Aktualisiert 11.06.2015 15:44

De Gregorios Rücktritt

Der Blatter-Witz und was davor war

Der Witz, den Walter de Gregorio über Sepp Blatter und die Fifa erzählt hat, kann nicht der Grund für seine Demission sein. Das wäre ein Witz.

von
Sandro Compagno
Das Verhalten von Medien-Chef Walter de Gregorio im Fifa-Skandal kam innerhalb des Fussballverbands offenbar nicht nur gut an.

Das Verhalten von Medien-Chef Walter de Gregorio im Fifa-Skandal kam innerhalb des Fussballverbands offenbar nicht nur gut an.

Und wieder rumpelt es am Zürichberg. Eine gute Woche nachdem Fifa-Präsident Sepp Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat, geht einer seiner engsten Mitarbeiter: «Walter de Gregorio verlässt die Fifa» meldete der Fussball-Weltverband am Nachmittag.

Über die Gründe der sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist nichts Offizielles zu erfahren. Bei der Fifa will sich niemand zitieren lassen, der sonst so eloquente de Gregorio ist nicht zu erreichen.

Einzig Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke dankt de Gregorio in salbungsvollen Worten: «Walter hat die letzten vier Jahre unglaublich hart gearbeitet und wir sind ihm dafür sehr dankbar.» De Gregorio bleibe der Fifa bis Ende Jahr als Berater erhalten, säuselt Valcke in der Medienmitteilung weiter: Auf Deutsch übersetzt heisst das, dass die Fifa seinen Lohn so lange weiterbezahlen wird. Das hat nichts mit Kommunikation, aber viel mit Buchhaltung zu tun. Das Geld muss vom richtigen Konto abgebucht werden.

Der Witz beim letzten Auftritt

Schnell machte die Runde, der 50-jährige, frühere Journalist sei über seinen Blatter-Witz gestolpert, den er am Montag in der Sendung «Schawinski» auf SRF erzählt habe.

Gemäss Fifa-Insidern greift diese Erklärung zu kurz. Die nonchalante Art des Sohnes italienischer Einwanderer, seine manchmal saloppe Art der Kommunikation, kam nicht überall in der Fifa gut an.

Nach der Verhaftung von sieben Fifa-Funktionären in Zürich vor zwei Wochen traten die Unstimmigkeiten zwischen Präsident und Kommunikationschef immer deutlicher zutage. Die Auftritte von de Gregorio kamen zwar beim Publikum gut an, ob sie der Fifa in der grössten Krise ihrer Geschichte genützt haben, ist jedoch fraglich.

De Gregorio und Blatter entfernten sich

Auch war Walter de Gregorio zuletzt nicht mehr allein für die präsidiale Kommunikation zuständig. Das Büro des Präsidenten plante Termine unabhängig von der Medienabteilung und mit Klaus J. Stöhlker ging ein PR-Profi im «Home of Fifa» ein und aus. Der Doyen der Schweizer PR-Branche beriet Blatter von Januar bis Mai in seiner Wahl-Kampagne. Immerhin Stöhlker war ein Zitat zum abrupten Abgang des Kommunikationschefs zu entlocken: «Ich bezweifle, dass ein Journalist als Kommunikationschef geeignet ist.»

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