Aktualisiert 06.02.2014 07:45

Neuer Microsoft-CEO

«Der beste Code liest sich wie Poesie»

Mit Satya Nadella wird ein Tech-Nerd und Cloud-Spezialist neuer Chef von Microsoft. Als Geschäftsmann ist er bisher weniger aufgefallen. So reagiert die IT-Branche auf seine Wahl.

von
tob

Eines ist klar: Ein «Celebrity-CEO» wie Steve Ballmer ist Satya Nadella nicht. Im Vergleich zum schillernden und polternden Ballmer ist der gebürtige 46-jährige Inder eher ein Freund der leisen Töne. Er mag Poesie, ist ein Fan von Cricket und ein Familienmensch. Vor 22 Jahren hat er seine Highschool-Liebe geheiratet und lebt mit ihr und drei Kindern heute im US-Bundesstaat Washington.

Seit 1992 ist Nadella bei Microsoft. Während dieser Zeit arbeitete er unter anderem für die Suchmaschine Bing und war als Vizepräsident der Cloud-Abteilung tätig. Seine Aufgabe als neuer CEO ist keine einfache: Er soll den Computer- und Softwaregiganten in die Post-PC-Ära führen und Windows auf Smartphones und Tablets präsenter machen. Doch die Konkurrenz ist stark.

Analysten uneins

Aus Sicht vieler Investoren muss Microsoft vor allem im mobilen Bereich die Kurve kriegen und endlich Erfolge vorweisen. Ausserdem wird immer wieder gefordert, mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten. «Nadella ist eine gute Wahl für die Firma», sagt Patrick Moorhead, Chef des Marktforschungsunternehmens Moor Insights & Strategy, gegenüber dem Blog Recode.

Diese Meinung teilt auch Rajeev Chand, Geschäftsführer der auf Technologiefirmen spezialisierten Investmentbank Rutberg & Co. Nadella sei die richtige Person, um Microsoft sicher in der Spur zu halten und die existierenden Stärken auszuspielen, sagt er. Im boomenden Segment mit Smartphones und Tablets, das vor allem von Apple und Samsung dominiert wird, fehle es ihm aber an Erfahrung, so Chand.

Der Microsoft-Kassenschlager Windows dominiert zwar die alte Welt der herkömmlichen Computer, hier läuft das Betriebssystem auf neun von zehn Geräten. Bei Smartphones sind es aber nur vier Prozent Windows-Geräte. Und bei Tablets ist der Anteil sogar noch kleiner. Microsoft kam mit seiner Software zu spät auf den Markt, ganz im Gegensatz zu Google, das mit Android omnipräsent ist.

«Microsoft muss überall sein»

«Ich würde ihm raten, sich den Bereich mit mobilen Geräten noch einmal genau anzuschauen», sagt Technologie-Analyst David Smith vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Diese Meinung teilen viele Experten. «Microsoft muss auf jedem Gerät präsent sein», fordert Ted Schadler vom Analysehaus Forrester. Dafür müssten sie eigene Anwendungen entwickeln, so dass es dann beispielsweise auch Office-Programme fürs iPad gebe.

Derzeit machten in diesem Bereich die Datendienst-Anbieter Dropbox oder Evernote vor, wie es funktionieren könne. «Es geht darum, überall zu sein.» Microsofts Surface-Tablet müsse attraktiver für Firmenkunden werden. Dafür gibt es aber trotz einiger Erfolgsmeldungen im Weihnachtsgeschäft noch keine wirklichen Anzeichen. Nadella müsse hier sofort die Strategie ändern, fordert Technologie-Experte Schadler.

Viel Lob aus der PC-Welt

Peter Hortensius, Chief Technology Officer bei Lenovo, dem weltgrössten Lieferanten von PCs und damit einem der grössten Kunden von Microsoft, ist glücklich über Nadellas Wahl. «Wir haben eine langjährige, tiefe Beziehung zu Microsoft und sind Steve Ballmer dankbar für die Partnerschaft während der letzten Jahre», wie er in einem Statement verlauten liess. Gleichzeitig habe man grösstes Vertrauen in Nadella, seine Kompetenzen, seine Erfahrung und seinen Führungsstil.

Meg Whitman, CEO von Hewlett-Packard, liess über einen Sprecher des Unternehmens ausrichten, dass man ebenfalls glücklich sei über den neuen Microsoft-Chef. Eine offizielle Mitteilung von HP gab es nicht. Michael Dell, CEO von Dell, zeigte sich ebenfalls erfreut über die Wahl. «Wir kennen Nadella gut. Die Kombination von Engineering, Innovation und Geschäftssinn machen ihn zum perfekten CEO, um Microsoft in die Zukunft zu führen», sagt er.

Ballmer hat auf Hardware gesetzt

Viele Analysten sehen die Zukunft Microsofts eher im Software- als im Hardware-Bereich. Trotzdem hatte der US-Konzern im vergangenen Sommer angekündigt, auch bei den Geräten stärker mitmischen zu wollen. Deswegen übernahmen die Amerikaner für 7,2 Milliarden Dollar den Handy-Pionier Nokia. Die Finnen haben aber gerade bei Smartphones den Anschluss verloren – und so sehen viele Aktionäre die Übernahme kritisch. 84 Milliarden Dollar liegen bei Microsoft in der Schatztruhe oder sind lediglich kurzfristig investiert. Hier dürften lautstarke Forderungen an Nadella herangetragen werden, die Dividende weiter zu erhöhen und noch mehr Milliarden in Aktienrückkäufe zu stecken. (tob/sda)

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