Mafia-Boss Giovanni Brusca (64) kommt vorzeitig frei – Italien ist empört
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Giovanni BruscaDer «brutalste» Mafia-Boss kommt vorzeitig frei – Italien ist empört

Giovanni Brusca tötete über 150 Menschen – darunter Kinder, schwangere Mädchen und auch den prominenten Richter Giovanni Falcone. Nun hat Italiens Justiz den 64-Jährigen freigelassen.

von
Karin Leuthold
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Mafia-Boss Giovanni Brusca kam mit dem Ende seiner 25-jährigen Strafe am 31. Mai 2021 in Rom auf freien Fuss. 

Mafia-Boss Giovanni Brusca kam mit dem Ende seiner 25-jährigen Strafe am 31. Mai 2021 in Rom auf freien Fuss.

Tony Gentile
Brusca galt als Vertrauter des berüchtigten Mafia-Bosses Salvatore Riina aus dem sizilianischen Corleone. 

Brusca galt als Vertrauter des berüchtigten Mafia-Bosses Salvatore Riina aus dem sizilianischen Corleone.

VQH
Brusca gab einst zu, 1992 an einem Bomben-Attentat beteiligt gewesen zu sein, bei dem der Jurist und Mafia-Jäger Giovanni Falcone nahe Palermo auf einer Autobahn getötet wurde.

Brusca gab einst zu, 1992 an einem Bomben-Attentat beteiligt gewesen zu sein, bei dem der Jurist und Mafia-Jäger Giovanni Falcone nahe Palermo auf einer Autobahn getötet wurde.

LMD

Darum gehts

  • Am Montagabend kam der Mafioso Giovanni Brusca mit dem Ende seiner 25-jährigen Strafe in Rom auf freien Fuss.

  • Die Freilassung des Bosses der sizilianischen Mafia Cosa Nostra sorgt in Italien für Wirbel.

  • Brusca steht jedoch weiter unter Bewachung, und in den kommenden vier Jahren gilt für ihn die sogenannte Freiheit unter Aufsicht.

Die Nachricht über die Freilassung des italienischen Mafia-Bosses Giovanni Brusca prangte am Dienstag auf den Titelseiten vieler Tageszeitungen. «Brusca freigelassen – der grausamste Boss», schrieb etwa die Zeitung «La Repubblica». Für «Il Giornale» ist Bruscas Freilassung «ein Affront für alle Opfer».

Italien ist entsetzt: Giovanni Brusca hat im Laufe seiner kriminellen Laufbahn über 150 Menschen getötet - darunter den prominenten Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone. Dass er am Montag vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, ist vor allem für die Hinterbliebenen unbegreiflich.

Warum kam Giovanni Brusca frei?

Das Mitglied der sizilianischen Mafia Cosa Nostra wurde wegen guter Führung aus einem Gefängnis in Rom nach 25 Jahren Haft vorzeitig entlassen.

Er galt als einer der engsten Vertrauten von Toto Riina, dem Chef der Cosa Nostra. Im Mai 1996 wurde er festgenommen, kooperierte selbst als «pentito» (übersetzt «Reuiger») mit den Ermittlern und sagte während der Haft in mehreren Prozessen als Kronzeuge für den Staat aus.

Der 64-Jährige muss noch eine Bewährungsstrafe von vier Jahren ableisten.

Der Mord an Richter Giovanni Falcone

Der Anti-Mafia-Untersuchungsrichter Giovanni Falcone war am 23. Mai 1992 zusammen mit seiner Frau und Leibwächtern bei einem Bomben-Attentat auf der Autobahn in der Gemeinde Capaci getötet worden. Giovanni Brusca hatte persönlich den Knopf für die Fernzündung der 400-Kilo-Bombe unter dem Auto des Ermittlungsrichters gedrückt.

Der Mord geschah in Folge von Verurteilungen zahlreicher Mafiosi in einer Reihe von Prozessen in den 1980er Jahren und Anfang der 1990er Jahre. Falcone hatte sich viele Jahre gegen die Machenschaften der Mafia engagiert und war zu dieser Zeit das Gesicht im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, unter anderem mit der Schaffung der Anti-Mafia-Behörde.

Der Mord an Giuseppe di Matteo

Brusca ist auch für den Mord an Giuseppe Di Matteo verantwortlich, dem 13-jährigen Sohn des abtrünnigen Mafiosos Santino Di Matteo. Um «den Verrat» des Vaters zu rächen, entführte Brusca den Jungen in der Nähe eines Reitstalls und brachte ihn für die nächsten zwei Jahre immer wieder in verschiedene Verstecke. Die Versuche der Cosa Nostra, seinen Vater zu überzeugen, seine Geständnisse zurückzuziehen, scheiterten. Schliesslich erwürgte Brusca Giuseppe Di Matteo und löste seine Leiche in Säure auf.

Wie reagieren die Angehörigen der Opfer?

Maria Falcone, die Schwester des ermordeten Richters, sagte dem Portal «Tgcom 24» zur vorzeitigen Freilassung von Brusca: «Menschlich gesehen ist das eine Nachricht, die schmerzt. Aber so ist das Gesetz. Eine Rechtsprechung, die mein Bruder so gewollt hatte und die respektiert werden muss.»

Ganz anders ist die Reaktion von Santino Di Matteo, der Vater des getöteten Giuseppe. «Er hat meinen Sohn in Säure aufgelöst, er hat ein schwangeres Mädchen erwürgt, Brusca gehört nicht zur Spezies Mensch. Wenn ich ihn auf der Strasse finde, weiss ich nicht, was passiert», sagte er zum Portal Fanpage.

Kritik auch aus der Politik

Der Chef der Mitte-Rechts-Partei PD, Enrico Letta, nannte die Entlassung aus der Haft «einen Schlag in die Magengrube, die einen sprachlos macht. Man fragt sich, wie das möglich ist. Das ist nicht die Justiz, die Italien verdient hat»

«Das ist eine inakzeptable Schande», twitterte Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung. Die Freilassung Bruscas sei ein technisch unvermeidlicher Akt, aber moralisch nicht zu akzeptieren, schrieb die Ministerin für Süditalien von der konservativen Forza Italia, Mara Carfagna.

(Mit Material von AFP und DPA)

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