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TerminkalenderDer Corona-Fahrplan im Schweizer Teamsport

Wie geht es mit dem Mannschaftssport in der Schweiz auf Top-Stufe weiter? Eine Auslegeordnung in den fünf grössten Sportarten.

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ete/mal/jch/erh/rha

YB gegen Basel gibt es vorerst nicht so schnell zu sehen. (Bild: Keystone)

Fussball: Die Super League wurde nach 23 von 36 Spielen abgebrochen, zudem sind drei Cuprunden sowie die zwei Barrage-Spiele ausständig.

Eishockey: Die letzten zwei Runden der Regular Season konnten mit Geisterspielen zu Ende gebracht werden. Der Playoff-Start wurde anschliessend verschoben und die Saison schliesslich abgesagt.

Handball: Nach 25 respektive 24 von 27 Partien der Qualifikation wurde die Saison abgebrochen. Es gibt keinen Meister und auch keine Auf-/Absteiger. Die Cupfinals wurden ebenfalls abgesagt. Die ersten vier der Rangliste (Kadetten Schaffhausen, Pfadi Winterthur, Kriens-Luzern und St. Otmar St. Gallen) spielen in der nächsten Saison in den Europacups (European Handball League als zweitbester Wettbewerb, und EHF-Cup). Die Kadetten hoffen noch auf ein Freilos für die Champions League.

Unihockey: Mitten während des Playoffs wurde der Spielbetrieb eingestellt und die Saison vorzeitig abgebrochen. Weder bei den Frauen noch bei den Herren gibt es in der Nationalliga einen Meister. Auch Auf- und Absteiger werden nicht erkoren. Zur Teilnahme am Champions Cup, dem Turnier der vier Landesmeister aus Schweden, Finnland, Tschechien und der Schweiz, das 2021 in Winterthur stattfindet, sind die Qualifikationssieger SV Wiler Ersigen und Piranha Chur berechtigt.

Volleyball: Sie sind Erste – und doch nicht Meister. Amriswil und Aesch-Pfeffingen stellten bei Männern und Frauen das beste Volleyball-Team. Das Schlussbouquet mit Live-Übertragung im SRF und anschliessender Feier aber blieben aus, weil die Meisterschaft noch vor den Playoff-Halbfinals abgebrochen wurde. Gewertet wird die Rangliste nach der Qualifikation, die relevant ist für die Plätze in den europäischen Club-Wettbewerben. Besonders hart getroffen hat der derzeitige Ausnahmezustand das Beachvolleyball. Bislang ist auf sandiger Unterlage noch kein Ball über die Netze geflogen, sämtliche internationale Events sind bis Ende Juli abgesagt. Somit auch das 5-Sterne-Turnier von Gstaad, das am 7. Juli hätte beginnen sollen.

Zug und Davos duellieren sich frühestens im Herbst wieder. (Bild: Keystone)

Fussball: Die SFL hatte in einem Konzept vorerst zwei Optionen ausgearbeitet, um die Meisterschaft 2019/20 zu Ende zu bringen. In beiden Fällen wurden daraus nur Rechenbeispiele, weil der Bundesrat erst am Mittwoch, 29. April, über Lockerungen im Sport berät und die SFL sich nach den neuen Daten richten muss. Mögliche Abläufe sind

Option 1

7 Tage: Training in Kleingruppen ohne Körperkontakt.

16 Tage: Mannschaftstraining mit Körperkontakt.

Start mit den Pflichtspielen.

Option 2

14 Tage: Training in Kleingruppen ohne Körperkontakt.

19 Tage: Mannschaftstraining.

Danach Fortsetzung der Meisterschaft.

Eishockey: Der Start der Saison 20/21 ist am 18. September geplant.

Handball: Die Meisterschaft für 2020/21 wurde programmgemäss ausgeschrieben, sie soll in der NLA am 2. September starten.

