Neue Radarkästen: Der Bund testet die Superfalle

Aktualisiert

Neue RadarkästenDer Bund testet die Superfalle

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) installiert derzeit ein neues Radarsystem. Es misst das Durchschnittstempo eines Fahrzeugs über mehrere Kilometer und wird im Herbst in Arisdorf BL und zwischen Aigle VD und Bex VD getestet.

«Mit den neuen Radaranlagen wollen wir den Verkehr flüssiger machen sowie Tempoexzesse und abruptes Bremsen vor dem Radar vermeiden», sagte ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Er bestätigte damit einen Bericht der «SonntagsZeitung».

Drei dieser sogenannten Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen (AGK) werden ab September 2010 zum Einsatz kommen: eine auf einem 8 Kilometer langen Abschnitt der A9 zwischen Aigle und Bex, eine zweite im Arisdorftunnel auf der A2 (auf 1,8 Kilometern); die dritte Anlage ist mobil.

Das Prinzip dahinter: Die Radaranlagen filmen alle Fahrzeuge am Anfang und am Ende eines kontrollierten Abschnitts und registrieren die Zeit für die Durchfahrt. Daraus ermitteln sie die durchschnittliche Geschwindigkeit jedes einzelnen Fahrzeugs.

Jagd auf Vignettensünder

Laut ASTRA-Sprecher Rohrbach kosten die drei Anlagen rund 1,6 Millionen Franken. Radarfallen dieser Art gibt es bereits in England, Holland, Italien und Österreich. Die Daten aus Italien zeigten, dass die Tempoexzesse nach Einführung der AGK deutlich zurückgingen, sagte Rohrbach.

Radarfallen dieser neuen Generation könnten 2012 definitiv auf Schweizer Strassen eingeführt werden - nach der Evaluation der Tests von Arisdorf und Aigle. Kantone, die sich für eine AGK interessieren, müssen laut Rohrbach beim ASTRA eine Bewilligung einholen. Im Gegenzug wird der Bund die Installation finanzieren.

Die neuen Radarfallen können nicht nur Temposünder ermitteln - sie sollen beispielsweise auch gestohlene Fahrzeuge oder fehlende Vignetten ausfindig machen. (sda)

Neue Radarfallen: Staus drohen

Doch genau dies könnte nach hinten losgehen, warnt der deutsche Stauforscher Michael Schreckenberg: «Autofahrer werden durch die AGK verunsichert und fahren langsamer als nötig. Das hemmt den Verkehrsfluss.» Ausserdem seien Lenker, die über längere Strecken mit einer niedrigen Geschwindigkeit fahren, unterfordert und gelangweilt. «Dadurch passieren mehr Unfälle», warnt Schreckenberg. Sinnvoll sei eine Abschnittskontrolle nur bei Unfallschwerpunkten. Auch Verena Diener (GLP/ZH), Mitglied der Verkehrskommission, kritisiert die AGK: «Das ist ein weiterer Schritt zu einem zunehmenden Überwachungsstaat.» Selbst Astra-Projektleiter Volker Fröse ist vom Erfolg noch nicht überzeugt: «Die Meinungen zur Sicherheit der AGK gehen auseinander. Wir wollen nun selber herausfinden, was sie taugt.» Kommt das Astra zu einem positiven Befund, sollen die Anlagen auch andernorts eingesetzt werden. (Andrea Schmits)

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