Aktualisiert 10.12.2017 14:59

Bern

«Der Buschauffeur war aggressiv, ich hatte Panik»

Das Video des kickenden Buschauffeurs schlug hohe Wellen. Nun spricht der Passagier, der im Postauto getreten wurde. Er hat den Fahrer angezeigt.

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cho/ber

Diese Aufnahmen des Vorfalls wurden 20 Minuten zugestellt. (Video: Leser-Reporter)

Ein Augenzeuge hatte gegenüber 20 Minuten berichtet, der Passagier habe mit den Tätlichkeiten begonnen. Daraufhin meldete sich dieser bei 20 Minuten, um seine Sicht darzulegen. Hier seine Schilderung des Vorfalls.

«Der Tag hat für mich super angefangen und endete im absoluten Horror», sagt der junge Mann. Er sass am Dienstagabend im Postauto 101 nach Hinterkappelen, als es zum Handgemenge zwischen ihm und dem Postauto-Chauffeur kam. Videoaufnahmen eines Augenzeugen zeigen, wie der Chauffeur im Kung-Fu-Stil in Richtung des Mannes zutritt.

Streit um Burger-Papier

Er sei ganz vorne im Bus gesessen und habe vor der Abfahrt noch die letzten Bissen seines Cheeseburgers genossen. Als er damit fertig war, habe er das Papier im kleinen Ghüderkübel gleich bei der Führerkabine entsorgt – dies habe dem Chauffeur nicht gepasst. «Er hat mir in sehr schroffem Ton befohlen, das Papier wieder rauszunehmen, weil das sein privater Ghüder und er keine Putzfrau sei», sagt der Mann.

«Nachdem ich mich geweigert habe, stand der Fahrer bei der nächsten Haltestelle auf, nahm das Papier aus dem Behälter und steckte es mir in meine Jacke.»

«Er schlug zuerst zu»

«Wie er mit mir umgegangen ist, hat mich in diesem Moment sehr wütend gemacht», so der Mann weiter. Darum habe er die Verpackung aus der Tasche genommen und auf den Boden geworfen. Daraufhin sei die Situation eskaliert – beide seien laut geworden und sich schliesslich gegenüber gestanden. «Aus heiterem Himmel hat er mir einen Faustschlag verpasst. Der Buschauffeur war richtig aggressiv, ich hatte Panik», sagt der Passagier. Er habe versucht, sich zu schützen und die Arme vors Gesicht genommen. Als nächstes habe der Buschauffeur dann zugetreten. Mehrmals habe er dem Chauffeur gesagt: «Was machst du für einen Scheiss?»

Augenzeuge berichtet vom Postauto-Kick

Er habe danach nur noch aus dem Bus steigen wollen. «Ich habe die Türe geöffnet, bin raus und habe dem Fahrer noch hinterher geschrien, dass er dafür seinen Job verlieren wird.» Von draussen habe er dem Fahrer noch zugeschrien: «Ich ficke dich.» Er sei nicht stolz darauf, aber ihm seien einfach die Sicherungen durchgebrannt.

Aufnahmen sollen Wahrheit zeigen

Er sei froh, dass Postauto jetzt die Überwachungsbänder des Vorfalls gesichert habe: «Auf diesen wird ganz klar ersichtlich sein, dass ich unschuldig und das Opfer bin.» Er gehe nun rechtlich gegen den Buschauffeur vor. Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern, bestätigt: «In Zusammenhang mit diesem Vorfall wurde bei uns eine Strafanzeige eingereicht.»

Postauto Schweiz wollte zu den Vorwürfen gegen den Fahrer noch keine Stellung nehmen, sonder erst die Ergebnisse der internen Untersuchung abwarten: «Wir klären den Ablauf ab, auch mithilfe der Auswertung der Überwachungskamera. Wir tun dies seriös und wollen dem Ergebnis nicht vorgreifen», so Sprecherin Katharina Merkle.

Wann diese bekannt werden, ist noch unklar. Fest steht bereits, dass es sich beim umzankten Müllbehälter tatsächlich um einen Ghüderkübel für den Fahrer handelt. «Jedoch ist es nicht verboten, dass auch Passagiere ihren Abfall darin entsorgen», so Merkle.

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