Aktualisiert 07.07.2014 15:23

Brenzliger Tag

Der blaue Brief kommt meist an einem Montag

Montags und mittwochs erhalten Mitarbeiter am häufigsten die Kündigung, dienstags hingegen fast nie. Schweizer Experten wissen, warum.

von
Valeska Blank
Am Wochenanfang sind Kündigungen wahrscheinlicher als vor dem Wochenende.

Am Wochenanfang sind Kündigungen wahrscheinlicher als vor dem Wochenende.

Schaut der Chef am Montag oder Mittwoch finster drein, sollte man ihm am besten aus dem Weg gehen. Denn an diesen Wochentagen ist die Gefahr einer Kündigung am grössten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Münchner Anwaltskanzlei Heisse Kursawe Eversheds.

Spitzenreiter bei der Kündigungsfrequenz ist der Montag: Dann werden über 30 Prozent der Kündigungen ausgesprochen. Ein schlechter Tag für Arbeitnehmer ist auch der Mittwoch mit knapp 30 Prozent. Praktisch kaum gefeuert werden Mitarbeiter hingegen an einem Dienstag. Nur 7 Prozent der Kündigungen werden an diesem Tag vollzogen.

«Das Unangenehme hinter sich bringen»

André Schläppi von Grass & Partner berät Kadermitarbeiter bei Kündigungen und hilft ihnen bei der Neuorientierung. Er kennt mögliche Gründe, warum sich gerade montags die Kündigungen häufen. «Am Wochenanfang gilt in vielen Unternehmen die Devise, die Dinge anzupacken und Unangenehmes rasch hinter sich zu bringen», so der Personalexperte zu 20 Minuten.

Keinesfalls empfehlenswert für eine Kündigung ist laut Schläppi der Freitag. «Es ist unprofessionell, die Mitarbeiter so ins Wochenende zu entlassen und ihnen nichts als Ungewissheit mitzugeben.» Dass die meisten Arbeitgeber so denken, bestätigt die Studie von Heisse Kursawe Eversheds: Auf den Freitag entfallen nur 11 Prozent der Kündigungen.

«Art und Weise ist wichtig»

Auch für den selbstständigen Personalberater Rolf Kraft ist ein blauer Brief am Freitag tabu. Nach einer Kündigung müssten angeschlagene oder geschockte Mitarbeiter aufgefangen und begleitet werden. Dass auch der Mittwoch bei Chefs für Kündigungen beliebt ist, erklärt sich Kraft so: «Es bleiben noch zwei Arbeitstage für Erklärungen durch den Vorgesetzten oder Gespräche mit Kollegen - und trotzdem geht es nicht mehr allzu lange bis zum Wochenende.» Am Samstag und Sonntag könne der entlassene Mitarbeiter die Kündigung in Ruhe verarbeiten und sich erste Gedanken über die berufliche Zukunft machen.

Für Personalexperte Schläppi ist die Wahl des Wochentags jedoch nicht der einzige Faktor, den Chefs bei Überlegungen zum richtigen Zeitpunkt einer Kündigung berücksichtigen sollten. Viel wichtiger sei die Gesamtsituation. «Man sollte zum Beispiel auch darauf achten, wann die anderen Teammitglieder anwesend sind», so Schläppi.

Am allerwichtigsten sei sowieso die Art und Weise der Kündigung. «Ein Kündigungsgespräch ist nie schön - umso wichtiger ist es, dass der Chef seriös vorbereitet ist, Wertschätzung zeigt und auf die individuelle Situation des Mitarbeiters eingeht.» Hilfreich sei zudem, wenn man den gekündigten Angestellten bei der Bewerbung auf eine neue Stelle unterstütze.

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