«Der beste Busen Amerikas»
Aktualisiert

«Der beste Busen Amerikas»

Dass Jane Russell über Nacht berühmt wurde, hatte zwei schwergewichtige Gründe. Am 21. Juni wird das frühere Sexsymbol Hollywoods der Vierzigerjahre 85 Jahre alt.

Das Alter wird in Hollywood gerne nach unten korrigiert, aber die Ankündigung - «und nun kommt eine junge Lady namens Jane Russell auf die Bühne» - ist rund ein halbes Jahrhundert geschmeichelt. Der Show-Conférencier im kalifornischen Santa Maria hat nicht ganz Unrecht. Die frühere Sex-Göttin Hollywoods steigt immer noch auf die Bühne, wenn auch etwas langsamer, mit Hörgerät und silbergrauen Haaren. An diesem Mittwoch (21. Juni) wird Russell 85 Jahre alt. Trat sie einst mit Marilyn Monroe, Frank Sinatra und Clark Gable auf, so greift sie nun in der Show-Revue «The Swinging Forties» mit anderen Senioren am ersten und dritten Freitag des Monats zum Mikrofon. Mit üppigen Kurven im türkisen Abendkleid ist sie immer noch die «flotte, kecke Jane Russell vergangener Jahre», schwärmte unlängst die «Los Angeles Times».

Bildstrecke: Der beste Busen Amerikas

Nach dem Tod ihres dritten Ehemanns 1999 verschlug es Russell zu ihrem jüngsten Sohn nach Santa Maria, einem verschlafenen Städtchen weitab von Hollywood, das erst durch den Michael-Jackson-Prozess auf die Landkarte kam. «Hier leben Rancher und Western-Typen, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen», meint der frühere Star. «Die sagen, was sie denken und geben nichts auf Ruhm.» Genau das würde ihr jetzt gefallen.

Russell war 18 Jahre, arbeite in einer Zahnarztpraxis und nebenbei als Modell, als sie 1939 über Nacht berühmt wurde. Und dies hatte zwei schwergewichtige Gründe. Die schwarzhaarige Schönheit gewann den schlagzeilenträchtigen Wettbewerb des exzentrischen Multimillionärs Howard Hughes um den «besten Busen Amerikas». Die üppige Oberweite brachte ihr prompt die erste Filmrolle ein, als Halbblut Rio in dem Western «Outlaw» («Geächtet»). Damit war 1943 der «Busenstar von Hollywood» geboren. Doch Hughes war mit der Kamera so tief in den Ausschnitt gefahren, dass die Zensurbehörde eingriff. «Der Busen von Jane Russell hängt über dem Film wie eine Gewitterwolke über der Landschaft», sagte ein Richter in Baltimore während der jahrelangen Auseinandersetzungen darüber, ob er öffentlich gezeigt werden dürfe.

Erst sechs Jahre später kam der Streifen offiziell in die Kinos. Doch freizügige Fotos, die Hollywood geschickt vermarktet hatte, machten aus Russell einen Star, lange bevor ihr erster Film zu sehen war. Pin-up-Fotos zierten die Spinde der GIs im Zweiten Weltkrieg. Soldaten in Korea tauften zwei umkämpfte Hügel auf den Namen «Russell Hills». Über die «widerliche» Vermarktung ihrer weiblichen Attribute regt sich die erzkonservative Republikanerin und strenggläubige Katholikin, die gerne über Hollywoods Sittenverfall lamentiert, heute noch auf. Zu ihrer Verteidigung zog sie immer wieder den kecken Spruch «Auch Christen können grosse Titten haben» heran.

Ihren grössten Filmerfolg feierte Russell dann im Schatten von Hollywoods blonder Sexbombe Marilyn Monroe. In Howard Hawks' «Blondinen bevorzugt» (1953) spielt sie die verlässliche Freundin Dorothy neben der naiven, männerhungrigen Lorelei. Zuvor zeigte sie bereits als Wildwestheldin Calamity Jane in der Western-Parodie «The Paleface» Stärke und Souveränität. In «His Kind of Woman» und «Macao» glänzte sie an Robert Mitchums Seite durch ihren trockenen Humor. Als feurige Zigeunerin («Hot Blood») und rassige Viehtreiberin in «The Tall Men» zog sie in den 50er Jahren über die Leinwand. Doch mit der Komödie «Fuzzy Pink Nightgown» ging ihre Hollywoodlaufbahn schon 1957 dem Ende zu.

Sie wechselte ans Mikrofon und stand in Las Vegas als Sängerin auf der Bühne. Als 50-Jährige trat sie am Broadway in New York noch in Musicals auf und zeigte sich in einer Büstenhalterwerbung im Fernsehen lächelnd als «Mädchen mit voller Figur». Ein wenig trauer t sie den 40er Jahren nach, bekannte Russel unlängst bei einem Auftritt in Santa Maria. «Die Musik, die die Kids heute spielen, ist nur Geschrei und Getrommel», schimpfte sie. Nun müssten sie eben als Senioren die «Swinging Forties» wieder aufleben lassen.

(sda)

Deine Meinung