Unihockey: Im Mai hätte die erste Cup-Runde der neuen Saison ausgetragen werden sollen. Diese wurde zunächst auf Juni verschoben. Sollte bis dann aufgrund der Empfehlungen des Bundesrats und des Bundesamts für Gesundheit kein Start des Cups möglich sein, erfolgt eine erneute Verschiebung in den August. Aktuell geht der Verband davon aus, die nationale Meisterschaft am Wochenende vom 19./20. September starten zu können. Gleichzeitig werden aber innerhalb einer Taskforce Szenarien erarbeitet, wovon auch einige von einem Saisonstart zu einem späteren Zeitpunkt ausgehen. «Schlussendlich gilt es, auf möglichst viele Eventualitäten vorbereitet zu sein und gleichzeitig stets flexibel und agil zu bleiben», heisst es auf Anfrage.

Volleyball: Zurzeit gehen die Verantwortlichen bei Swiss Volley davon aus, dass wie angedacht im Oktober in die neue Hallensaison gestartet werden kann. Bereits im August sollten die Nationalteams ihre ersten Auftritte haben. Ob die EM-Qualifikation allerdings bereits im Spätsommer beginnt, ist fraglich. Zumal die Vorbereitung je nach Nation höchst unterschiedlich sein dürfte. Die Beachvolleyballer liebäugeln derweil damit, dass zumindest auf nationaler Ebene ab dem 8. Juni in die Saison gestartet werden kann. Dann soll die dritte Lockerungsstufe der bundesrätlichen Exit-Strategie beginnen. Soll. Ungewiss ist auch das.

Wann kommt es zum nächsten Duell zwischen Pfadi Winterthur und den Kadetten Schaffhausen? (Bild: Keystone)

Fussball: Die Liga wird nun den Bundesrats-Entscheid abwarten und erst dann Beschlüsse über die Weiterführung oder den vorzeitigen Abbruch des Spielbetriebs fällen.

Eishockey: Kann im September wieder mit Publikum gespielt werden? Oder in nur zu einem Teil gefüllten Stadien? Und wie wollen sich die Vereine da organisieren? Oder sind nur Geisterspiele möglich, was die Existenz vieler Vereine erst recht in Frage stellen würde? Es gibt Überlegungen, den Saisonstart auf Oktober zu verschieben, doch ein weiterer Monat ohne Einnahmen könnte für Clubs verheerend sein.

Handball: Finanziell über die Runden kommen und endlich wieder gemeinsam trainieren. Für die Nationalmannschaft gab es derweil am Freitag einen argen Dämpfer. Weil die Playoffs für die WM 2021, in denen die Schweiz im Juli gegen Island um das Ticket gekämpft hätte, abgesagt wurden, bleibt ihr die Chance verwehrt, sich für die Endrunde zu qualifizieren. Das Final 4 der Champions League ist auf Ende Dezember dieses Jahres in Köln verschoben worden.

Unihockey: Als Teamsport mit Körperkontakt besteht eine grosse Unsicherheit, wann wieder wettkampfmässig gespielt werden kann. Entsprechend wird der Weg von der jetzigen Situation bis zu einem wettkampfmässigen Match im Vergleich mit Sportarten bei welchen das Social Distancing einfacher eingehalten werden kann wohl länger ausfallen. Schlussendlich steigen mit zunehmender Länge dieses Weges auch die finanziellen Herausforderungen, sowohl für die Vereine wie auch für den Verband. Schwierig gestaltet sich die Situation auch für die verschiedenen Nationalteams. Für das U-19-Nationalteam der Frauen wäre Anfang Mai die WM auf dem Programm gestanden. Diese wurde in den September verschoben. Wann das Team wieder in Hallen, Krafträume oder auch gemeinsam in den Theorieraum darf ist nach wie vor unklar. Auch dem Nationaltrainer der Männer fehlen im Hinblick auf die im Dezember in Helsinki stattfindende WM wichtige Analysen.

