die Themen im Bereich der Opferhilfe sensibilisiert werden», heisst es in der Antwort des Regierungsrates. Ausserdem würden Kinder und Jugendliche gemäss Lehrplan 21 «in der Wahrung ihrer Integrität gestärkt». Weiter geht der Regierungsrat genauestens auf Schulfächer ein, in denen Lehrpersonen Präventionsarbeit gegen LGBTIQ-Feindlichkeiten realisieren können.

«Der Regierungsrat zeigt, dass er überhaupt nichts unternimmt»

«Ich habe mir deutlich mehr erhofft», sagt Barbara Stucki (glp), Sprecherin der Initiierenden. «Der Regierungsrat zeigt in seiner langen und ausführlichen Antwort eigentlich nur auf, dass er noch nichts unternimmt, das er nicht bereits vor dem Antidiskriminierungsgesetz gemacht hatte. Er verweist zwar auf die Angebote der Opferhilfe, zeigt aber keine Eigeninitiative», urteilt Stucki.

Sie hätte sich gewünscht, dass der Regierungsrat verkünde, dass er an Stuckis Motion von 2019 arbeitet. Damals verlangte sie eine Statistik, in der Delikte von LGBTIQ-Feindlichkeiten festgehalten werden. «Ohne eine solche Statistik kann man kaum effektive Massnahmen einleiten, weil man nicht weiss, wo genau Handlungsbedarf besteht», erklärt sie. Ausserdem müsse man bei den Behörden mehr Sensibilisierungsarbeit leisten. Der Grossrätin seien nämlich Fälle bekannt, in welchen Opfer von Hass zu wenig ernst genommen worden seien.

«Auch an den Schulen sensibilisieren Lehrpersonen die Schülerinnen und Schüler noch zu wenig. Das könnte auch ganz niederschwellig passieren. Ich würde mir beispielsweise eine Mathelektion wünschen, in der bei der Rechenaufgabe zwei Mamis mit dem Kind einkaufen gehen und 50 Melonen kaufen, statt dem bürgerlichen Familienmodell von Vater, Mutter und Kind», so Stucki.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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