Motorrad-WM: Der beste Lüthi aller Zeiten?
Aktualisiert

Motorrad-WMDer beste Lüthi aller Zeiten?

Tom Lüthi kann 2011 in der Moto2-WM um den Titel fahren. Das hat er bei den Tests gezeigt, aber auch in den ersten Trainings zum GP von Katar.

von
Klaus Zaugg
Doha
Tom Lüthi will um den WM-Titel fahren. (Bilder: Keystone)

Tom Lüthi will um den WM-Titel fahren. (Bilder: Keystone)

Nach den starken letzten Vorsaisontests im andalusischen Jerez ist Tom Lüthi einer der heissesten Titelkandidaten (20 Minuten Online berichtete). Und im Titelkampf könnte es zum Shodown zwischen ihm und dem Deutschen Stefan Bradl (21, dem Sohn der Rennlegende Helmut Bradl) kommen. Bradl dominierte die Tests mit Spitzenzeiten, Lüthi mit Serien von schnellen Runden, ohne ans Limit zu gehen und er hat sämtliche Testfahren ohne Sturz hinter sich gebracht. Ähnlich ist es nun nach zwei Trainings zum GP von Katar: Platz 3 für Bradl und die 5. Position für Lüthi. «Ich bin mit diesem ersten Training zufrieden. Für mich ist es wichtig, die Startpositionen gegenüber der letzten Saison zu verbessern und das Ziel ist es, bei jedem Training unter die ersten sechs zu kommen.»

Die Moto2-WM ist wegen ihrer enormen Leistungsdichte mit gut und gerne zwölf Siegfahrern die verrückteste Motorrad-WM. Triumphieren wird am Ende, wer weniger Fehler macht. Einzelne Piloten können schneller sein als Lüthi. Aber der Schweizer wird dank dem Mix aus Coolness, Talent, Intelligenz und Erfahrung weniger Fehler machen.

Über den Winter hat Lüthi drei entscheidende Punkte verbessert.

Fitness: Auf den ersten Blick fällt auf, dass der Emmentaler athletischer, kräftiger geworden ist. Erstmals ist Lüthi vor der Saison hundertprozentig fit.

Sehschärfe: Lüthi hatte immer Probleme weil sich seine Kontaktlinsen verschoben. In drei Operationen hat Dr. Walter Aus der Au in Fribourg die Kontaktlinsen in beide Augen einoperiert. Eine Korrektur, die lebenslänglich halten sollte. «Diese Operation hat sich wirklich bewährt. Ich habe zum ersten Mal hier in Katar beim Fahren in der Nacht keine Probleme mehr.»

Technik: Alle fahren die gleichen Reifen (Dunlop) und die gleichen Motoren (600er-Viertakter von Honda). Freie Marktwirtschaft gibt es nur bei den Fahrwerken. Lüthi fuhr letzte Saison zwar die Weltmeistermarke Moriwaki. Aber Moriwaki konzentrierte sich auf Weltmeister Toni Elias (2011 in der Klasse MotoGP). Nun kommten die Fahrwerke aus dem High-Tech-Labor des Schweizers Eskil Suter. Der Zürcher ist inzwischen der wichtigste Lieferant der Moto2-WM und rüstet neben Lüthi zwölf weitere Piloten aus. Doch sein Ziel ist klar: Ein WM-Titel mit einem Schweizer. Nach den ersten zwei Training zum GP von Katar stehen die Suter-Bikes auf den Plätzen 2, 4, 5, 6, 9, 10, 11, 17, 18, 26, 28, 32 und 34.

Selbstsicher und gelassen

Lüthi wirkt beim ersten GP der Saison 2011 so gelassen und selbstsicher wie nie mehr seit 2005. Es gibt noch eine Parallele zum damaligen Weltmeisterjahr. Auch da hatte Manager Daniel M. Epp ein äusserst knappes Budget. Eigentlich zu wenig zum Fahren und zu viel zum Aufhören. Erst ab 2006 begann mit dem Einstieg des Schweizer Lebensmittelkonzerns «Emmi» der Rubel zu rollen.

