Filmkritik: Der beste Film des Jahres
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FilmkritikDer beste Film des Jahres

Verehrte Damen und Herren, wenn Sie dieses Jahr auch nur einen Film anschauen gehen, dann führen Sie sich «Iron Sky» zu Gemüte. Die Mond-Nazis sind eine wahre Pracht!

von
Oliver Baroni

Zugegeben, «Iron Sky» ging mit etlichen Vorschusslorbeeren ins Rennen. Zeppelin-Raumschiffe, Riefenstahl-Ästhetik, Hacken schlagende Arier-Hünen – das wird ein Mordsspass! Bleibt die Frage, ob der abendfüllende Fertigfilm die Erwartungen erfüllen kann, die die schneidigen Web-Trailer geweckt haben. Nun ist Aufatmen angesagt. «Iron Sky» ist schlichtweg grossartig.

Ein Wiedersehen zweier geliebter Feinde

Der Plot ist inzwischen sattsam bekannt - so erfolgreich war die virale Kampagne der finnischen Indie-Filmer. Für diejenigen unter Ihnen, welche die letzten Jahre hinter dem Mond verbracht haben, liefern wir dennoch die Handlung nach: Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchten deutsche Wissenschaftler von einer geheimen Polarstation in der Antarktis zum Mond. Auf der erdabgewandten Seite des Trabanten gründen sie eine Kolonie, von wo aus die Nachkommen der Kolonisten im Jahr 2018 die Invasion der Erde starten.

Dort - genauer gesagt in den USA - will die Präsidentin wiedergewählt werden. Ein Krieg - besonders einer «gegen den einzigen Feind, gegen den wir in einem fairen Kampf gewonnen haben» - käme ihrer Popularität sehr zugute.

B-Movie mit Big-Budget-Ästhetik

Bei diesem Inhalt gehört «Iron Sky» klar zur Liga der B-Movies: So einfach, zuweilen gar plump, ist die Story. Auch was die Charakterdarstellung betrifft, wird den Schauspielern keine filigrane Stanislawski-Methodik abverlangt, sondern plakative Klischeeuntermauerung. Besonders Götz Otto als hünenhafter Nazi-Offizier Klaus Adler oder Udo Kier als Interims-Führer Wolfgang Kortzfleisch brillieren geradezu in dieser Disziplin.

Ganz und gar nicht B-Movie-mässig ist dagegen das, was Regisseur und Schauspieler daraus machen. Geduld und Crowdsourcing machtens möglich: Die Special Effects sind perfekt. Und besonders bei der Art Direction punktet «Iron Sky». Dunkle Mondlandschaften, Stuka-Ästhetik und NS-Ikonografie werden zu einem organischen Ganzen verschmolzen: Leni Riefenstahl wäre neidisch gewesen. Einzig bei den Massenpanik-Szenen beim Angriff auf New York spürt man, dass einem Roland Emmerich mehr Statisten zur Verfügung stehen.

Achterbahn im Weltraum

Dafür hat «Iron Sky»-Regisseur Timo Vuorensola ein besseres Händchen für Humor und den blattgüldenen Russ-Meyer-Award für Stilsicherheit auf sicher. «Iron Sky» ist mit witzigen Anspielungen gespickt. Filmkenner werden sich an Zitaten aus «2001 – A Space Odyssee», «Dr Strangelove», «Alien», «Sky Captain and the World of Tomorrow» und weiteren Filmen erfreuen. Der ultimative Brüller ist die Anleihe bei einer Schlüsselszene aus «Der Untergang» - Details wollen wir hier aber nicht verraten.

Die ursprüngliche Idee zu «Iron Sky» kam Regisseur Vuorensola und Drehbuchautor Jarmo Puskala während eines Sauna-Besuchs. Vier Jahre danach kommt eine Achterbahnfahrt quer durch die Filmgenres in die Kinos, die einen staunen und zugleich lauthals lachen lässt. In der Schweiz startet «Iron Sky» am 5. April in allen grösseren Städten. Dann heisst es auch bei uns: «We come in peace!»

«Iron Sky» - Offizieller Trailer

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