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ModeDer Boss befiehlt

Premium-Mode bleibt derzeit in den Regalen liegen oder am Bügel hängen. Zu spüren bekommt das auch der Modekonzern Hugo Boss. Er knebelt nun seine Lieferanten.

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sas/scc

Die Konsumflaute sorgt bei Modelabels wie Chanel oder Louis Vuitton für schlechte Zahlen. Anfangs Jahr musste Chanel bereits 200 Mitarbeiter entlassen und Louis Vuitton verschob den Bau seines luxuriösen Flagship-Stores in Tokio auf später. Die Krise spürt auch Hugo Boss. Der Gewinn fürs erste Halbjahr 2009 fiel mit 47,7 Millionen Euro um rund 20 Prozent tiefer aus als noch vor einem Jahr. Der weltweite Konzernumsatz sank um 5 Prozent auf 788 Millionen Euro.

Lieferanten unter Druck

Laut eigenen Angaben reagierte der Modekonzern bereits Ende 2008 auf die Wirtschaftskrise. Die Kollektionen wurden vereinfacht und damit die Produktions- und Logistikkosten reduziert. Senken will Hugo Boss auch die Erträge seiner Zulieferer: Letzte Woche hatte der Konzern laut «Financial Times Deutschland» seine Zulieferer im Bereich «Non-Production-Materials» aufgefordert, fünf bis 20 Prozent ihres mit Boss erzielten Umsatzes der vergangenen zwölf Monate zurückzuerstatten. Diese Lieferanten - von IT-Dienstleistungen über Agenturen bis hin zu Druckereien - würden andernfalls künftig nicht mehr berücksichtigt.

Keine Knebelverträge

Gegenüber 20 Minuten Online bestätigte Hugo-Boss-Kommunikationsdirektor Philipp Wolff im Grundsatz den Sachverhalt: «Wir verhandeln mit unseren Lieferanten über Preise, Nachlässe und Gutschriften.» Es handle sich aber lediglich um Forderungen im Bereich von 5 bis 10 Prozent. Wegen der Wirtschaftskrise müsse auch Hugo Boss die Kosten senken. Von einer Knebelung der Lieferanten will Wolff aber nicht sprechen. Der Modekonzern hätte seinen Zulieferern lediglich eine Aufforderung geschickt: «Seid kreativ und unterbreitet uns für die Zukunft günstigere Lösungen.»

2008 hat Hugo Boss bei rund tausend Lieferanten Waren, Produkte und Dienstleistungen für 274 Millionen Euro eingekauft, welche nicht direkt die Modeherstellung betreffen. Bei rund der Hälfte der Zulieferer verspricht sich der Modekonzern Zugeständnisse sowie eine Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Einfluss des Besitzers

Hugo Boss rechnet erst im kommenden Jahr mit einer Trendwende im Modemarkt. Daher fährt der Konzern einen harten Sparkurs. Dieser hat aber auch mit dem Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, zu tun. 2007 kaufte der englische Finanzinvestor auf Pump die italienische Boss-Muttergesellschaft Valentino. Nun ist der Investor auf Gewinne des deutschen Modekonzerns angewiesen, um die eigenen Schulden zu bedienen.

Von der Militäruniform zum Herrenanzug

Die Bekleidungsfirma Hugo Boss wurde 1923 von Hugo Ferdinand Boss gegründet, der 1933 in die NSDAP eintrat und als grosser Nutzniesser des Nazi-Systems gilt. Hugo Boss fertigte anfänglich Uniformen für die Wehrmacht und die Hitlerjugend an und beschäftige im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa. Mit der Herstellung von Herrenanzügen begann Hugo Boss erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

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