Nun ist «Emmi» ausgestiegen. Und wieder hat Daniel M. Epp für seinen Fahrer eigentlich zu wenig Geld. Die knappen finanziellen Mittel wirken sich eher stimulierend als hemmend aus. An diesem Donnerstagabend des ersten Trainingstages zum ersten GP der Saison ist im Team von Tom Lüthi Kampfgeist zu spüren. Es ist wie eine Rückkehr zu den Ursprüngen des Weltmeisterjahres von 2005. Wir werden 2011 den besten Tom Lüthi aller Zeiten sehen.

Tom Lüthi

6. September 1986

172 cm/64 kg

Motorrad: Suter

Kein Teamkollege

Debüt: GP Deutschland 2002 (26.)

67 GP 125 ccm

47 GP 250 ccm

17 GP Moto2

Beste Rennklassierung: 5 GP-Siege 125 ccm.

2002 27. 125er WM

2003 15. 125er WM

2004 25. 125er WM

2005 Weltmeister 125er

2006 8. 125er-WM

2007 8. 250er-WM

2008 11. 250er-WM

2009 7. 250er WM

2010 4. Moto2 WM

Zielsetzung 2011: Um den WM-Titel fahren.

GP von Katar. Nach zwei von vier Trainings. Moto2.

1. Yuki Takahashi (Jap), Moriwaki, 2:01,695.

2. Scott Redding (Gb), Suter, 0,054 Sek. Zur.

3. Stefan Bradl (De), Kalex, 0,106.

4. Andrea Iannone (It), Suter, 0,288.

5. Tom Lüthi (Sz), Suter, 0,448.

6. Marc Marquez (Sp), Suter, 0,653.

7. Michele Pirro (It), Moriwaki, 0,803.

8. Aleix Espergaro (Sp), Kalex, 0,882.

9. Julian Simon (Sp), Suter, 0,925.

10. Claudio Corti (It), Suter, 0,978.

Ferner : 21. Randy Krummenacher (Sz), Kalex, 2,027. 32. Dominique Aegerter (Sz), Suter, 3,228.

39 Piloten am Start.

Krummenacher: Grosse Sprüche - grosse Taten?

Randy Krummenacher (20) hat das Selbstvertrauen eines Champions. In seiner ersten Moto2-WM kann er 2011 die Überraschung der Saison werden. Dank Investor und Manager Marco Rodrigo hat der Schweizer den Aufstieg in die zweithöchste Motorradklasse geschafft und fährt nun als Teamkollege von WM-Favorit Stefan Bradl im deutschen Kiefer-Team. Krummenacher hat sich zum Ziel gesetzt, in jedem Training in die erste Hälfte des Klassements zu fahren. Das hat beim ersten Trainingstag zum GP von Katar mit dem 21. Rang bei 39 Fahrern nicht ganz geklappt. Holt der 20-Jährige zum Saisonauftakt bereits Punkte, will sein Manager die Korken knallen lassen.

Aegerter: Zu wild um ein neuer Tom Lüthi zu sein?

Die Schonzeit für Dominique Aegerter ist vorbei: Erstmals steht er unter hohem Erwartungsdruck. Aber nach dem ersten Trainingstag zum GP von Katar ist er ratlos: nur Platz 32. «Ich bin einfach zu wenig schnell», sagte er gegenüber 20 Minuten Online. «Ich weiss nicht woran es liegt. Die Maschine ist gar nicht so schlecht. Ich muss einfach mehr riskieren und näher ans Limit gehen.» Seit einem üblen Sturz bei Testfahrten ist der Berner verunsichert. Dabei sind die Erwartungen in seinem fünften WM-Jahr erstmals richtig hoch, die Lehrzeit des 20-Jährigen ist vorbei. Spätestens seit letztem Herbst, als er als erster Schweizer Tom Lüthi bei einem WM-Rennen schlagen konnte.

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