Volleyball: Kurz: die Planungsunsicherheit. Verschieben sich die Wettkämpfe der Junioren- und Elite-Nationalteams in den Herbst oder noch weiter nach hinten, hätte das auch Auswirkungen auf den Schweizer Ligabetrieb. Einen Kalender für die Meisterschaften zu finden, der an den internationalen Daten vorbeikommt, dürfte zur Herkulesaufgabe werden. Ebenso schwierig dürfte die Festsetzung von Wettbewerben im Beachvolleyball werden, wenn die Saison losgeht und auch international gespielt wird.

Die Unihockeyaner wissen ebenfalls noch nicht, wann sie wieder spielen können. (Bild: Keystone)

Fussball: Die Wiederaufnahme des Profibetriebes muss unter strikten Auflagen (Social-Distancing, Desinfektions- und Hygienestrategien, kontaktloses Fiebermessen) an die Clubs und deren Mitarbeiter (beschränkte Anzahl) erfolgen. Zudem gibt es Überlegungen, alle Spiele in einem oder zwei Stadien (mehrere Spiele an einem Tag) auszutragen. Das hätte Vorteile für die Logistik und regionale Einschränkungen (Hotspots Tessin und Waadtland) könnten umgangen werden. Trotz angespannter finanzieller Lage werden sich die Clubs mit Geisterspielen abfinden müssen. So sollten zumindest die TV-Verträge erfüllt werden können, zumal die Clubs von den TV-Geldern abhängig sind. Allerdings bleibt die finanzielle Herausforderung für die Vereine riesig, auch, weil sie keinen Anspruch auf Kurzarbeit hätten, sobald der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird.

Eishockey: Um Kosten zu schonen, gilt es als wahrscheinlich, dass der kostentreibende Abstieg für die nächste Saison abgeschafft wird. Der Swiss-League-Meister könnte aufsteigen, wenn er die Auflagen erfüllt und die National League würde als Folge davon in der Saison 21/22 13 Teams umfassen. Geplant ist, Mitte Juni an der Ligaversammlung über die einzelnen Punkte abzustimmen. Zudem ist es ein Thema, die Anzahl der Ausländer zu erhöhen, um den Preisdruck aufs Schweizer Personal zu erhöhen. Apropos Ausländer: Wie sicher ist es überhaupt, dass Übersee-Stars wie Mark Arcobello, Garrett Roe oder Chris DiDomenico rechtzeitig vor der neuen Saison in der Schweiz anreisen können?

Handball: Da auch die Qualifikationsturniere für Olympia (ohne Schweiz) noch keinen Platz im Kalender gefunden haben, wird er immer dichter und dichter. Statt die Spieler ein bisschen entlasten zu können, wird wohl das Gegenteil der Fall sein.

Unihockey: Nach der Heim-WM der Frauen im vergangenen Dezember in Neuenburg und dem denkwürdigen Gewinn der Silbermedaille hatten ursprünglich viele Spielerinnen mit dem Rücktritt vom Spitzensport geliebäugelt. Nun wollen jedoch nicht alle ihre Karriere aufgrund des Coronavirus abrupt ausklingen lassen. So konnten beispielsweise die Kloten-Dietlikon Jets die Vertragsverlängerung mit gleich vier Schweizer Nationalspielerinnen bekanntgeben.

Volleyball: Erstmals in der 62-jährigen Geschichte des Schweizer Verbandes wurden Ende Saison keine Pokale und Medaillen verteilt - auch der Cupfinal, angesetzt auf den 28. März, entfiel. Weil es weder Meister noch Auf- oder Absteiger gibt - mit Ausnahme des Männerteams von Lutry-Lavaux, das sich freiwillig in die NLB zurückzieht -, wurde eine geplante Modusänderung auf die Saison 2021/22 verschoben: Diese sieht vor, dass es in der NLB statt zwei Achtergruppen neu nur noch eine Zwölfergruppe gibt.

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