Aktualisiert 01.04.2010 08:06

«Time Out» mit Klaus ZauggDer Club geht zu den Playouts, bis er bricht

Jede Serie geht einmal zu Ende. Das sollte den SCL Tigers nach dem 2:4 in Biel zu denken geben. Der Liga-Erhalt ist immer noch in Gefahr.

von
Klaus Zaugg
Noch ist der Krug nicht zerbrochen. Trotzdem jubelt Biel.

Noch ist der Krug nicht zerbrochen. Trotzdem jubelt Biel.

Seit dem Wiederaufstieg im Frühjahr 1998 ist es den Langnauer immer gelungen, der NLB buchstäblich davonzulaufen. Die Playoffs haben sie nie erreicht, als «unplayoffbar» haben sie ebenso Kultstatus wie als «unabsteigbar». Aber wir sehen mit einem Blick zum Fussball, dass auch den vermeintlich «Unabsteigbaren» die Relegation droht: Der FC Aarau steht vor dem Fall in die Challenge League.

Um in die Playoffs zu kommen, waren die Langnauer noch nie zu langsam. Aber immer zu leicht und in der Defensive zu wenig stabil. Es reichte nicht einmal mit Torhüter Martin Gerber, der gut genug war, um in Schweden Meister und in der NHL ein Multimillionär zu werden.

An dieser Ausgangslage hat sich immer noch nichts geändert. Trainer, Präsidenten, Manager und Spieler kommen und gehen - die Probleme bleiben bestehen, das Layout der Mannschaft ist das gleiche geblieben. Auch im Frühjahr 2010 haben die Langnauer nur eine Chance: Sie müssen der NLB davonlaufen. Ein Sieg in Biel am Dienstag hätte die 3:0-Führung im Playoutfinale gebracht. Die Emmentaler hätten dann nur noch einen einzigen Heimsieg für die vorzeitige Rettung gebraucht, sie hätten sich bereits am Gründonnerstag mit einem vierten Sieg retten können.

Aber es hat am Dienstag nicht gereicht. Nach zwei Siegen, die sie primär ihrem Tempospiel verdanken, blieben sie auf einmal stehen. Mit einem 4:2-Sieg ist Biel in die Serie zurückgekehrt, die Langnauer führen nur noch 2:1

Tatsächlich siegte Biel in erster Linie, weil der Gegner einen schwachen Abend erwischte bzw. sein Tempospiel nicht mehr aufziehen konnte. Ja, die Bieler spielten eishockeytechnisch weniger gut als am Samstag bei der 3:5-Niederlage in Langnau. Aber sie waren, anders als die Langnauer, bereit. Was wiederum einen Grund hat: Sportchef Kevin Schläpfer mischt wieder an vorderster Front mit. Symbolisch: In der zweiten Pause des samstäglichen Spiels in Langnau hatte er es nicht mehr als Beobachter auf der Tribune ausgehalten und stieg hinab auf die Höhe des Eisfeldes.

Vor einem Jahr hat Schläpfer während der Liga-Qualifikation beim Stande von 2:0 für Lausanne Trainer Heinz Ehlers gefeuert, selber das Traineramt übernommen und Bieler gerettet. Nicht als Taktiker. Aber es gibt in unserem Eishockey nur wenige, die eine Mannschaft so gut motivieren und aus einer Depression herausholen können wie Schläpfer, der an einem guten Tag eine mitreissende Mischung aus Clown und Chef gibt. So hat er vor einem Jahr die Emotionen entfacht, die schliesslich den Ligaerhalt gesichert haben.

Eine Entlassung des Trainers ist jetzt, ein Jahr später, in Biel kein Thema. Schliesslich ist Trainer Kent Ruhnke Schläpfers Freund. Trotzdem ist der Sportchef jetzt mehr als einfach Ruhnkes Boss. Er ist so nahe an der Mannschaft herangerückt wie nie während der ganzen Saison und Ruhnke würde bei keinem anderen Vorgesetzten diese Nähe dulden. Schläpfer bestätigt, dass er seit der zweiten Niederlage gegen die SCL Tigers Einzelgespräche mit den Spielern geführt hat. «Das war notwendig. Aber es ging nicht um Taktik. Das ist Kent Ruhnkes Gebiet und da mische ich mich nicht ein.»

Schläpfers Motivationskunst in Ehren: Seine Bieler hätten keine Chance gehabt, wenn die Langnauer auch in der dritten Partie auf der Überholspur gespielt hatten. SCL Tigers waren in dieser dritten Playout-Finalpartie ganz einfach zu wenig schnell.

Lausanne hat in Visp gewonnen, führt im NLB-Finale 2:1 und kann nun mit zwei Heimsiegen in die Liga-Qualifikation einziehen. Wenn die Langnauer nicht schnell genug sind, um gegen Biel eine 2:0-Führung im Playoutfinale ins Ziel zu retten - sind sie dann schnell genug, um Lausanne in der Liga-Qualifikation davonzulaufen?

Wahrscheinlich nicht.

Der Krug geht in die Playouts bis er bricht. Oder, auf die Langnauer übertragen: Der Tiger läuft der NLB davon, bis er hinkt.

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