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ReportageDer Blog-Stylist

Der Zürcher Pascal Grob ist nicht einfach ein Fashion-Blogger, sondern ein virtueller Stylist. Nach nur fünf Monaten inspiriert der Blog des 20-Jährigen bereits ­grosse Magazine.

von
David Torcasso

Ernst blickt Pascal in die Linse, steckt lässig die Hände in die Taschen seiner hochgekrempelten dunkelblauen Leinenhose, rückt seine Fischermütze mit den zwei Bändeln nach vorne, die Kamera blitzt. Aber da ist kein Fotograf, der Anweisungen gibt, kein Stylist, der einen neuen Blazer bringt, kein Make-up-Artist – niemand. Pascal rückt das Stativ seiner Kamera im Garten seines Elternhauses zurecht und schiesst per Selbstauslöser Fotos. Immer wieder schreitet er über den Rasen, dreht am Rädchen der Kamera, stellt den Blitz ein und wirft sich in Pose. Stundenlang, bis er zufrieden ist mit seinen Bildern. Oder bis es dunkel wird.

Pascal Grob ist Modeblogger. Aber auf seiner Site «Fashion Bits and Bobs»

zeigt er nicht wie so viele andere Street-Style-Blogger ausschliesslich gut angezogene Leute, sondern er ist meistens sein eigenes Model. «Fast wie eine lebende Schaufensterpuppe», wie er sagt. «Es geht mir aber nicht um mich, sondern um die Kleider.» Die er irgendwie in­sze­nieren muss: «Ich hab ja nicht ständig Models zur Verfügung. Und auch keine Teile, die ihnen passen würden.» Deshalb holt Pascal auch seine eigenen Klamotten aus dem Schrank, steigt in eine Hose, die er beim britischen Online-Shop ASOS bestellt hat. Kombiniert sie mit einem Shirt von Surface to Air und braunen Vintage-Oxford-Schuhen. «Ich zeige einfach, was mir gefällt. Wenn es jemanden inspiriert, dann ist das grossartig.»

Zu seinen Fotos stellt er immer eine Art Collage mit den Kleidungsstücken und den Angaben zu den Labels. «Ich möchte damit zeigen, dass es um eine gute Kombination der einzelnen Teile geht, egal, wie teuer oder günstig sie sind.» Bei anderen Street-Style-Blogs sehen die Leute zwar toll aus, aber man hat meistens keine Ahnung, von welchen Labels die Kleider sind. Und genau das macht den Unterschied. Pascal ist nicht nur ein Stylehunter, sondern ein Internet-Stylist: An einen Cardigan heftet er eine übergrosse Sicherheitsnadel, anstatt ein Taschentuch steckt er eine ausgerissene, vergilbte Buchseite in die Brusttasche seines Blazers oder bindet sich den Schal zu einem eleganten Knoten.

«Es geht mir nicht um mich, sondern um die Kleider»

«Style und Stil sind für mich nicht das Gleiche – nur möglichst ausgefallene Klamotten zu tragen, ist keine Kunst.» Für Pascal sind Accessoires oder eine gute Kombina­tion viel wertvoller.

Die raffinierte und detailverliebte Mischung seines «Fashion-Krimskrams» ist ansteckend: Es vergeht kein Tag, an dem der 20-Jährige nicht von einem Styleblog oder einem Modemagazin irgendwo auf der Welt empfohlen oder verlinkt wird. Teenvogue.com war so begeistert von seinem Style, dass sie ihre Rubrik «Girl of the Week» kurzerhand in «Boy of the Week» umbenannten und Pascal vorstellten. Papermag.com aus New York widmete ihm eine Seite mit dem Titel «WWWe Could Be Next». Das Magazin verglich seine Bilder sogar mit The Sartorialist, dem bekanntesten Fashion-Blogger der Welt. «Früher waren sie meine Vorbilder und jetzt entdecke ich einen Link auf ihren Seiten zu meinem Blog», sagt Pascal verlegen und sympathisch bescheiden. Die belgische «Elle» und «GQ» haben auch schon wegen Bildern bei ihm angeklopft.

«Mode gibt einem Bild eine elegante Aesthetik»

Früher war das alles noch anders. Pascal drückte die Schulbank mit Mathemathik-Geeks und schrieb sich an der Uni als Wirtschaftsstudent ein. Anstatt über die Lösung der Wirtschaftskrise zu grübeln, begann er nebenbei Fotos von Landschaften, Räumen und Freunden mit Stil zu schies­sen. Vor einem halben Jahr stellte er sein erstes Outfit auf die bekannte Fashion-Plattform lookbook.nu und bekam hunderte Feedbacks. Einen Monat später beschloss er dann, seinen Blog zu gründen.

Gerne würde Pascal sein Interesse vertiefen, beispielsweise an der Central Saint Martins in London – der Talentschmiede vieler bekannter Designer wie Alexander McQueen oder John Galliano. Doch nicht, um wie alle Mode zu studieren, sondern um seine wahre Leidenschaft zu leben: Fotografie. «Mode interessiert mich sehr, weil sie einem Bild eine unglaublich elegante Ästhetik verleihen kann, aber was ich wirklich will, ist fotografieren.» Der Blog dient ihm dabei als Portfolio. Deshalb «schmuggelt» er zwischen die Looks auch immer wieder eine Landschafts- oder Porträtaufnahme hinein. «Ich kann mit dem Blog viele Menschen erreichen, die meine Bilder sehen und bewerten.» Und vielleicht ist mal ein bekannter Fotograf darunter. Oder ein Modedesigner. Das wünscht sich Pascal.

Look-Book: Pascal präsentiert in der Diashow drei Outfits für diese Saison aus seinem Blog «Fashion Bits and Bobs».

Seine Favoriten: Labels und Blogs, von denen sich Pascal Grob inspirieren lässt.

Favorite Labels

Chanel, Lanvin, Acne, Whyred, COS (Collection of Style), H&M, Filatures du Lion, Weekday MTWTFSS, Gucci, Burberry Prorsum

Favorite Blogs

jakandjil.com/blog; www.stylesightings.com; www.knighttcat.com ; www.selectism.com; dancingtothebeatofrain.blogspot.com ; www.garancedore.fr/en ; stockholmstreetstyle.feber.se; www.theselby.com

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