Faule Beamte?: «Der Bund muss Effizienz des Personals messen»
Aktualisiert

Faule Beamte?«Der Bund muss Effizienz des Personals messen»

Politiker werfen der Bundesverwaltung fehlende Effizienz vor. Statt jährlich 150 neue Vollzeitstellen zu schaffen, soll der Bundesrat die Produktivität der Verwaltung steigern.

von
D. Krähenbühl
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Bundesverwaltungsangestellte sollen effizienter werden, fordern bürgerliche Politiker.

Bundesverwaltungsangestellte sollen effizienter werden, fordern bürgerliche Politiker.

Keystone/Monika Flueckiger
Am Dienstag reichte FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischer Gewerbeverbands Ulrich Bigler eine Motion ein, in der er «ein System zum Management der Produktivität» in der Bundesverwaltung fordert. Die Produktivitätssteigerung soll laut Bigler den «stetigen Ausbau der Bundesverwaltung» stoppen

Am Dienstag reichte FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischer Gewerbeverbands Ulrich Bigler eine Motion ein, in der er «ein System zum Management der Produktivität» in der Bundesverwaltung fordert. Die Produktivitätssteigerung soll laut Bigler den «stetigen Ausbau der Bundesverwaltung» stoppen

Keystone/Peter Klaunzer
Was Bigler erstaunt: In der Verwaltung verdient jeder Zweite mehr als 8000 Franken im Monat. «Man würde vermuten: Die Kombination aus Spitzenlohn und Uni- oder Hochschul-Abschluss würde die Bundesverwaltung sehr effizient machen», sagt Bigler. Doch dies scheint ihm nicht der Fall

Was Bigler erstaunt: In der Verwaltung verdient jeder Zweite mehr als 8000 Franken im Monat. «Man würde vermuten: Die Kombination aus Spitzenlohn und Uni- oder Hochschul-Abschluss würde die Bundesverwaltung sehr effizient machen», sagt Bigler. Doch dies scheint ihm nicht der Fall

Keystone/Monika Flueckiger

Keine Verschnaufpause für die Angestellten der Bundesverwaltung: Nachdem der Ständerat am Montag vier Vorstösse bachab geschickt hat, die unter anderem einen Angleich ihrer Löhne an den Privatsektor, die Streichung des Teuerungsausgleichs oder die Plafonierung der Anzahl Angestellten verlangten, folgen nur kurz danach zwei neue.

Am Dienstag reichte Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischer Gewerbeverbands, eine Motion ein, in der er «ein System zum Management der Produktivität» in der Bundesverwaltung fordert. Die Produktivitätssteigerung soll laut Bigler den «stetigen Ausbau der Bundesverwaltung» stoppen (siehe Box). Und am Mittwoch reichte FDP-Nationalrat Marcel Dobler im Namen seiner Fraktion einen Vorstoss ein, der eine zunehmende Automatisierung der Bundesverwaltung forderte, um die Effizienz zu steigern.

Was Bigler erstaunt: In der Verwaltung verdient jeder Zweite mehr als 8000 Franken im Monat. «Man würde vermuten: Die Kombination aus Spitzenlohn und Uni- oder Hochschul-Abschluss würde die Bundesverwaltung sehr effizient machen», sagt Bigler. Doch das ist seiner Meinung nach nicht der Fall: «Laut Bundesrat wird die Produktivität der Bundesverwaltung weder gemessen noch ist sie Teil des Managementkonzepts.» Ein Problem sei, dass der Bund bei zunehmender Aufgabenfülle keine Aufgabenpriorisierung vornehme und daher die Verwaltungstätigkeit immer mehr zunehme.

Fehlender Druck als Problem

Digitec-Mitgründer Dobler stört sich zudem an der ungenügenden Effizienzsteigerung innerhalb der Bundesverwaltung. Eine Lösung für das Problem sieht er in einer zunehmenden Prozessautomatisierung der Verwaltung. «In der Privatwirtschaft sind Unternehmen und Personen aufgrund des Drucks durch den Markt gezwungen, innovativer und effizienter zu werden. In der Verwaltung herrscht kein solcher Druck.» In einer Firma sei Innovation ein strukturierter Vorgang. «Beim Bund ist Innovation sehr personalabhängig und somit Zufall», sagt Dobler.

Daher setze er sich dafür ein, dass das «Silo-Denken» der Bundesverwaltung ein Ende gesetzt wird und ein departementsübergreifendes Kompetenzzentrum entsteht, das sich um die Effizienzsteigerung im gesamten Verwaltungsapparat kümmert. Wenn man – so wie die Verwaltung sagt – jährlich 150 Personen mehr anstellen will, sei das doch «ein Fass ohne Boden», sagt Dobler. Zuerst soll man schauen, dass man mit den bisherigen 35'000 Angestellten produktiver werde. «Die Frage ist: Hat es der Steuerzahler nicht verdient, dass sein Geld so effizient wie möglich eingesetzt wird?»

«Hohe Leistungsbereitschaft»

Die Präsidentin des Personalverbands des Bundes, Barbara Gysi, wehrt ab: «Schon heute werden Zielvorgaben vereinbart, deren Umsetzung regelmässig überprüft werden.» Ein Produktivitäts-Management würde deshalb nur weitere Kosten verursachen, ohne einen zusätzlichen Nutzen zu bringen. In den «bürgerlichen Angriffen» gegen Bundesverwaltungsangestellte vermutet Gysi politisches Kalkül. «Bigler und Co. wollen den Staat wie eine Firma führen. Der Staat funktioniert aber anders und muss den Bürgern dienen.»

Die Verwaltungsangestellten würden von der Öffentlichkeit nicht jene Wertschätzung erfahren, die sie eigentlich verdienten, sagt SP-Nationalrätin Gysi. «Es gibt viele Klischees, die überhaupt nicht zutreffen. Die Leistungsbereitschaft ist sehr hoch.» Aufgrund der Aufgabenfülle der Verwaltung befürworte sie aber einen gewissen Grad der Automatisation. Sie betont: «Die technischen Hilfsmittel können die Arbeit der Angestellten aber immer nur ergänzen, nicht ersetzen.»

Bundesrat fordert 150 neue Stellen pro Jahr

Bundesrat fordert 150 neue Stellen pro Jahr

Bis zu 250 neue Vollzeitstellen will der Bund gemäss Bundesbudget 2018 auch dieses Jahr wieder schaffen, mit einer Kostensteigerung auf 5.8 Milliarden Franken wird gerechnet. Der Bund stellt also praktisch jeden Arbeitstag einen neuen Beamten ein - unter anderem auch bei der Bundesverwaltung. Das sei zu viel, entschied das Parlament schon 2015 und wollte die Zahl der Angestellten in der Bundesverwaltung bei 35'000 deckeln. Nach Eingreifen des Bundesrates hat der Ständerat das Geschäft nun aber abgeschrieben. Laut Ueli Maurer nähmen die Aufgaben des Bundes laufend zu. Um sie zu bewältigen seien die jährlich rund 150 Stellen unbedingt nötig.

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