Aktualisiert 11.06.2017 17:46

Doktorspiele«Der Bub wird durch Kesb-Einsatz traumatisiert»

Ein Fünfjähriger aus dem Laufental soll ein auffällig sexualisiertes Verhalten zeigen. Die Kesb hat ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.

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duf/the
Ein fünfjähriger Junge zeigte ein auffälliges sexuelles Verhalten. Deshalb schaltete die Kesb die Staatsanwaltschaft und Fachpersonen ein.

Ein fünfjähriger Junge zeigte ein auffälliges sexuelles Verhalten. Deshalb schaltete die Kesb die Staatsanwaltschaft und Fachpersonen ein.

Keystone/urs Flueeler

Der Junge soll erst vor anderen Kindern damit geprahlt haben, einem Mädchen zwischen die Beine gefasst zu haben. Die Partnerin eines Vaters erwischte ihn zudem bei Doktorspielen mit einem anderen Knaben. «Mit heruntergelassenen Hosen und erigiertem Penis, habe er versucht, den anderen Buben zu penetrieren», zitiert der «SonntagsBlick» die Aktennotizen.

Der besorgte Vater alarmierte daraufhin im Juni 2016 die Kesb. Weil sie in dem Jungen ein Missbrauchs-Opfer oder Zeuge von Sexpraktiken seiner Eltern sah, schaltete die zuständige Kesb-Mitarbeiterin die Staatsanwaltschaft ein und verlangte eine Hausdurchsuchung. Die Behörde sagte jedoch ab, weil es für einen Tatverdacht mehr als blosse Vermutungen brauche.

Eltern wehren sich

Die Kesb geht der Sache jedoch weiter nach. Sie zog Psychiater und Kinderärzte bei und fragte bei den Kindergärtnerinnen nach. Letztere sprachen von einem absolut normalen Entwicklungsstand. Die Fachpersonen diagnostizierten hingegen beim Knaben ein auffällig sexualisiertes Verhalten und empfahlen, ein Gutachten zu erstellen. Ein solches ordnete die Kesb am 22. Mai an.

Die Eltern des betroffenen Buben fühlen sich von der Kesb wie Kriminelle behandelt und wollen wenn nötig bis vor Bundesgericht ziehen, um ein solches Gutachten zu verhindern, wie ihr Anwalt dem «SonntagsBlick» sagte. Es seien doch nur kindliche Doktorspiele gewesen.

«Der Bub wird traumatisiert»

Politiker streiten, ob das Eingreifen der Kesb angemessen war. «Das ist typisch für die Kesb, gleich die Staatsanwaltschaft einschalten und eine Hausdurchsuchung anordnen, anstatt mit der Familie zu sprechen», sagt Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder (SVP). Sie sitzt im Komitee der Kesb-Initiative, welche die Beweislast umkehren will: «Die Kesb soll in Zukunft beweisen müssen, dass ein Eingreifen notwendig ist, und nicht die Betroffenen, dass es falsch ist.»

Betreue die falsche Person bei der Kesb den Fall, könne diese das Leben einer Familie zur Hölle machen. «Der Bub wird durch diesen Einsatz traumatisiert und die Familie wird für immer stigmatisiert.» Ob der Eingriff im Fall des fünfjährigen Buben gerechtfertigt war, will Keller-Inhelder nicht beurteilen. «Ich kenne den Fall nicht persönlich. Diese Maschinerie in Gang zu setzen ist aber sicher nicht der richtige Weg.»

«Das ist kein normales Verhalten»

Anders sieht dies CVP-Nationalrat Alois Gmür. «Ein anderes Kind mit dem Penis penetrieren zu wollen ist kein normales Verhalten eines Fünfjährigen. Der Eingriff der Kesb war hier richtig, sie muss herausfinden, was in diesem Elternhaus vorgeht.» Gleich eine Hausdurchsuchung anzuordnen sei jedoch übereilt gewesen. «Erst hätte man mit den Nachbaren und deren Kindern reden sollen.»

Die Kritik an der Kesb ist für ihn unverständlich. «Ein übereilter Eingriff kann auch passieren, wenn etwa die Gemeinde für solche Fälle zuständig ist.» Hier werde wieder versucht, der Kesb die Schuld in die Schuhe zu schieben. «Dabei gibt es hunderte von Kesb-Stellen, die gute Arbeit leisten.»

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